Seit kurzem ist das Thema Vogelgrippe wieder in die Medien prässent. In Großbritannien mussten bereits mehr als 50.000 Truthähne geschlachtet werden. Auf der Farm waren vergangene Woche mehr als 2.500 Vögel an der Vogelgrippe verendet. Stehen wir wieder vor dem Beginn einer H5N1-Pandemie?
Nachgefragt wurde bei Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, vom Zentrallabor, Gelbfieber-Impfstelle, Stiftung Juliusspital, Würzburg:
Wird uns das Thema Vogelgrippe nach den Ausbruch in Großbritannien auf einer Truthanh-Farm erneut bschäftigen?
Es kann davon ausgegangen werden, dass der Erreger sich stetig in der aviären Population ausbreitet. Dies ist nichts ungewöhnliches, da auch Vögel sich vermutlich seit der Saurierzeit mit Grippeviren auseinander setzen mussten. Solange sich das Virus auf die Vogelpopulation beschränkt, besteht bei unserer mitteleuropäischen Art des Umgangs mit diesen Tieren nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung. Erst wenn zum Überwinden der Speziesbarriere kommt und das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar wird, droht Gefahr.
05.02.2007 - Aktuelles zur Vogelgrippe
Vogelgrippe: Alles nur Panikmache oder stehen wir vor dem Beginn einer H5N1-Pandemie?
Sollte das Virus sich auf den Menschen ausbreiten, drohen uns dann Szenarien wie bei der "Spanischen Grippe" mit Millionen von Toten?
Aufgrund der Kenntnis der Übertragungswege des Virus, seuchenhygienischer Strategien, der Verfügbarkeit intensivmedizinischer Maßnahmen sowie Chemoprophylaktika und –therapeutika (Neuraminidasehemmer), halte ich diese Befürchtungen zum gegenwärtigen Stand für weit übertrieben. Es ist ja auch gar sicher, dass H5N1 wirklich zu einem hochpathogenen menschlichen Grippe mutiert. Auch eine Veränderungen zum harmlichen "Schnupfenvirus" ist durchaus möglich.
Stehen wir der Entwicklung schutzlos gegenüber?
Mehrere Impfstoffhersteller sind bereits in der Endstufe (Phase-III) der klinischen Entwicklung von prophylaktischen Kandidaten-H5N1-Impfstoffen, so dass im Falle des Ausbruchs einer Pandemie innerhalb weniger Monaten wirksame aktive Impfstoffe zur Verfügung stehen werden. Zwar sind die weltweiten Produktionskapazitäten für Influenza-Impfstoffe derzeit bei weitem noch nicht ausreichend, allerdings dürfte dies nur ein industrietechnisches Problem sein. Da auch die Entwicklung von in Zellkulturen hergestellten Influenza-Impfstoffen auf der Zielgeraden ist, dürfte auch das Kapazitätsproblem bald der Vergangenheit angehören.
Was machen die zuständigen Behörden? Sind dort die Pandemieplanungen bereits abgeschlossen?
Seit der Implementierung des Nationalen Influenza-Pandemieplanes haben die Bundesländer ihrerseits Länderpandemiepläne erarbeitet. An der Umsetzung dieser Länderpläne wird derzeit auf Landkreis und Stadtkreisebene unter Einbeziehung sämtlicher beteiligter Stellen gearbeitet. Dazu gehören die Gesundheitsämter, Katastrophenschutz, Feuerwehr, Rotes Kreuz, Polizei, Krankenhäuer und kassenärztliche Vereinigung.
Hier liegt das Problem im Detail, d. h. viele, umzusetzende Punkte scheitern an den finanziellen Problemen (zum Beispiel Bevorratung, Personaleinsatz und infrastrukturelle Maßnahmen). Eine Lösung dieser Probleme ist derzeit nicht in Sicht. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Länder die Umsetzung und Planung auf die zuerst Betroffenen verlagert hat und diese jetzt mit der "Planung des Nichtplanbaren" alleine gelassen werden... [mehr]
