Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist in umschriebenen Gebieten Mitteleuropas endemisch. Nicht nur die bisher bekannten Regionen, wie Süddeutschland und Österreich, verzeichnen regelmäßige Erkrankungen an FSME, sondern auch aus der Schweiz wurde durch das Bundesamt für Gesundheit jetzt eine erheblich Zunahme von Erkrankungsfällen im Jahr 2005 gemeldet. Während im Jahr 2004 noch 134 Erkrankungsfälle beobachtet wurden, stieg die Zahl bis August 2005 bereits auf 141 Fälle an. Dies entspricht einer Zunahme der Fallzahl um 55% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Wie Auswertungen der Infektionsmeldungen ergaben, traten 96% der Fälle in bekannten FSME-Endemiegebieten auf.
Die Zunahme der Infektionen in der Schweiz zeigt, dass sich die Bevölkerung des Risikos einer Infektion mit dem FSME-Virus derzeit offensichtlich noch nicht bewusst ist und die Infektionsgefahren bei Freizeitaktivitäten unterschätzt. Bis vor einigen Jahren galt die Schweiz noch nicht als relevantes Endemiegebiet, so dass anzunehmen ist, dass das Wissen um diese Infektion in der Bevölkerung noch gering ist.
Eine von den schweizer Gesundheitsbehörden einberufene Expertenrunde ist aufgrund der aktuellen Entwicklung zunehmend der Auffassung allen Personen über 5 Jahre, die in endemischen Gebieten der Schweiz wohnen, eine generelle Impfung zu empfehlen. Ausgenommen von dieser Impfempfehlung sind Personen, die aufgrund ihrer persönlichen Aktivitäten keine Expositionsgefahr aufweisen. Eine generelle Impfung von Kindern unter 6 Jahren wird hingegen wegen des meist benignen Verlaufs der FSME-Infektion in diesem Alter als nicht notwendig angesehen.
19.12.2005 - Frühsommer-Meningoenzephalitis: Stetige Zunahme von Erkrankungsfällen
Prävention von Infektionen durch aktive Impfung
Für die Impfung gegen FSME stehen Präparate zweier Hersteller zur Verfügung. Bei beiden Impfstoffen handelt es sich um formalin-inaktivierte Totimpfstoffe mit einem ausgezeichneten Immunogenitäts- und Sicherheitsprofil. Die beiden Impfstoffe unterscheiden sich insgesamt nur marginal in den Inhaltsstoffen sowie in der Inokulationsdosis für Jugendliche. Bei einem Präparat wird die Hälfte der Erwachsenendosis bis zum vollendeten 16. Lebensjahr verabreicht, bei dem anderen Präparat bis zum vollendeten 12. Lebensjahr. Studien haben gezeigt, dass die Impfstoffe jederzeit austauschbar sind.
Dies bedeutet, dass eine begonnene Grundimmunisierung oder Auffrischimpfung problemlos mit dem jeweils anderen Produkt fortgesetzt werden kann, ohne dass es hierdurch zu einer schlechteren Seroprotektionsrate kommt. Die Grundimmunisierung erfolgt mit einem konventionellen Impfschema mit Teilimpfungen zum Zeitpunkt Tag 0, Monat 1-3 sowie Monat 9-12.
Alternativ steht ein Schnellimmunisierungsschema mit Teilimpfungen zum Zeitpunkt Tag 0, Tag 7 und Tag 21-28, gefolgt von einer Auffrischimpfung zum Zeitpunkt Monat 12-15 zur Verfügung. Ein alternatives Schnellimmunisierungsschema sieht Teilimpfungen zum Zeitpunkt Tag 0, Tag 14 sowie Monat 9-12 vor. Die nach Abschluss der Grundimmunisierung erreichte Seroprotektionsrate beträgt unabhängig vom Impfschema knapp 100%.
Nach länger zurückliegender oder unvollvollständiger Impfung kann es im Einzelfall zu einer klinischen symptomatischen Durchbruchsinfektion kommen, wie vereinzelte Fälle belegen. Wichtig ist, dass ein zeitlich begrenzter Impfschutz, zum Beispiel bei Urlaubern, die in ein Hochrisikogebiet reisen, mindestens 2 Impfungen erfordert. Um einen länger bestehenden Impfschutz zu induzieren, bedarf es der Verabreichung von 3 Dosen des Impfstoffs.
Nur hierdurch lässt sich eine sichere Seroprotektion für einen Zeitraum von 3 von 5 Jahren induzieren. Wie lange der Impfschutz nach erfolgter Grundimmunisierung individuell tatsächlich besteht, ist unklar, so dass derzeit sicherheitshalber Booster-Impfungen weiterhin empfohlen werden. Allerdings kann aufgrund von Daten zur Langzeitpersistenz des Impfschutzes ab der zweiten Auffrischimpfung bei 12- bis 49-Jährigen der Impfabstand künftig auf 5 Jahre verlängert werden.
Die FSME-Impfung kann zeitgleich mit anderen Tot- oder Lebendimpfstoffen verabreicht werden. Eine serologische Testung vor einer Impfung ist nicht erforderlich. Ebenso wenig ist eine Kontrolle des Impferfolges nach Abschluss der Grundimmunisierung notwendig (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
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