12.11.2005 - Dick ist nicht gleich dick: Abdominale Adipositas birgt höheres Gesundheitsrisiko

Rimonabant ist neuer Hoffnungsträger für Adipöse

Das Taillen-Hüft-Verhältnis ist ein besserer Indikator zur Bestimmung des Risikos von kardiovaskulären Erkrankungen als der Body-Mass-Index (BMI) . Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle globale Studie, bei der Forscher BMI, Taillen-Hüft-Verhältnis, Taillenumfang und Hüftumfang von über 27.000 Menschen aus 52 Ländern untersuchten (2).

Während die eine Hälfte der Probanden bereits einen Herzinfarkt erlitten hatte, handelte es sich bei der anderen Hälfte um nach Alter und Geschlecht angepasste Kontrollen. Der BMI der Probanden mit einem Herzinfarkt lag insgesamt nur wenig höher als bei der Kontrollgruppe und zeigte im Nahen Osten und Südasien keinen Unterschied. Die Herzinfarkt-Patienten wiesen jedoch ein deutlich höheres Taillen-Hüft-Verhältnis als die Kontrollen auf, unabhängig von anderen kardiovaskulären Risikofaktoren.

Fettzellen produzieren eine Vielzahl von Substanzen, die das Herz-Kreislauf-System und die Nieren schädigen. Neue wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse zeigen, dass vor allem abdominale Fettzellen Hormone und Botenstoffe produzieren, die an der Entstehung von Krankheiten des metabolischen Syndroms beteiligt sind.

Neue Hoffnung bei der Bekämpfung der Adipositas bringt der Appetitzügler Rimonabant. Dieser greift in das Endocannabinoid-System ein, blockiert das Hungergefühl, verbessert die Blutfettwerte und verringert so die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2.

Bei Hunger schüttet der Organismus vermehrt Endocannabinoide wie Anandamid aus, die unter anderem den Cannabinoid Rezeptor 1 (CB1) aktivieren, der hauptsächlich im Gehirn, in verschiedenen Organen und im Fettgewebe vorkommt. Im Tierversuch an Mäusen hat sich gezeigt, dass eine Blockade dieses Rezeptors mit Rimonabant den Appetit bremst und die Tiere trotz überreichlichen Futterangebots schlank bleiben.Im Rahmen der "RIO-Studie" (Rimonabant in Obesity) untersuchen Wissenschaftler zur Zeit die Wirkungen von Rimonabant beim Menschen.

Aktuell erschienene Zwischenergebnisse bestätigen die positiven Einflüssen von Rimonabant auf das Körpergewicht und die kardiovaskulären Risikofaktoren (1). Die Probanden wiesen zu Beginn der Studie einen BMI von 30 und mehr oder 27 und mehr, bei gleichzeitiger Hypertonie und erhöhten Blutfettwerten auf. Die Patienten erhielten eine moderate Diät und mussten an einem Bewegungsprogramm teilnehmen. Während die erste Gruppe täglich 20 Milligramm Rimonabant und die zweite Gruppe täglich 5 Milligramm Rimonabant erhielten, bekamen die Probanden der Kontrollgruppe ein Placebo verabreicht.

Die größte Gewichtsreduktion erzielten die Probanden mit einer täglichen Dosis von 20 Milligramm Rimonabant. Darüber hinaus zeigten sich in dieser Gruppe signifikante Verbesserungen des Taillenumfangs, des HDL-Cholesterins, der Triglyzeride sowie der Insulinresistenz im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Auch bei der Gruppe mit einer täglichen Dosis von 5 Milligramm Rimonabant zeigte sich ein Gewichtsverlust, jedoch nicht so deutlich wie bei der höheren Dosierung. Auch die Verbesserung der Blutfettwerte fiel hier nicht so klar aus. Die Therapie mit Rimonabant wurde von den Probanden gut vertragen. Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Schwindelgefühle waren schwach und vorübergehend.

Inzwischen ist die Studie beendet und eine Veröffentlichung der Ergebnisse wird für das kommende Jahr erwartet. Der Eingriff in das Endocannabinoid-System ist ein vielversprechender Ansatz in der medikamentösen Therapie der Adipositas und kann den Betroffenen zusammen mit einer Ernährungsumstellung und Bewegung helfen, ein dauerhaft leichteres Leben zu führen. (Daniela Rösler, Diplom Oecotrophologin)

Literatur:
(1) Van Gaal LF, et al: Effects of the cannabinoid-1 receptor blocker rimonabant on weight reduction and cardiovascular risk factors in overweight patients: 1-year experience from the RIO-Europe study. Lancet 2005; 365: 1389

(2) Yusuf S, et al: Obesity and the risk of myocardial infarction in 27.000 participants from 52 countries: a case-control study. Lancet 2005; 366: 1640

© Medizinische Enzyklopädie 2010