07.09.2005 - Update: Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit und Übertragung durch plasmatische Faktorenkonzentrate?

VCJK: mögliches Übertragungsisiko durch die Transfusion von Blut- oder Plasma bzw. der Verabreichung von aus Plasma hergestellten Präparaten

Die pessimistischen Vorhersagen über eine starke Zunahme von Erkrankungsfällen an der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (VCJK) im Gefolge der Epidemie mit der bovinen spongiformen Enzephalopathie sind zwar nicht bzw. bisher nicht eingetroffen, jedoch werden kontinuierlich Fälle aus verschiedenen Ländern gemeldet. Inzwischen gibt es bestätigte Fälle aus dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Irland, Portugal, Italien, Spanien, Niederlande, Kanada, USA und Saudiarabien. Von besonderer Bedeutung ist weiterhin ein mögliches Übertragungsisiko durch die Transfusion von Blut- oder Plasma bzw. der Verabreichung von aus Plasma hergestellten Präparaten.

Die exakte Inkubationszeit ist derzeit weiterhin unklar. Ausgehend von einer Infektionshäufung im Vereinigten Königreich geht man derzeit von einer Inkubationszeit bei nahrungsmittelsassoziierter vCJK von 13 Jahren und bei auf dem Blutweg übertragenen von 6,5 Jahren aus. Die Unterschiede hinsichtlich der Inkubationszeiten erklären sich durch eine direkte Übertragung der Prionen in die Blutbahn oder aber einer Adaptation des Erregers an den Menschen, wodurch die Speziesbarriere nicht mehr durchbrochen werden muss.

Am 12.01.2005 sowie 10.06.2005 informierte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Ärzte und Apotheker von einem Chargenrückruf zweier Gerinnungspräparate "Haemate HS/P 1000" der Fa. ZBL Behring (ehemals Centeon) sowie Faktor IX SDN Biotest 1000 IE der Fa. Biotest wegen einer nicht auszuschließenden Kontamination mit Prionen. Im ersten Fall (ZBL Behring) war im Jahr 1996 Plasma einer französischen Spenderin, die später an der Variante der Creutzfeld-Jakob-Erkrankung (vCJK) erkrankt war, in einen Plasmapool gelangt, der für die Herstellung eines plasmatischen Faktor VIII-Präparates verwendet worden war.

Beim zweiten Fall wurde in einer Jahr 2004 freigegebenen Charge eines plasmatischen Faktor IX-Präparates eine Plasmaspende eines an vCJK erkrankten französischen Spenders bei der Herstellung verwendet. Im ersten Fall waren von der möglicherweise kontaminierten Produktionscharge in Deutschland bereits 1.269 Packungseinheiten angewendet worden; im zweiten Fall wurden bis zum Chargerückruf bereits 430 Packungen verbraucht.

Für beide Fälle wurde vom PEI eine Risikokalkulation für die Empfänger dieser möglicherweise mit Prionen kontaminierten Plasmapräparate vorgenommen. Dabei wurde die Menge des verwendeten Plasmas des Spenders, die Größe des Plasmapools, in den die Einzelspende eingegangen war, die Menge an Plasma, das für eine Einzeldosis verarbeitet wurde, eine auf tierexperimentellen Daten basierende angenommene Erregerkonzentration sowie die experimentell untersuchte Kapazität für die Entfernung von Prionen bei den  Reinigungsschritten für Faktor VIII bzw. Faktor IX-Präparat im Herstellungsverfahren. Ausgehend von diesen Variablen errechnet sich ein Restrisiko von 4,1 x 10-4 IE50/Packung bis 4,1 x 10-5 IE50/Packung für die betroffene Charge von Haemate HS/P 1000 sowie 3,31 x 10-6 IE50/Packung für Faktor IX SDN Biotest 1000 IE.

Nach der Beurteilung des PEI ist das Risiko einer Infektion auch für Patienten, die mehrere Packungen der möglicherweise kontaminierten Chargen erhalten hatten, gering. Ausgehend von einem Positionspapier des bei der Europäischen Arzneimittelagentur angesiedelten Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) vom Juni 2004 stellt das PEI fest, dass auch bei der Verwendung des französischen Plasmas ein ausreichender Sicherheitsabstand gegenüber einer Infektion mit Prionen besteht.

In Ermangelung von diagnostischen Testsystemen, durch die eine vCJK-Infektion schon bei asymptomatisch Infizierten nachgewiesen werden kann, wird die Zeit zeigen, ob es nach der BSE-Epidemie, nun zu einer Zunahme von parenteral übertragenen Fällen von vCJK kommt (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).

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© Medizinische Enzyklopädie 2010