Über 10 Jahre liegt der Anschlag auf den Tennisstar Monica Seles zurück. Während eines Turniers in Hamburg wurde sie von einem 38-jährigen Deutschen schwer verletzt, der großer Fan ihrer stärksten Kontrahentin Steffi Graf war. Den Angriff hat die Tennisspielerin körperlich wie seelisch nie wirklich überwunden, ihre Karriere fand damit ein jähes Ende.
Solche und ähnliche Fälle von obsessiver Verfolgung, Bedrohung, Ausübung von Gewalt fallen unter das Phänomen Stalking. Stalking ist in den letzten Jahren immer mehr zu einem Begriff in Deutschland geworden. Das englische Wort stammt ursprünglich aus der Jagdsprache und bedeutet soviel wie ‚Heranschleichen’ oder ‚Anpirschen’. Wie ein umtriebiger Jäger sammelt ein Stalker Informationen über sein Opfer, belästigt und bedroht es mit dem Ziel, Eindruck zu hinterlassen.
Stalking hat allerdings nichts mit Liebe zu tun, im Gegenteil: es geht um Aufmerksamkeit, Kontrolle und Macht. Berichteten die Medien zunächst ausschließlich über Bedrohungen bzw. tätliche Angriffe gegenüber Prominenten wie John Lennon, Steffi Graf oder Steven Spielberg, so gibt es immer häufiger Belästigungen unter ganz „normalen Menschen“ durch Bekannte, oder gar Familienangehörige. In diesen Fällen ist es vor allen Dingen wichtig, sich an der richtigen Adresse professionelle Hilfe zu holen. Bei Springer kam soeben das Buch „Stalking“ auf den Markt, das sich an Wissenschaftler, Psychologen und Psychiater, Juristen und Kriminologen aber auch an Mitarbeiter von Beratungsstellen wie an Betroffene richtet.
Durch anschauliche Fälle aus der eigenen Praxis beschreibt der Kriminal-Psychologe Jens Hoffmann, die verschiedenen Facetten der Belästigung von Prominenten und Nichtprominenten. Er geht auf soziale Strukturen von Opfern und Tätern ein. Meistens, sind es Frauen, die belästigt werden, bei den Tätern hingegen handelt es sich überwiegend um Männer. Bei der Täter-Opferbeziehung fällt auf, dass es sich in 50% aller in Deutschland bekannten Fälle um den Ex-Partner handelt. Der Belästigungsgrad unterliegt aber auch kulturellen Einflüssen. Hoffmann geht auf die verschiedenen Typologien von Stalkern ein, und wie sie individuell zu behandeln sind. Stalking als Fortsetzung häuslicher Gewalt, vorgebliche Stalking-Opfer und Cyberstalking wird jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet.
Jens Hoffmann lehrt und forscht an der Arbeitsstelle für Forensische Psychologie der TU Darmstadt. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit gründete er eine Beratungsgruppe, die Risikoanalysen und Fallmanagement für Personen des öffentlichen Lebens erstellt. Bei Springer ist Hoffmann Koautor bzw. Mitherausgeber zweier Bücher über die Erstellung kriminalistischer Täterprofile. In diesem Zusammenhang ist er ein regelmäßig geladener Interviewpartner für die unterschiedlichen Medien... mehr