30.09.2005 - Was ist eigentlich Public Health?

Spannungsfeld Public Health

Was ist eigentlich Public Health? Auch die deutsche Übersetzung hilft wenig weiter. Das Adjektiv "öffentlich" verrät zwar, dass es sich um die Meta-Ebene der Gesundheitsversorgung handelt. Damit assoziiert man eher verstaubte Gesundheitsämter, Schluck-Impfung oder Hygiene-Kommissionen. Doch die Leser des Buches "Public Health" aus dem Urban & Fischer Verlag werden überrascht sein, wie viele interessante Aspekte sich hinter diesem Begriff verbergen.

Die Bedeutung von Public Health zeigt sich am Beispiel der Prävention. Um die explodierenden Kosten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes in den Griff zu bekommen, genügt es nicht, nur die medizinischen Ursachen zu ermitteln und zu therapieren. Krankheitsverhindernde Maßnahmen können dann ergriffen werden, wenn soziologische und makroökonomische Sichtweisen, aber auch biomedizinische und politische Lösungsansätze einbezogen werden.

In diesem Spannungsfeld bewegt sich Public Health. Die Gesundheit des Einzelnen wird in Abhängigkeit von einem System alltäglicher kultureller Muster gesehen. Analog dazu enthält das Buch viele Einzelbeiträge zu den Themen Gesundheitsdefinition und Umwelteinflüsse, Strukturen und Institutionen der Gesundheitsversorgung, soziologische und wirtschaftliche Faktoren, Planung, Management und Qualitätssicherung.

Es geht nicht mehr um klassische Aufgaben wie Hygiene oder die Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Angesichts der Globalisierung der Märkte, knapper werdender Ressourcen und des demoskopischen Wandels muss Gesundheitsversorgung mikro- und makroökonomisch geplant werden. Das Buch verschafft eine hilfreiche Gesamtschau der Teilbereiche des Gesundheitswesens und der Gesundheitsförderung. Zum besseren Verständnis werden zentrale Aussagen der einzelnen Kapitel zusammengefasst dargestellt. Nützliche Links zu Internetseiten runden das Buch ab.

Eine abschließende Definition von Public Health ist unmöglich. Selbst die Beschreibung des Status quo ist eine schwierige Aufgabe, die der Herausgeber Friedrich Wilhelm Schwarz glänzend gelöst hat. Das Buch wurde allerdings schon 2003 veröffentlicht. Insofern fehlt eine ausführlichere Darstellung von maßgeblichen Einflussfaktoren wie Diagnosis Related Groups (DRG) oder Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Dies macht eine Aktualisierung wünschenswert. (Holger Schmidt, Redaktion medixtra.com)... [mehr]