Vom 23. bis 25.September 2005 findet in Bologna der XIX. Kongress der Association Europeene des Illustrateurs Médicaux et Scientifiques (AEIMS) an der Höheren Schule für antomische Zeichnung statt. Die Höhere Schule für anatomische Zeichnung wurde 1955 am Orthopädischen Institut Rizzoli gegründet, sodann in die Fakultät von Medizin und Chirurgie der Universität Bologna aufgenommen. Die Schule für anatomische Zeichnung hat die Zielsetzung, die wissenschaftliche und künstlerische Kultur zu vermitteln, die notwendig ist für die Ausbildung und Schulung von anatomischen Zeichnern.
Anatomische Zeichner müssen in der Lage sein, die menschlichen Proportionen sowohl statisch als auch in einer natürlichen dynamischen Form darzustellen und auch chirurgische Operationen zu folgen. Der para-universitäre Ausbildungskurs dauert zwei Jahre.
Der Diplomstudiengang von drei Jahren hat als Ziel, Zeichner auszubilden, die grundlegende Kenntnisse und spezifische Kenntnisse im Beruf besitzen, um damit in die Lage versetzt zu werden, Bilder (wie Zeichnungen, Fotos, Video usw.) im voraus zu planen und zu produzieren, was wiederum nützlich ist, um die wissenschaftliche Forschung zu dokumentieren und darzustellen.
19.08.2005 - Kongress für anatomische Zeichnung in Bologna
Geschichte und Zukunft der medizinisch-anatomischen Illustration: Kongress in der Höheren Schule für anatomische Zeichnung am Orthopädischen Institut Rizzoli
Der Kurs vermittelt den Studenten die Grundkenntnisse in den verschiedenen bio-ärztlichen Fächern, verleiht die grafischen expressiven Kenntnisse im Bereich der medizinisch-wissenschaftlichen Illustration und die fachärztlichen Kompetenzen im informatischen und im multimedialen Bereich. Dieser Studiengang befaßt sich außerdem mit Informatik- und Multimediasystemen für den Erwerb, die Entwicklung, die Ausarbeitung und Archivierung von Daten, Informationen und Bildern.
Im ersten Jahr des Studium wird der Student in die ärztliche Darstellungskunst eingeführt, indem er mit technischen und theoretischen Lehrveranstaltungen, die Suche gemäß der anatomischen Ikonografie lernt.
Schrittweise lernt der Student, sich die Techniken grafischer Darstellung verschiedener anatomischen Teile nach einer genauen Analyse der verschiedenen und spezifischen Merkmale zu eigen zu machen. Darüber hinaus lernt er, fotografische Geräte sowie auch Video- und Kinogeräte zu bedienen. Die grafischen Anwendungen beziehen sich auf die normale menschliche Anatomie und Histologie.
Im zweiten Jahr des Studiums lernt der Student, wie die Zeichnung auf verschiedenen Darstellungsebenen strukturiert werden kann, und zwar in Bezug auf die kommunikative Funktion, die diese zu absolvieren hat. Somit lernt er, die Informatiktechnologien zu benutzen um die Abbildungen aufzuarbeiten, sowie die vektoriale Zeichnung und die digitale Fotografie. Die grafischen Anwendungen beziehen sich auf die pathologische Anatomie, auf die vergleichende Anatomie und auf die medizinische Physiopathologie.
Im dritten Jahr des Studium lernt der Student Projekte für wissenschaftliche Verlage, für Firmenverlage, für die Didaktik, für Kongresse herzustellen. Insgesamt wird dieser dazu angeleitet, zu experimentieren, wie sich die Abbildung sehr strikt in Funktion ihres Inhaltes, ihres Mediums und ihres Empfängers ausrichten muss. Der Student geht in die OPs und lernt dort die wichtigsten Phasen der chirurgischen OPs darzustellen. Die graphischen Anwendungen beziehen sich alle auf die medizinische Klinik und auf die verschiedenen fachärztlichen chirurgischen Einrichtungen. Außerdem findet dort ein berufliches Praktikum statt, die den Studenten ermöglicht, eine für sie wichtige Erfahrung mit dem medizinischen Personal im Bereich des Krankenhauses und der Universität zu sammeln.
Ein weiterer Programmpunkt des AEIMS-Kongresses ist die Zentralbibliothek der Orthopädischen Rizzoli Institute (IOR) aus dem 15. Jahrhundert, die früher Sitz der Buchhandlung der Olivetanen Mönchen waren. Man ist nicht sicher über das Errichtungsdatum der ersten Bibliothek von S. Michele in Bosco. Nach einigen Autoren würde diese auf das Ende des 15. Jahrhunderts zurückgehen, während andere sagen, dass 1517 unter dem Priorat von Barnaba Cevenini als Datum der Errichtung besser dazu passen würde.
Sicher ist auf jeden Fall folgendes: Im Jahre 1677 hatte Taddeo Pepoli als Prior des Klosters veranlasst, auf seine eigenen Kosten, die Fresken in der Bibliothek neu herzurichten und hatte zu diesem Zweck Herrn Gian Giacomo Monti mit der Durchführung der architektonischen Arbeit beauftragt, für die Durchführung der malerischen Arbeit wählte er Maria Canuti.
Im Jahre 1762 hatte Pater Rosini von Lendinara den "runden" Welt-Globus, der heute noch in der Bibliothek ausgestellt ist, zu Ende gebracht. Er hatte dabei die Hilfe von Kartografen und von erfahrenen Reisenden in Anspruch genommen. Mit der Aufhebung der kirchlichen Ordnungen wurde die Bibliothek im Jahre 1797 sehr schwer beschädigt.
Die alten Regale aus dem 17. Jahrhundert wurden vernichtet, während die sehr wertvollen mit Miniaturen ausgeschmückten Sammlungen, die Inkunabeln und die handschriftlichen Sammlungen verloren gingen.Das Kloster ging durch eine sehr obskure Zeit, bis zum Jahre 1841, als das Gebäude Residenz des päpstlichen Legats Spinola wurde. Nur dann konnten die vom Canuti wieder mit Fresken ausgestatteten Hörsäle den alten Prestige wieder erlangen.
Als Nachweis gilt die Tatsache, dass die zur Bibliothek dazugehörenden Räume als Empfangssäle für Prinzen, Kardinäle, Armee, wichtige politischen Persönlichkeiten bis zum Jahre 1880 dienten, bis zu dem Jahr, in dem Professor Rizzoli das Kloster käuflich erwarb, um dort ein orthopädisches Institut zu Zeichnung zu gründen, das im Jahre 1896 eröffnet wurde. Die Bibliothek konnte ihre alte Schönheit nur im Jahre 1922 wieder erlangen, als der damalige Direktor des Orthopädischen Instituts Rizzoli, Vittorio Putti, die Räume wiederherstellen ließ und sie dazu bestimmte, den ursprünglichen Buchbestand wieder aufzunehmen. Dieser Bestand, der danke einer Schenkung der Provinz Bologna zu Ehren von König Umberto I zusammengestellt wurde, die ihrerseits nach Umberto I auch die Bibliothek benannt hat, stellt sich dar als eine der wichtigsten und seltenen existierenden orthopädischen Buchsammlungen.
Ein weiterer Kongresspunkt ist die Putti Schenkung: In den Räumen, die schon dem Prior des Klosters San Michele in Bosco gehörten, gegenüber der Bibliothek Umberto I, gibt es das Studienzimmer und die private Bibliothek des Professors Vittorio Putti, die er nach seinem Tod dem Institut geschenkt hat. Prof. Putti, der im Bologna im Jahre 1880 geboren war, hat das Institut geleitet. Er war Nachfolger von Prof. Alessandro Codivilla gewesen und hat das Institut vom Jahre 1912 bis zum Jahre 1940 geleitet, dem Jahr, in dem er starb.
Er war ein sehr erfahrener Chirurg, der sich sehr für Arbeitsfelder der Orthopädie interessierte, in dem er zum Beispiel neue Arbeitsmethoden und neue besondere Instrumente einführte. Er war eine sehr dotierte Persönlichkeit im Bereich der Orthopädie und hatte sich auch im internationalen Bereich einen großen Namen gemacht, da er Gründer der S.I.C.O.T (Societé Intérnationale de Chirurgie Orthopedique et Traumatologie) war, und weil er Honorarmitglied der wichtigsten ausländischen Gesellschaften geworden war und auch Korrespondent der Journal of Bone und von Joint Surgery, die größte Zeitschrift dieses Sektors. Er war ein großer Liebhaber von Bibliotheken.
Der Professor hatte in seinem Arbeitszimmer, das auch eine kleine Bibliothek beinhaltete, ein kleines Privatmuseum der Geschichte der Medizin. In den Räumen seines Arbeitszimmer, die alle mit Regalen aus Nußbaumwurzelholz ausgestattet waren, hatte er mehr als 1.000 Antiquariatsbücher der Medizin gesammelt, unter denen 17 handgeschriebenen Bücher, 66 Inkunabeln und 238 aus dem 16.Jahrhundert stammende Bücher. Diese Sammlung haben die Experten als eine der wichtigsten privaten Sammlungen weltweit geschätzt, nicht wegen der Zahl, sondern wegen der Qualität der darin beinhalteten Stücke.
Am 23.September 2005 wird zudem eine Ausstellung im Viseur Saal, vor dem achteckigen Kloster, am Orthopädischen Institut Rizzoli um 18.30 Uhr eröffnet. Die Ausstellung bleibt für einen Monat geöffnet. Die Ausstellung hat als Ziel die Einzigartigkeit der Geburt, der Entwicklung der bio-ärztlichen Illustration in der Stadt Bologna zu rekonstruieren.
Sie umfasst die Arbeiten von Remo Scoto, die beim Orthopädischen Institut Rizzoli im Jahre 1923 angefangen wurden und die als Institution geltende Schule für anatomische Zeichnung bis zu ihrer heutigen Konfigurierung, die die Verwendung von Informatiktechnologien vorsieht.
Die Ausstellung wird so gegliedert sein, dass die Form, die Technik und die Funktion der visuellen Darstellung im ärztlichen Bereich durch Dokumente, Zeichnungen, Entwürfe, Fotos, Bücher und Videoaufnahmen dargestellt und vertieft werden kann.
1) Remo Scoto (1898-1965) anatomischer chirurgischer Zeichner
Durch den Beginn seiner Tätigkeit mit Prof. Putti aus dem Orthopädischen Institut Rizzoli konnte er seine Kenntnisse zur Geltung bringen. Er ging danach soweit, dass er eine Zusammenarbeit mit den besten italienischen Chirurgen aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts und mit der als Institution geltenden Schule für anatomische Zeichnung schloss .
2) Die von Scoto illustrierten Bücher: Die wissenschaftliche Produktion für das Orthopädische Institut Rizzoli zwischen den beiden Kriegen
3) Illustrationen, Photos und Grafiken zeigen die damaligen in einem Gleichgewicht zwischen Form und Inhalt stehenden Verlagsprojekte.
4) Vom Bleistift bis zur Workstation: 50 Jahre Tätigkeit von der Schule anatomischer Zeichnung.
5) Die Entwicklung der Instrumente und der Techniken visueller Darstellung und die gleichzeitige Entwicklung der Anwendungsfelder medizinischerIllustration: Verbreitung und Didaktik der bio-ärztlichen Wissenschaften , Recherchedokumentierung, Bildung und Fortbildung der ärztlichen Träger, Information der Patienten und Gesundheitserziehung.
Der XIX jährliche Kongress von AEIMS wird zudem mit den Kunstbuch Festspielen 2005 verbunden. Die Festspiele werden von der Gesellschaft Artelibro und von der italienischen Verlagsvereinigung in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bologna, Provinz Bologna, Land Emilia Romagna, mit der Alma Mater Universität von Bologna und anderer Institutionen und anderen Organisationen gefördert.
Die jährlich stattfindenden Kongresse von AEIMS bereiten eine gute Gelegenheit für alle diejenigen, die in den Bereichen der anatomischen Zeichnung, der Prothesenkonstruktion sowie auch der Produktion von chirurgischen Instrumenten tätig sind. Das internationale Publikum besteht aus Zeichnern, Lehrern, Studenten, Berufskünstlern bis hin zu Softwareprogrammierern... [mehr]