Zwei Missionen möchte Dr. Jürgen Toennissen, Plastischer Chirurg von Interplast-Germany, in Sri Lanka erfüllen: Eine Verbrennungsstation im Osten Sri Lankas errichten und sehen, wie es seinen Tsunami-Patienten nach dem letzten Einsatz im Januar geht. Mit einem fünfköpfigen Team besuchte er gerade Ampara im Osten des Landes.
Im Januar waren Sie das letzte Mal vor Ort in Ampara. Wie haben Sie die Situation knapp ein Jahr nach dem verheerenden Tsunami erlebt?
Dr. Toennissen: Ein neues Leben kommt zurück. Die Baumaßnahmen durch die vielen Spenden sind natürlich sichtbar. Trotzdem hätten die Organisationen mehr mit der Bevölkerung arbeiten und sie fragen sollen, was sie wirklich braucht. So wurden auch Wellblechhütten gebaut, völlig unpassend für das dortige Klima. Und es wurden jede Menge Boote angeschafft, ohne überlegen, wer aus der übrig gebliebenen Bevölkerung solche noch fahren kann. Bei manchen Projekten stelle ich die Nachhaltigkeit schon ein wenig in Frage.
26.12.2005 - Verbrennungsstation für Ost-Sri Lanka: "Bald geht es richtig los"
1 Jahr nach dem Tsunami: Ein neues Leben kommt zurück
Mit einer Verbrennungsstation für das General Hospital in Ampara möchten Sie nachhaltige Hilfe leisten. Wie funktioniert das?
Dr. Toennissen: Zunächst erlauben Sie mir diese Bemerkung: Eine Gegend, in der bedingt durch die häuslichen Begebenheiten, zum Beispiel durch Kerosin-Kocher oder Kunststoff-Bekleidung, Verbrennungen häufig vorkommen, braucht dringend eine eigene Verbrennungsstation. Sie gewährleistet, dass Patienten direkt und zeitnah geholfen werden kann.
Spätere Behandlungen der Folgeerscheinungen – und sei es in den besten Kliniken – bringen viel weniger. Für die Verbrennungsstation in Ampara arbeitet Interplast zusammen mit dem dortigen General Hospital und mit der Deutschen Botschaft in Colombo. Geplant ist auch die Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken in Kandy und in Galle.
Wie sieht diese Zusammenarbeit und die Nachhaltigkeit in der Praxis aus?
Dr. Toennissen: Interplast organisiert die Einrichtung für die geplante Verbrennungsstation, wie Instrumente, OP-Tische und -lampen. Die genaue Liste der notwendigen chirurgischen Instrumente wird gerade erarbeitet. Um die nicht erheblichen Folgekosten nach Einrichtung der Schwerbrandverletzten-Station sicher zu stellen, ist es notwendig, ein Memorandum of Understanding zwischen dem Gesundheitsministerium von Sri Lanka und der deutschen Botschaft herbeizuführen. Wir prüfen darüber hinaus die Anbindung der Universitätskliniken in Kandy und Galle, die zwar einen sehr guten Ruf, aber keine eigene Verbrennungsstation haben. Mit ihnen können wir die Kontinuität, vor allem in der Ausbildung von Ärzten, gewährleisten.
Dann muss ein Sponsor in Deutschland gefunden werden, es wird geklärt, in welchem Zeitraum das Sponsoring stattfindet und wer die Folgekosten übernimmt, zum Beispiel für die Reparatur von Geräten. Wir bringen gerade das Gerüst zum Laufen. Doch wenn erst mal die Vorarbeit geleistet ist, kann es bald richtig losgehen. Dann wird Interplast in Deutschland Ärzte aus Sri Lanka weiter ausbilden, die das Wissen in ihr Land zurück tragen. Dies garantiert die Nachhaltigkeit, die Interplast mit allen seinen Projekten erreichen möchte. In zwei Monaten wird bereits die nächste Entscheidung fallen.
Wie ist ihr jetziger Einsatz knapp ein Jahr nach dem Tsunami in Ost-Asien verlaufen?
Dr. Toennissen: Mit zwei Plastischen Chirurgen, einem Anästhesisten und zwei Pflegerinnen hatten wir das übliche Programm, wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Verbrennungen und Re-OP’s. Darunter leider auch ein 16-jähriges Mädchen, bei dem die halbe Körperoberfläche verbrannt war. Wahrscheinlich ein Selbstmordversuch, der nicht untypisch ist für diese Gegend.
Insgesamt 53 Patienten konnten wir mit 65 Operationen helfen. Tsunami-Patienten waren keine dabei. Wir haben nach mehreren Einsätzen schon einen gewissen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung, sodass Patienten weite und beschwerlich Reisen für ihre Behandlung auf sich nehmen. Es hat mich deshalb sehr gefreut, einen Patienten schon zum dritten Mal wiederzusehen und seine Fortschritte mit zu erleben. So etwas motiviert zum Weitermachen.
Das Interview führte die Journalistin Andrea Grabner, Berlin.
Spendenkonto:
INTERPLAST-Germany
Sektion Duisburg
Commerzbank Duisburg
BLZ: 350 400 38
Konto: 560 360 000
Text: Andrea Grabner, für die Redaktion medixtra.com
Foto: Dr. Jürgen Toennissen
© Medizinische Enzyklopädie 2010
