Die Schwangerschaftsvorsorge in Deutschland liegt zum Großteil in den Händen der Frauenärzte. Der Wunsch nach ausführlichen Gesprächen und Ratschlägen bleibt für zahlreiche Frauen in der ärztlichen Vorsorge jedoch unerfüllt. Viele werdende Mütter wünschen sich daher eine Betreuung, bei der sie Arzt und Geburtshelferin im Wechsel konsultieren.
In dem Buch "Schwangerschaftsvorsorge durch Hebammen" verständigen sich Hebammen erstmals über die Grundlagen ihrer Arbeit in der Schwangerschaftsvorsorge. Herausgeber des Fachbuches ist der "Bund Deutscher Hebammen" (BDH).
Eine ausführliche Anamnese ist eines der zentralen Elemente in der Schwangerschaftsvorsorge. Sie dient dazu, frühzeitig Risiken zu erkennen, die zu einer Belastung der Schwangerschaft führen können. Die Hebamme informiert sich in einem Gespräch umfassend über den medizinischen und sozialen Hintergrund der Mutter.
Liegen zum Beispiel chronische Erkrankungen vor, muss über die Neueinstellung der Medikamente nachgedacht werden. Ebenso können Informationen über den Verlauf frühere Schwangerschaften für die jetzige Schwangerschaft relevant sein.
Darüber hinaus spielt das soziale Umfeld der werdenden Mutter eine wichtige Rolle. "Partnerschaft, Familie und Arbeitsplatz wirken sich stark auf die Akzeptanz der eigenen Rolle als Mutter aus", weiß Peggy Seehafer, Mitautorin des Fachbuches. Sozialer und psychischer Stress sind belastend für Mutter und Kind.
So haben nichtehelich geborene Kinder bis heute eine vergleichsweise schlechtere Geburtsprognose.Die Begleitung von Risikoschwangerschaften ist ein weiterer Aspekt der Hebammenarbeit. Schwangere mit schlecht eingestelltem oder unerkanntem Diabetes neigen beispielsweise zu Bluthochdruck und Nierenerkrankungen.
Zudem liegt das Geburtsgewicht der Kinder oftmals über 4.000 Gramm, was die Möglichkeit einer natürlichen Geburt minimiert. "Wenn es zu Komplikationen kommt, ist eine besonders intensive Betreuung durch Hebamme und Arzt wünschenswert", betonen die Autorinnen des Kapitels, Christiane Schwarz und Katja Stahl.
Bei allem "Risikobewusstsein" sollte jedoch nicht vergessen werden, dass auch eine Diabetikerin zunächst eine werdende Mutter ist, und dann erst Patientin. Aspekte der Normalität und die Beratung bezüglich nicht krankheitsbedingter Themen wirken sich auf Frauen mit Risikoschwangerschaften beruhigend aus.
Das Fachbuch für Hebammen in der Ausbildung und solche im Beruf enthält sowohl Erkenntnisse aus der Evidenzbasierten Medizin als auch Erfahrungswissen der Hebammen. "Das Buch schafft die Möglichkeit das eigene Handeln zu überprüfen und weiterzuentwickeln", hebt Magdalene Weiß, Präsidentin des BDH, im Vorwort hervor.
15 erfahrene Hebammen behandeln in dem Buch von Routineuntersuchungen über pränatale Diagnostik bis zu gesetzlichen Regelungen alle Aspekte der Schwangerschaftsvorsorge in der Hebammenarbeit. Spezielle Kopiervorlagen zu allen wichtigen Themen unterstützen die gezielte Beratung von Schwangeren. Der "Bund Deutscher Hebammen" gewährleistet als Reihenherausgeber, dass das vorgestellte Konzept nicht einer Einzelmeinung, sondern einem Konsens innerhalb des Berufsverbandes entspricht... [mehr]