21.12.2005 - Das Herz: Organ und Metapher

Von der Liebe bis zu Herz-Lungen-Maschine

Das Herz, präziser Hochleistungsmotor und zugleich Inbegriff allen Denkens, Fühlens und Sehnens, hat Wissenschaftler aller Fachrichtungen zwei Semester lang beschäftigt. Die Vorträge aus der Ringvorlesung "Das Herz" haben die Initiatoren, Prof. Dr. Wilhelm Geerlings (Lehrstuhl Alte Kirchengeschichte, Katholisch-Theologische Fakultät) und Prof. Dr. Andreas Mügge (Direktor der RUB-Kardiologie in den BG Kliniken Bergmannsheil und im St. Josef Hospital) nun in einem Band veröffentlicht. 16 Vorträge und zahlreiche Abbildungen beleuchten das Herz als Organ und Metapher.

Hochleistungsmotor

Das Herz eines 80-Jährigen Menschen hat ungefähr drei Milliarden Mal geschlagen und dabei 300 Millionen Liter Blut durch seinen Körper bewegt - ein leistungsfähiger Motor von großer Präzision. Wie geht das eigentlich? Wie funktioniert die Steuerung? Beeindruckende Einblicke in die natürliche Funktion des Herzens gibt der Beitrag des RUB-Biologen Prof. Hans Hatt. Und was, wenn es nicht mehr funktioniert?

Die moderne Medizin nimmt das Herz in Augenschein, spürt Engpässe mittels Katheter auf und baut Metallstützen ein, schubst ein Herz, das aus dem Takt geraten ist, mit Stromschlägen wieder an, berichtet der Kardiologe Prof. Andreas Mügge. Wenn es gar nicht mehr kann, treten Herzchirurgen in Aktion: Prof. Axel Laczkovics erläutert, wie das Herz ersetzt werden kann, entweder durch das Herz eines anderen Menschen oder sogar durch eine künstliche Pumpe.

Sitz der Gefühle

Aber das Herz ist noch viel mehr: Wie kein anderes Organ ist es emotional besetzt, als Sitz der Gefühle, als Ort der Liebe und der Sehnsucht, als Metapher für Empfindungen und Eigenschaften. Zwei ganze Seiten Sprichwörter "mit Herz" haben die Autoren dem Band vorangestellt. Die Autoren blicken zurück auf die Bedeutung des Herzens im alten Testament und im Mittelalter, analysieren, was das Herz im mittelalterlichen Islam bedeutet und wie es Christen und Juden unterscheidet.
 
Prof. Wilhelm Geerlings wirft einen Blick auf das Herz im Aberglauben: So glaubte man früher, derjenige, der ein Tierherz verzehre, erhielte die Eigenschaften dieses Tiers. Menschen-, insbesondere Kinderherzen zu verspeisen verhieß besonderes Glück. Den Ehering trägt man am Ringfinger der linken Hand, weil man glaubte, in diesen Finger führe eine Ader, in der Herzblut fließt.

Das Herz Jesu in seiner Zerrissenheit zwischen Frömmigkeit und Politik behandelt Prof. Ansgar Franz. Das Herz als Gegenstand der Kunst und der Musik wird beleuchtet: "Was der Herz im Liede sucht" erläutert Adrian Niegot anhand von Beispielen, die von gregorianischen Gesängen bis hin zur Popmusik reichen. Der Künstler Friedrich Gräsel beschreibt seinen Umgang mit dem Herzen als "Arbeitsfeld"... [mehr]