Macht ein Arzt bei einer 45-jährigen Frau eine Röntgenaufnahme der Brust, so steigt ihr Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Dieses Risiko liegt bei Frauen in der westlichen Welt generell bei etwa 10%. Eine Mammographie erhöht es auf 10,0055%. Das bedeutet: Sie erhöht das Brustkrebsrisiko einer Frau um ein 1.800stel.
Der Nutzen eines flächendeckenden Mammographiescreenings steht zu einem erhöhten Brustkrebsrisiko im Verhältnis von etwa 300 zu 1. "Die Ergebnisse der bisherigen Screeningprogramme belegen eine deutliche Senkung der Mortalität", betont Professor Dr. med. Uwe Fischer vom Diagnostischen Brustzentrum Göttingen. Der Herausgeber des Buches "Röntgenmammographie" räumt jedoch ein, dass viele Frauen "unnötig" mammographiert werden.
Fischer richtet sich mit dem Buch vor allem an Radiologen in Klinik und Praxis, Weiterbildungsassistenten und Gynäkologen. Die Autoren beschreiben darin die historische Entwicklung der Röntgenmammographie, deren Grundlagen, die Indikation, die Problematik der Strahlenexposition, Qualitätssicherung, Fehlerquellen, Terminologie und Interventionen. Mehr als 400 Referenzabbildungen ermöglichen den Abgleich mit gutartigen Befunden. Ein Kapitel widmet sich der Mammographie beim Mann.
In den vergangenen 25 Jahren hat sich in der mammographischen Technik viel getan. Die Strahlung, der die Patientin beim Röntgen ihrer Brust ausgesetzt ist, ist inzwischen wesentlich geringer als damals. "Viele Bedenken gegenüber der Mammographie beruhen noch auf den alten, sehr viel höheren Dosiswerten", betont Dr. rer. nat. Klaus-Peter Hermann vom Universitätsklinikum Göttingen in dem Kapitel "Strahlenexposition".
Dennoch müsse der behandelnde Arzt in jedem Einzelfall abwägen, ob die Mammographie gerechtfertigt ist. Allein, dass eine Frau älter als 50 Jahre ist, reiche dafür nicht aus. Faktoren wie etwa Schmerz oder ein Tastbefund spielen hierbei ebenfalls eine Rolle.
Strahlenrisiken abzuschätzen ist mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Das Risiko ist sehr stark vom Alter der untersuchten Frau abhängig. Am höchsten ist es bei jungen Frauen, deren Brustdrüse sich noch entwickelt. Die noch nicht vollständig ausgereiften Zellen sind für die Strahlung besonders empfänglich und können am ehesten entarten. Bei Frauen ab einem Alter von 60 Jahren liegt der Risikokoeffizient dagegen bei Null. Der Nutzen einer Mammographie kann sich bereits innerhalb weniger Jahre zeigen. Die Nebenwirkungen der Strahlung jedoch treten gegebenenfalls erst 20 bis 30 Jahre danach zu Tage... [mehr]