Keine andere Erkrankung erfordert so sehr eine mutige und offene Auseinandersetzung - und dennoch bringt gerade der Brustkrebs häufig Tabuisierung und Isolation mit sich. Deren bekämpfung und Überwindung steht im Mittelpunkt eines sechswöchigen Ausstellungs- und Aktionzyklus der Barmer und des Brustzentrums Vogelsangstraße in Wuppertal: Ab dem 28.Januar 2006 sind 60 Exponate von 18 Künstlerinnen aus ganz Deutschland unter dem Titel "Brust - Lust - Frust" in zwei Wuppertaler Geschäftsstellen der Barmer sowie im Foyer der Klinik Vogelsangstraße zu sehen.
Parallel zu diesen Aussstellungen gibt es zahlreiche begleitende Veranstaltungen. Diese reichen vom Brust-Tastseminar über die Einladung zu einem Kinofilm zum Leben mit Brustkrebs bis zur Präsentation maltherapeutischer Angebote.
Für Martin Schneider, Leiter der Barmer-Direktion Wuppertal, ist das Engagement seines Hauses die logische Ergänzung einer Vielzahl von Aktivitäten. Dabei geht es uns natürlich um die quantitative Dimension des Brustkrebs` - jede 9. Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens hieran - vor allem aber leitet uns ein klarer Anspruch: Wir wollen dazu beitragen, dass jeder Frau alle wichtigen Angebote zur Verfügung stehen; insbesondere aber auch, dass eine Betroffene sich in ihrer individuellen Not nicht aleingelassen fühlt.
Dr. Jörg Falbrede, Chefarzt der Frauenklinik der Klinik St. Antonius und Leiter des Brustzentrums Vogelsangstraße, ist begeistert, dass die Exponate in Wuppertal gezeigt werden: "Man muss wissen, dass die Idee zu solch einer Ausstellung aus den USA kommt. Dort ist sie Ausdruck des Protests von Frauen. Dieser wollte auf eklatante Defizite in der Erforschung, Diagnostik und Therapie des Brustkrebs´ hinweisen."
Von daher sei diese Galerie ein symbol für eine zweifache Erkenntnis: Der Erfolg der Behandlung hänge von der Bereitschaft ab, sich auf diese existentiell bedrohliche Situation einzulassen. Und die Perspektive einer an Brustkrebs erkrankten Frau werde gestärkt durch umfassende und kompetente Hilfsangebote.
Zeugnis solch individueller Not legen die Exponate ab, die den Rahmen der Veranstaltungsreihe bilden: Sämtliche Arbeiten stammen von Frauen, die mit der Diagnose Brustkrebs direkt oder über eine Angehörige oder Freundin konfrontriert worden sind. Zwar ist die künstlerische Auseinandersetzung mit einer Erkrankung ein häufig gewählter Weg... "So radikal wie hier, wo die Brust zugleich Zeichen der Schönheit, Hort der Bedrohung und Auslöser von Tabuisierung ist, geschieht dies aber selten", beschreibt Gudrun Angelis, Kuratorin der vom Bonner "Frauenmuseum" betreuten Wanderausstellung, welche Eindrücke, Anregungen und Irritationen die Besucher erwarten dürfen.