Clostridium (C.) difficile ist der Erreger der pseudomembranösen Kolitis. Dieses Krankheitsbild ist hinreichend bekannt und ist die häufigste Ursache für eine antibiotika-assoziierte Diarrhoe. Seit kurzem grassiert in Quebec, Kanada, ein neuer Stamm (NAP1/027), der sich durch eine höhere Produktion von Toxinen ausweist und daher pathogener zu sein scheint. Erste Befunde zeigen, dass dieser Stamm eine 16-fach höhere Produktion von Toxin A und 23-fach mehr Toxin B produziert. Es steht zu erwarten, dass sich dieser Stamm in den nächsten Monaten weiter ausbreiten wird; auch in Europa ist daher mit seinem Auftreten zu rechnen.
Sporen von C. difficile lassen sich nosokomial verbreiten. Daher kann dieser Keim durchaus leicht auf andere Patienten übertragen werden und, sofern es in Folge einer Antibiotika-Therapie zu einer Veränderung der intestinalen Flora kommt, dann eine Häufung von Fällen an pseudomembranöser Kolitis verursachen. Zu den Antibiotika, bei denen Fälle mit pseudomembranöser Kolitis beobachtet wurden, gehören verschiede Gruppen von Antibiotika: Penicilline, Clindamycin, Cephalosporine, Aminoglykoside und Fluorochinolone. Oftmals tritt diese Komplikation zudem bei Patienten auf, bei denen die Darmschleimhaut infolge einer Zytostatika-Therapie geschädigt ist.
10.11.2005 - Clostridium difficile: neuer Stamm verursacht epidemisches Auftreten
Erreger der pseudo-membranösen Kolitis
Dieser neue C. difficile-Stamm war nach bisherigen Befunden insbesondere mit einer Therapie von Fluorochinolonen assoziiert, die heute in den Kliniken zunehmend Verwendung finden. Nachgewiesen wurde, dass dieser neue C. difficile-Stamm gegen Fluorochinolone resistent ist, was dazu beiträgt diesen Keim zu selektionieren. Bei einer Häufung von Fällen an Diarrhöen infolge einer pseudomembranöser Kolitis sollte daher gezielt nach dem NAP1-Stamm gesucht werden.
Bislang galt Metronidazol als Mittel der Wahl in der Behandlung der pseudomembranösen Kolitis. Ausgehend von neuen Untersuchung wird jedoch die Bedeutung von Metronidazol in Frage gestellt und zumindest für bestimmte Patientengruppen eher eine Therapie mit Vancomycin angeraten. Es wäre daher notwendig, entsprechende Therapierichtlinien neu festzulegen bzw. die Wirksamkeit von Metronidazol zu überprüfen. Unter Metronidazol wurden zunehmend wiederholt Rückfälle beobachtet.
Das ebenfalls bei C. difficile wirksame Vancomycin wird wegen des Risikos einer Selektion von vancomycin-resistenten Enterokokken allerdings als kritisch angesehen. Sollte wegen einer verminderten Wirksamkeit von Metronidazol vermehrt Vancomycin angewendet werden, hätte dies sicher eine Verbreitung von vancomycin-resistenten Enterokokken zur Folge.
Unklar ist derzeit, ob sich durch Probiotika, wie Saccharomyces boulardii, eine positive Wirkung bei der C. difficile assoziierten Kolitis erreichen lässt. Um einen Effekt zu belegen, müssten Studien durchgeführt werden.
Die Diagnostik einer C. difficile-Infektion ist unproblematisch. Hierzu stehen verschiedene, hochspezifische und sensitive Schnelltests zur Verfügung, die eine Infektion binnen weniger Minuten bestätigen.
Bei erkrankten Patienten muss unbedingt auf die Einhaltung von enterischen Hygienemaßnahmen geachtet werden, um eine Weiterverbreitung auf andere Patienten zu verhindern. Hierzu bedarf es einem entsprechenden, oftmals personalintensivem Hygienemanagement.
Eine Meldepflicht besteht für die pseudomembranöse Kolitis nach den Infektionsschutzgesetz (IfSG) nicht. Sollte es allerdings zu einer Häufung von Fällen in einem Krankenhaus kommen, ist dieser Ausbruch nach IfSG §6 namentlich meldepflichtig (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010