12.11.2007 - MRSA: ein zunehmendes Infektionsproblem in deutschen Krankenhäusern

Deutlicher Anstieg an Infektionen mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus

In deutschen Krankenhäusern ist es in den letzten Jahren zu einem deutlichen Anstieg an Infektionen mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) gekommen. Die Zunahme an Infektionen ist sogar europaweit mit am höchsten. MRSA ist für eine Vielzahl von nosokomialen Infektionen verantwortlich, die eine Verlängerung der Liegedauer des Patienten bedingen und damit zu deutlich erhöhten Kosten für Krankenhäuser führen. Durch die Notwendigkeit der Isolierung des Patienten in einem Einzelzimmer, sofern keine Kohortenisolierung erfolgen kann, können zudem freie Betten nicht belegt werden, was den Kostendruck eines Krankenhauses weiter erhöht.

Auch der erhöhte Personalaufwand bei bereits stark reduzierten Resourcen in der Pflege verschärft die betriebswirtschaftliche Bedeutung von MRSA-Infektionen für Krankenhäuser. Das derzeitig in den meisten deutschen Krankenhäusern praktizierte Hygienemanagement ist offensichtlich nicht bzw. vielerorts noch nicht in der Lage, um nosokomiale MRSA-Übertragungen effizient zu verhindern.

Nach Auswertungen der derzeitigen Infektionssituation in deutschen Krankenhäusern, wird ein großer Teil der MRSA-Infektionen nicht in der Klinik erworben, sondern der Patient ist bereits zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme mit diesem Keim besiedelt. Unklar ist der Anteil von stationären Patienten, die unerkannt, weil nicht diagnostiziert bzw. klinisch nicht auffällig, asymptomatisch mit MRSA kolonisiert sind, und daher als Streuquelle fungieren können. Es stellt sich daher die Frage, wie mit MRSA kolonisierte Patienten rechtzeitig identifiziert werden können, um damit das Infektions- bzw. Kolonisationsrisiko für Patienten, aber auch das medizinische Personal zu reduzieren. Je früher ein MRSA-besiedelter Patient identifiziert wird, umso früher können geeignete Hygienemaßnahmen eingeleitet werden.

Bei der Identifikation von MRSA-Patienten spielt das mikrobiologische Screening eine entscheidende Rolle. Um die Kosten des Screenings jedoch überschaubar zu halten, ist festzulegen, welche Patienten untersucht werden sollen. Auch sind die Zahl sowie die Abstrichsorte wie auch ggf. die Wiederholungsintervalle zu definieren, um damit eine hohe Sensitivität der Untersuchung zu erreichen. Des weiteren muss festgelegt werden, wie mit dem Patienten bis zum Vorliegen des Ergebnisses zu verfahren ist. Als limitierender Faktoren sind auch die bei einem Screening anfallenden Kosten für ein Krankenhaus anzusehen, die bei Empfehlungen ebenfalls zu berücksichtigen sind.

Nach aktuellen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts sollten die folgenden Patientengruppen generell auf MRSA untersucht werden: Patienten mit bekannter MRSA-Anamnese, Verlegungen aus Regionen bzw. Einrichtungen mit bekannter hoher MRSA-Prävalenz, Kontaktpersonen von MRSA-Patienten, Patienten mit chronischer Pflegebedürftigkeit, liegende Katheter, Dialysepflichtigkeit, Hautulzera, chronische Wunden und Brandverletzungen. Auch bei anderen Patientengruppen, wie z. B. Aufnahmen auf Intesivstationen, kann es jedoch notwendig sein, sie in ein Screeningprogramm aufzunehmen. Zumindest für die genannten Risikogruppen erwies sich ein Screening als kosteneffektiv.

Übereinstimmend gilt der Nasenabstrich als der Ort mit der höchsten Trefferquote für MRSA. Durch Kombination mit anderen Abstrichsorten lässt sich die Nachweisrate weiter erhöhen, wobei dadurch jedoch die Kosten für die Diagnostik steigen. Empfohlen wird zudem eine wöchentliche Wiederholung, die aus arbeitsorganisatorischen Gründen immer am gleichen Tag erfolgen sollte. Eine vorübergehende Isolierung des Patienten bis zum negativen MRSA-Nachweis ist in den meisten Kliniken logistisch nicht möglich.

Mit der zukünftigen Verfügbarkeit von verlässlichen Schnelltests könnte dieses Problem allerdings bewältigt werden. Angeraten ist zudem ein EDV-gestütztes System, durch das frühere MRSA-Patienten bei Wiederaufnahme sofort identifiziert werden können (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).

© Medizinische Enzyklopädie 2010


http://www.rehabilitationsforschung-kreischa.de/termine.html
http://www.openpr.de/news/349042.html