Die männliche Circumcision (Beschneidung; Entfernung der Vorhaut) ist in einigen Religionen, wie zum Beispiel bei Juden wie auch Muslimen, obligatorisch und hat eine lange Tradition. So waren zum Beispiel bereits die Mumien in alten Ägypten beschnitten. Auch in den USA wurden Ende der 1970er Jahre noch fast bei 90% aller Neugeborenen eine Circumcision durchgeführt.
Verschiedenste Studien zeigen zudem, dass eine Circumcision keine negative Auswirkung auf die Sexualität hat. Gerade die gesundheitlichen Vorteile, wie zum Beispiel seltenere Harnwegsinfektionen, signifikant geringere Inzidenz des Peniskarzinoms und geringere Übertragungswahrscheinlichkeit onkogener humaner Papillomviren, sprechen für diese Maßnahme.
12.02.2006 - Schützt die männliche Circumcision vor HIV?
Beschneidung: Vorteil nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen
Epidemiologische Studien aus Uganda belegen jetzt, dass die männliche Circumcision nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen einen protektiven Faktor vor einer HIV-Infektion darstellt. Seit den 1980er Jahren weisen anekdotische Daten daraufhin, dass Männer mit einer Circumcision eine geringere Wahrscheinlichkeit aufweisen, sich mit HIV beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr zu infizieren. Für den Geschlechtsverkehr zwischen Männer gilt dieser Zusammenhang jedoch nicht.
Auf der inneren Seite der Vorhaut lässt sich bei HIV-Infizierten 9-mal mehr Virus nachweisen, als auf der äußeren Haut des Penis. Durch die Circumcision wird daher bei Männern eine wichtige Eintrittspforte für HIV geschlossen. Eine Studie der Johns Hopkins Medical School in Baltimore (USA) kommt jetzt zum Schluss, dass eine männliche Circumcision auch für Frauen das Risiko einer HIV-Übertragung um 30% senkt. Bei dieser Studie wurden 343 Paare in Uganda über einen Zeitraum von 1994 bis 2001 untersucht.
Bei Aufnahme in die Studie waren alle Männer bereits mit HIV infiziert, ihre Partnerinnen hingegen HIV-negativ. Bei 44 Männern war früher eine Circumcision durchgeführt worden, während 299 nicht-circumcisiert waren. Während die HIV-Infektionsrate bei Frauen mit circumcisierten Partnern 6,6% pro Jahr betrug, lag die Prozentsatz bei Frauen mit nicht-circumcisierten Partnern bei 10,3%. Aus den Ergebnissen der Studie wird abgeleitet, dass sich durch die männliche Circumcision die Übertragungswahrscheinlichkeit einer HIV-Übertragung bei ungeschütztem heterosexuellem Geschlechtsverkehr in Afrika reduzieren lässt und sich damit auch die Weiterverbreitung der Seuche zu einem gewissen Anteil eindämmen lässt.
Ähnliche Ergebnisse wurden bereits in Studien in Australien sowie Südafrika gefunden. Sollte die Circumcision als ein Maßnahme des öffentlichen Gesundheitsdienstes durchgeführt werden sollte, muss jedoch darauf geachtet werden, dass dieser Eingriff nur von fachkundigem medizinischen Personal durchgeführt wird. Bei unsachgemäßer Durchführung einer Circumcision besteht andererseits ein Infektionsrisiko, das unter Umständen in Entwicklungsländern auch eine HIV-Infektion umfasst (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010