Trotz der in vielen Ländern implementierten staatlichen Lebensmittelüberwachung und Fleischbeschau treten regelmäßig Erkrankungen an Trichinellose auf. Dabei kann es entweder zu sporadischen Einzelfällen oder aber zu epidemischen Ausbrüchen kommen. Gerade in Osteuropa, Russland sowie den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion ist die Trichinellose weiterhin von medizinischer Bedeutung.
Verursacht wird die Trichinellose durch den Rundwurm Trichinella spiralis. Die Infektion des Menschen erfolgt durch Genuss von rohem oder ungenügend erhitztem Fleisch, das Larven des Erregers enthält. Nach der oralen Aufnahme der eingekapselten Larven werden diese im Dünndarm frei, durchdringen die Darmwand und gelangen hämatogen oder lymphogen in die Muskulatur. Dort kapseln sie sich ab und können nach mehreren Monaten schließlich verkalken. Die adulten Würmer im Darm sterben dann nach einigen Wochen ab.
13.02.2006 - Trichinellose in Osteuropa
Trichinellose: Weiterhin ein lebensmittelhygienisches Problem?
Im Zeitraum von 1995 bis 1997 wurden in der Russischen Föderation 1383 Erkrankungen an Trichinellose registriert. Im Jahr 2004 traten dort immerhin noch 514 Erkrankungsfälle auf. Berichtet wurde u.a. ein Ausbruch in Novosibirsk im Jahr 2005, der durch den Verzehr von Dachsfleisch verursacht wurde.
In Kasachstan wird jährlich mit 4 bis 68 Fälle gerechnet, die meist im Zusammenhang mit dem Verzehr von Hundefleisch stehen. Größere Ausbrüche mit 199 Erkrankungsfällen wurden aus Georgien gemeldet. Hier war infiziertes Bärenfleisch die Infektionsquelle. Auch aus Schweinefleisch hergestellte Wurstwaren waren in Georgien wiederholt mit Trichinen verseucht.
Auch in den baltischen Republiken kommt es regelmäßig zu Trichinellosen, wobei dort die Erkrankungszahlen inzwischen deutlich rückläufig sind. In Lettland wird mit jährlich 15 bis 81 Fällen gerechnet. Bemerkenswert waren 2 größere Ausbrüche mit 255 bzw. 165 Erkrankungen im Zeitraum von 1995 bis 1998. Auch 2005 erkrankten 27 Menschen in Riga, die infizierten Schinken auf dem zentralen Markt der Hauptstadt gekauft hatten. In Litauen stehen die Infektionen meist im Zusammenhang mit dem Verzehr von Wildschwein. So wurde 2001 ein Ausbruch mit 124 Erkrankungsfällen registriert. In Estland wurden im Zeitraum von 1990 bis 1998 insgesamt 67 Erkrankungsfälle registriert.
Nach dem Verzehr von kontaminiertem Fleisch beträgt die Inkubationszeit beträgt 8 bis 15 Tage. In vielen Fällen verläuft die Infektion asymptomatisch. Der Ausprägungsgrad der klinischen Beschwerden ist von der Menge der aufgenommenen Larven abhängig. Am Beginn der Erkrankung kommt es zu Diarrhoen und abdominellen Beschwerden. Nach 1 bis 3 Wochen treten dann generalisierte Muskelschmerzen hinzu, verbunden mit Fieber, Kopfschmerzen, Gesichtsödem, Heiserkeit und Konjunktivitis. Das Fieber kann oft über mehrere Wochen persistieren. Typisch ist das Auftreten eines makulösen oder urtikariellen Exanthems. Komplikationen der Trichinellose sind Augenmuskellähmungen, myokardiale, pulmonale sowie zerebrale Schädigungen. Mittel der Wahl in der Behandlung ist Mebendazol sowie alternativ Albendazol und Tiabendazol.
Gefährdet sind Reisende, die in diesen Ländern insbesondere ungenügend erhitztes oder gepökeltes Wildfleisch verzehren. Wird Fleisch von z. B. einem Jagdausflug aus Osteuropa nach Deutschland mitgebracht, sollte ein möglicher Trichinenbefall bedacht werden.
Der Nachweis einer akuten Trichinellose ist gemäß des Infektionsschutzgesetzes §7 namentlich durch das untersuchende Labor zu melden (Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010