17.03.2010 - Melioidose: Ansteckungsgefahr Reisen in die Reis-Anbaugebieten Südostasiens

Seltene Infektion in Folge des Tsunami Ende 2004

Die Melioidose gilt als eine schwer verlaufende, bakterielle systemische zoonotische Infektion mit Multiorganbeteiligung, die meist berufsbedingt auftritt. Als Folge der Überschwemmungen durch den Tsunami Ende 2004 kam es in den Folgemonaten in Indonesien zum vermehrten Auftreten von Melioidosen. Über importierte Infektionen von Reisenden liegen vereinzelte Berichte vor. Der Erreger kommt im Erdboden und im Wasser vor und gilt  als Umweltsaprophyt. Daher sind endemische Gebiete insbesondere in Reisanbaugebieten zu finden.

Verursacht wird die Melioidose durch das gramnegative Stäbchenbakterium, Burkholderia pseudomallei (frühere Bezeichnung: Pseudomonas pseudomallei). Reservoirtiere sind Nager, Vögel und Reptilien. Die Infektion kommt in einigen Regionen Südostasiens endemisch vor. Insbesondere werden regelmäßig Erkrankungen in Malaysia, Thailand, Vietnam, Kambodscha und Indonesien beobachtet. Sporadische Erkrankungen kommen zudem im Norden Australiens, in Afrika sowie Südamerika vor. Infektionshäufungen treten meist während der Regenzeit auf.

Die Übertragung des Keimes erfolgt durch Tröpfchen- und Schmierinfektion. Ein Eindringen des Erregers über Hautläsionen ist möglich. Kontakt mit kontaminiertem Erdreich oder aber eine orale Aufnahme des Erregers, z. B. beim Hand-Mund- Kontakt, gilt als möglicher Ansteckungsweg. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch gilt als unwahrscheinlich. Erkrankungshäufungen wurden z. B. bei Kanalarbeitern in Singapur berichtet.

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel nur wenige Tage. Allerdings wurden Verläufe beschrieben, bei denen die Erkrankung erst Monate nach dem Kontakt aufgetreten ist.

Klinisch kommt es bei der Melioidose zunächst zur akuten fieberhaften abszedierenden Bronchopneumonie mit Husten, Dyspnoe und Hämoptysen. Nach wenigen Tagen erfolgt dann eine generalisierte Aussaat der Erreger, wodurch es zur multiplen Abszessbildung in verschiedenen Organen kommt. Ohne Therapie verlaufen bis zu 40% der Infektionen letal. Verläufe, bei denen es nur zu einer geringgradigen Symptomatik kommt, sind möglich. Nach einer erfolgten asymptomatischen Primärinfektion und Erregerpersistenz kann es in Folge einer Immunsuppression, Steroidtherapie oder Neoplasien zur Aktivierung der Infektion kommen.

Die Therapie erfolgt durch Verabreichung von Antibiotika, wobei erschwerend eine zunehmende Resistenzentwicklung dieses Bakteriums zu beobachten ist. Als Mittel der Wahl wird Ceftazidim kombiniert mit Trimethoprim-Sulfamethozaxol, Tetrazyklinen oder Chloramphenicol über mindestens 3 Wochen empfohlen.

Wichtig ist eine orale Erhaltungstherapie mit Amoxycillin-Clavulansäure für 2 bis 6 Monate. Alternativ sind Imipenem, Meropenem sowie Cefotaxim wirksam. Die Rezidivrate beträgt bis zu 10%. Gegebenenfalls kann eine operative Sanierung befallener Gewebe, wie z. B. eine Resektion eines betroffenen Lungensegmentes, notwendig sein.

Der Nachweis des Erregers erfolgt durch kulturelle Anzüchtung. Als neuere Methoden stehen PCR zum Nachweis der bakteriellen DNA von Burkholderia pseudomallei in spezialisierten Labors zur Verfügung. Der Nachweis von Antikörpern ist mittels diverser serologischer Methoden möglich, ist aber jedoch bei der Abklärung einer akuten Infektion in der Regel ohne Bedeutung. Die Melioidose gilt nach dem Infektionsschutzgesetz als nicht meldepflichtig.


(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).

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