30.06.2010 - Fußball-Fieber statt Malaria
Neue Herausforderungen für die Reisemedizin - Resümé der Northern European Conference on Travel Medicine NECTM 2010
Viele fußballbegeisterte Deutsche reisen demnächst zur Weltmeisterschaft in Südafrika. Die gesundheitlichen Risiken für Fans und Spieler sollten jedoch nicht unterschätzt werden. In der vergangenen Woche warnte der Weltfußballverband Fifa vor einer in Südafrika grassierenden Masern-Epidemie. Gerade für Erwachsenen könne die Erkrankung gravierende Folgen haben. Neben der vermeintlich harmlosen Kinderkrankheit drohen in Südafrika aber noch weitere Infektionskrankheiten. So berichtete das Leipziger Tropeninstitut auch über neue Fälle von Malaria und das Rift-Tal-Fieber.
Über wirksame Gegenmaßnahmen diskutierten Experten auf dem größten europäischen Kongress für Reisemedizin NECTM 2010 in Hamburg. "Wir stellen die reisemedizinische Beratung auf eine wissenschaftliche Basis", sagte Professor Gerd Burchard, Leiter der Klinischen Forschung des "Bernhard Nocht Instituts" (BNI) und diesjähriger Kongresspräsident der NECTM 2010.
"Eine wesentliche Entwicklung in der Reisemedizin ist die Etablierung internationaler Surveillance-Netzwerke", erklärte Burchard auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. Durch die weltweite Erfassung von Daten über Erkrankungen könnten effektivere Empfehlungen zur Malariaprophylaxe, zu neuen Impfstoffen und zu anderen Therapieansätzen gegeben werden. Publikumswirksam aufgearbeitet werden diese Empfehlungen beispielweise auf der BNI-Internetseite "Gesundes-Reisen.de".
Bisher überraschte es kaum, wenn Südafrika-Touristen nach ihrer Rückkehr über fieberhafte Infekte, Hautkrankheiten oder Diarrhoe berichteten, zumal diese Erkrankungen auch bei Reisen in andere afrikanische Länder auftreten können. Mit Hilfe der Datenbank des internationalen "GeoSentinel Network Surveillance Project" konnten jedoch länderspezifische Charakteristika der Erkrankungen ermittelt werden, woraus sich anschließend eine Checkliste, Prophylaxen und Länder-bezogene Reiseempfehlungen ableiten ließen. Ähnlich, allerdings auf europäischer Ebene arbeitet das "European Travel Medicine Network". (Holger Schmidt)
© Medizinische Enzyklopädie 2010