Pro Jahr werden in Deutschland bis zu 200.000 Einwohner wegen akuter Alkoholprobleme behandelt - neue Studien zeigen: Ein Risikofaktor für Alkoholprobleme ist Arbeitslosigkeit. Bei arbeitslosen Männern werden im Vergleich zu berufstätigen 20 und bei arbeitslosen Frauen neun Mal häufiger Störungen durch Alkohol diagnostiziert. Besorgniserregend ist zudem die Steigerung der Behandlungsraten Arbeitsloser innerhalb von vier Jahren um rund 60%. Leider kompensieren zu viele Menschen ihren Stress mit gesundheitsschädigendem Bewältigungsverhalten in Form eines erhöhten Alkoholkonsums.
25.03.2007 - Binge drinking ist unter Jugendlichen auf dem Vormarsch
Der Alkoholkonsum Jugendlicher hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen - Alkopops verlieren an Bedeutung, aber Rauschtrinken boomt
Erschreckend ist, dass dieses Verhalten auch schon im Kindes- und Jugendalter auftritt. Demnach ist die Behandlungsrate bei Alkoholproblemen der 15- bis unter 20-jährigen Mädchen und jungen Frauen zwischen 2000 und 2003 um über 75% gestiegen. Nahmen 12- bis 25-Jährige im Jahr 2001 im Durchschnitt 53,9 Gramm reinen Alkohol zu sich, stieg dieser Wert bis 2004 auf durchschnittlich 68,8 Gramm an. Trotz der hohen Besteuerung von Alkopops und dadurch gesunkener Verkaufszahlen hat sich die Zahl der Krankenhausbehandlungen aufgrund akuter Alkoholvergiftungen in den Jahren 2004 und 2005 weiter erhöht.
Nach Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen (VZN) umgehen die Hersteller von Alkopops die im August 2004 zum Jugendschutz erhobene Sondersteuer auf branntweinhaltige Mixgetränke mittlerweile, indem sie "Weinhaltige Cocktails" auf den Markt gebracht haben..
Im Rahmen einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) gaben 34% der Jugendlichen an, mindestens einmal im vergangenen Monat fünf oder mehr alkoholische Getränke hintereinander getrunken zu haben. Dieses Rauschtrinken wird im internationalen Sprachgebrauch als „binge drinking“ bezeichnet.
Am häufigsten praktizieren die 16- bis 19-Jährigen "Binge Drinking“. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass rund die Hälfte der Befragten "binge drinking" als Gefahr für die Gesundheit ansieht. Wie so oft im Leben, reicht dieses Wissen allein jedoch nicht aus, um gesundheitsschädliches Verhalten zu unterbinden. Mögliche Folgen des "binge drinkings" reichen bis hin zu einer Alkoholvergiftung.
Die letzte Bundesregierung hat aufgrund des steigenden Konsums von Alkopops mit einem Gesetz zur Verbesserung des Schutzes junger Menschen vor Gefahren des Alkohol- und Tabakkonsums reagiert, das eine Sondersteuer auf alkoholische Mixgetränke beinhaltet. Diese Steuer wird seit dem 2. August 2004 erhoben. Die oben zitierte Befragung fand vor Inkrafttreten der Sondersteuer statt, und es bleibt abzuwarten, inwieweit sich die Sondersteuer auf den Alkoholkonsum von Jugendlichen auswirkt.
Allgemein empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V. für Erwachsene, dass der tägliche Alkoholkonsum bei Männern 20 Gramm reinen Alkohol und bei Frauen 10 Gramm nicht überschreiten sollte. 20 Gramm Alkohol sind beispielsweise in 250 Millilitern Wein oder 500 Millilitern Bier enthalten. (Daniela Rösler, Diplom Oecotrophologin)
© Medizinische Enzyklopädie 2010
