28.07.2005 - Wie geht der Mensch?

Mit Hilfe der Ganganalyse können Physiotherapeuten Abweichungen behandeln - Ganganalyse als wichtiges Analyse-Instrument

Ein bedeutender Schritt in der Entwicklung des Menschen war die Anpassung des gesamten Körperbaus an die Fähigkeit, aufrecht auf zwei Beinen zu gehen. Ein komplexes Zusammenspiel von Gelenken und Muskeln ermöglicht es dem Menschen, sich mit einer bestimmten Geschwindigkeit in eine von ihm gewählte Richtung zu bewegen. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Erkrankungen und Behinderungen, die dieses Zusammenspiel stören können. Normwerte des Bewegungsablaufs beim Gehen und eine Ganganalyse machen es Physiotherapeuten möglich, das jeweils passende Rehabilitationsprogramm bei Erkrankungen zu finden.

Für die Patienten birgt ein von der Norm abweichende Gang gesundheitliche Risiken: Ihre Standstabilität ist reduziert, sie haben kein sicheres Gefühl beim Gehen und ihr Gang fordert einen höheren Energieaufwand, weshalb sie schneller erschöpft sind. Oft können die Patienten nicht schmerzfrei gehen.

"Physiotherapeuten können nur dann wirksam und effektiv helfen, wenn sie die Ursachen von Schädigungen und Behinderungen eines Patienten präzise erkennen und gezielt behandeln. Die sorgfältige und exakte Untersuchung wird somit zur unabdingbaren Voraussetzung aller sich anschließenden Maßnahmen", so Kirsten Götz-Neumann, Autorin des Fachbuches "Gehen verstehen".

Dazu muss der Therapeut jedoch die Zusammenhänge der normalen Bewegungen kennen, so die Physiotherapeutin und Ganganalyse-Instruktorin. Auf dieser Grundlage kann er genauere Untersuchungen durchführen und die ermittelten Fakten beurteilen.

Das Gangbild eines jeden Menschen ist individuell unterschiedlich. Es wird von den körperliche Gegebenheiten sowie von den jeweiligen Lebensumständen und Verhaltensweisen geprägt. Daher lässt sich ein einheitliches Erscheinungsbild des Gehens kaum festlegen.

"Jedoch beweisen Studien, dass immer dieselben Voraussetzungen und Fähigkeiten Grundlage eines harmonisch fließenden Bewegungsablaufs sind und dem Körper ermöglichen sich sinnvoll zu bewegen", so Götz-Neumann. Diese Normwerte liefern dem Therapeuten die notwendigen Bezugswerte für die Therapie. Zur Analyse des Gangs gehören neben der geschulten Beobachtung durch den Therapeuten computergestützte Messgeräte. Sie ermöglichen es, die unterschiedlichen Abweichungen des Gangbildes systematisch zu beobachten und zu katalogisieren.

In ihrem Fachbuch beschreibt Götz-Neumann deshalb die normalen Bewegungen und die Mechanik des Gehens. Zusätzlich informiert sie über Gangabweichungen, Störungen der Bewegungsmechanismen und deren Ursachen. Die Autorin standardisiert in ihrem Buch die Ganganalyse mit den zugehörigen Begriffen, Untersuchungen und Behandlungsweisen, denn "die Ganganalyse soll nicht länger Spezialwissen bleiben, sondern zukünftig zum Standard der physiotherapeutischen Untersuchungen gehören". 

Mit Hilfe dieser Standardisierung können Physiotherapeuten die normalen Funktionen des Gehens erkennen, diese mittels der beobachtenden Ganganalyse am Patienten überprüfen und einen individuellen Behandlungsplan für die festgestellte Abweichungen entwerfen... [mehr]