Als Ursache von viralen Gastroenteritiden bei Kindern sind eine Reihe von Erregern bekannt. Neben Rota-Viren, Adeno-Viren, Noro-Viren, Astro- und Coronaviren müssen seit kurzem auch Sapo-Viren differenzialdiagnostisch mitberücksichtigt werden. Sapoviren wurden erstmals in Sapporo isoliert, was zur Bezeichnung "Sapo" geführt hat.
Sapo-Viren gehören zur Familie der Caliciviridae, Genus Sapo-Virus. Das Genom der Erreger besteht aus linearer, einzelsträngiger RNA positiver Polarität. Die Familie der Caliciviren umfasst viele Subtypen, die neben respiratorischen auch für gastroenterale Beschwerden verantwortlich sind. Auch bei Sapo-Virus konnte in molekulargenetischen Untersuchungen inzwischen verschiedene Virusvarianten nachgewiesen werden. Da das Virus unbehüllt ist, ist es gegen die gängigen Desinfektionsmittel relativ stabil.
16.01.2006 - Sapo-Virusinfektion: Wichtiger Erreger von Diarrhöen bei Kindern?
Ausbrüche oftmals in kinderbetreuenden Einrichtungen
Sapo-Viren wurden bereits in mehreren Ländern, wie Schweden, Vereinigtes Königreich, Thailand, Australien, Südafrika, Mexiko, Argentinien, Japan und USA, nachgewiesen, so dass davon auszugehen ist, dass der Erreger weltweit verbreitet ist. Über die Häufigkeit des Auftretens des Erregers im Vergleich zu anderen viralen Gastroenteritiserregern liegen bisher nur wenig Beobachtungen vor. Eine Studie aus Sydney ergab, dass Sapo-Virus für 4% von viralen Gastroenteritiden verantwortlich ist. Meist wird dieser Erreger bei Ausbrüchen in kinderbetreuenden Einrichtungen, wie Kinderkrippen oder Kindergärten, isoliert. Übertragen werden Sapo-Viren auf fäkal-oralem Weg. Dabei ist insbesondere ein enger Kontakt für die Ansteckung notwendig.
Klinisch verursachen Sapo-Viren meist nur eine leichte, akut verlaufenden Gastroenterits. Dabei kommt es zu eher wässrigen Diarrhöen, abdominellen Krämpfen, Übelkeit und Erbrechen. Auch Fieber kann bestehen. Die Erkrankung ist in aller Regel nach wenigen Tagen selbstlimitierend. Chronische Verläufe sind bisher nicht bekannt.
Die Therapie der Sapo-Virusinfektion erfolgt symptomatisch und supportiv. Eine spezifische antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung. Wichtig ist eine orale Rehydratation sowie eine Elektrolytsubstitution.
Die Diagnostik erfolgt derzeit durch den Nachweis von viraler RNA mittels Nukleinsäureamplifikationstests. Testmöglichkeiten stehen derzeit nur in Referenzzentren für enterale Virusinfektionen (Robert-Koch-Institut, Berlin) zur Verfügung. Antikörpertests wurden bislang nicht etabliert und dürften auch für Diagnostik der akuten Erkrankung ohne Belang sein.
Eine Meldepflicht besteht für die Sapo-Virusinfektion nach den Infektionsschutzgesetz nicht. Sollte es allerdings zu einer Häufung von Fällen z. B. in einem Krankenhaus oder kinderbetreuenden Einrichtung kommen, ist dieser Ausbruch namentlich meldepflichtig (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010