20.04.2009 - Milbenbefall heute zunehmend von Bedeutung

Exposition mit Hausstaubmilben, Herbstmilben, Pelzmilben und Co.

Ein Befall mit Milben ist heute von zunehmender medizinischer Bedeutung. Milben spielen im biologischen Kreislauf eine wichtige Rolle. Ihr Wirtsspektrum reicht vom nützlichen Destruenten, der organische Produkte für noch kleinere Destruenten wie Bakterien aufspaltet, bis hin zu hoch spezialisierten Parasiten bei Menschen, Tieren sowie Pflanzen.

Milben gehören zu den Gliederfüsslern (Arthropoda) und sind damit mit den Spinnen verwandt. Charakteristisch sind ihre paarigen Mundwerkzeuge. Der Körper der Milben erscheint ungeteilt länglich bis ovoid. Am vorderen Beeich, dem Capitulum sind sie Mundwerkzeuge inseriert. Bei adulten Milben finden sich 8 siebengliedrige Beinpaare. Die Entwicklungsstadien der Milben durchlaufen Ei, Larve, Nymphe bis zum adulten männlichen und weiblichen Tier. Die Entwicklungszeit ist von verschiedenen Gegebenheiten (Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Nahrungsangebot) abhängig. Innerhalb weniger Wochen kann es dabei zu einer massenhaften Vermehrung kommen.

Zu den für den Menschen bedeutsamsten Vertretern werden die Hausstaub-, Haarbalg-, Herbst-, Käse-, Krätz-, Kugelbauch-, Pelz-, Ratten- und die rote Hühnermilben gerechnet.

Gerade die Hausstaubmilbe ist in den letzten Jahren insbesondere wegen der Allergisierung von zunehmender medizinischer Bedeutung. Bei Allergikern kommt es Hautreizungen, Dermatitis, Milchschorf, Rhinitis, Konjunktivitis, Asthma bronchiale bis hin zu anaphylaktischen Reaktionen. Die Hausstaubmilbe lässt sich mit bloßem Auge wegen ihrer Größe von 0,2 mm nicht erkennen. In Folge der thermischen Abdichtung der Wohnungen und der damit einhergehenden Erhöhung der Luftfeuchtigkeit der Zimmertemperatur bieten sich für die Hausstaubmilbe heute vielerorts ideale Vermehrungsmöglichkeiten.

Der Mensch atmet die Milbenexkrete oder Milbenteile ein, wodurch es bei bestehender Allergisierung zu einer Exarzerbation der Beschwerden kommt. Bei betroffenen Personen empfehlen sich daher gezielte Maßnahmen, durch die es Reduktion der Milbendichte in der Wohnung erreicht werden kann. Hierzu zählen u.a. das Entfernen von Teppichen, Bettvorlegern o.ä., Beachtung einer ausreichenden Lüftung, häufiger Wäschewechsel und Schutzbezüge für die Bettwäsche. Generell sollte eine niedrige Luftfeuchtigkeit sowie kühlere Temperaturen in der Wohnung angestrebt werden.

Gartenbesitzer leiden oftmals an dem Befall mit Herbst- bzw. Erntemilben, die von Pflanzen die Oberfläche ihrer Wirte aufsuchen. Dort verursachen sie eine ausgeprägte Dermatitis, die mit Papelbildung und Juckreiz einhergeht. Folge können zudem bakterielle Sekundarinfektionen sein. Bei einem massivem Befall sind Fiebereaktionen möglich. Therapeutisch bedarf es einer topischen Behandlung mit juckreizstillenden Gels. Einzige sichere Prophylaxe ist ein Meiden des Aufenthalts im Garten in den Zeiten des massivsten Befalls. Auch kann die Anwendung von Repellenzien hilfreich sein.     

Bei Tierhaltern kommt es immer wieder zum Befall mit Pelzmilben, die durch Hund, Katze und Kaninchen, die oft Freilauf genießen, in das häusliche Umfeld eingeschleppt werden. Diese Pelzmilben führen nicht nur zu einer Dermatitis bei den Haustieren, sondern können auch beim Menschen zu entzündlichen Veränderungen in Folge der Stiche führen. Typisch sind auch hierbei makulopapulöse Effloreszenzen, kleine Bläschen, Juckreiz, Hautschuppung, ekzemartige Veränderungen sowie bakterielle Sekundärrektionen.

Die Behandlung der Hautveränderungen erfolgt ebenfalls mit juckreizstillenden Gels. Als beste Methode zum Schutz der Haustiere bieten sich Zecken- bzw. Flohhalsbänder sowie eine regelmäßige Fellpflege an. Selbstverständlich empfiehlt es sich beim Befall der Tiere mit Pezlmilbe den "Freund des Menschen"  von Sofas oder Betten fern zu halten (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg)

© Medizinische Enzyklopädie 2010