Eineinhalb Jahre nach dem Erscheinen des ersten Bandes gibt die Universitätsbibliothek nun einen zweiten Band mit Beschreibungen von 123 deutschen Handschriften der ehemaligen Bibliotheca Palatina heraus. Die 848 Codices Palatini germanici (Cod. Pal. germ.), die sich in der Universitätsbibliothek Heidelberg befinden, bilden heute die älteste, über Jahrhunderte gewachsene Sammlung deutscher Manuskripte, die sich geschlossen erhalten hat.
Zu dem Bestand, der in erster Linie wegen seiner oft einzigartigen literarischen Textzeugen berühmt ist, zählen knapp 300 Handschriften aus den Fachgebieten der Medizin und Alchemie. Damit dürfte die Universitätsbibliothek Heidelberg auch eine der größten Sammlungen deutschsprachiger medizinischer Rezeptbücher weltweit besitzen.
Der überwiegende Teil der im neu erschienenen Katalog beschriebenen Kodizes zählt zu diesem Fachschrifttum, das nicht zuletzt wegen des großen Interesses einiger Mitglieder der kurfürstlichen und pfalzgräflichen Familie gesammelt wurde. Die bearbeiteten Handschriften stammen aus dem 14. bis 16. Jahrhundert, wobei der Schwerpunkt der Überlieferung im späten 16. Jahrhundert liegt. Neben einiger Traktatliteratur, die zum Teil antikes, arabisches oder mittelalterliches Schrifttum überliefert und eher allgemeinen Charakter trägt, finden sich auch wenige ärztliche Konsilien, die namentlich für einen Patienten bestimmt waren und meist zur Behandlung seiner akuten Erkrankungen erstellt wurden.
Den größten Teil machen die Manuskripte mit Sammlungen von Einzelrezepten aus. Diese Rezeptsammlungen sind in der Regel nach Indikationen, das heißt nach den Krankheiten, zu deren Behandlung sie gedacht waren, und nach dem Schema "a capite ad calcem" - "vom Kopf bis zur Ferse" - geordnet. Erstmals wurde in diesem Katalog versucht, die einzelnen Rezepte als eigenständige Kleintexte bei der Erschließung wahrzunehmen.
Die Katalogisate folgen den "Richtlinien Handschriftenkatalogisierung der Deutschen Forschungsgemeinschaft" und bieten neben einer ausführlichen Beschreibung des Inhalts zu jedem Manuskript ausführliche kodikologische Informationen und Angaben zu seiner Provenienz. Gefördert wurde die Bearbeitung der Handschriften durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)... [mehr]