Laut einer Befragung unter Hebammen sowie einer Untersuchung der Universität Gießen nimmt die Ernährungsberatung in der Schwangerschaftvorsorge einen verhältnismäßig geringen Stellenwert ein. Dabei könnten durch eine frühzeitige und individuelle Ernährungsberatung viele Probleme in der Schwangerschaft vermieden werden.
In der Schwangerschaft verändert sich der Stoffwechsel und der Körper der Frau stellt sich auf die Bedürfnisse des Kindes ein. Aus diesem Grund bedürfen Schwangere und Stillende einer ausgewogenen Ernährung. Viele werdende Mütter nehmen an, dass insbesondere ihr Energiebedarf in dieser Zeit steigt. „Eine Tatsache, die in der Regel überbewertet wird“, wissen Ute Körner und Ruth Rösch.
Gemeinsam haben die Diplom-Oecotrophologinnen das Fachbuch "Ernährungsberatung in Schwangerschaft und Stillzeit" geschrieben. Es liefert Hebammen umfassende Informationen für die Beratung von schwangeren und stillenden Frauen. Das Buch basiert auf einer "vollwertigen Ernährung" nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE).
Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass in der Schwangerschaft im Normalfall lediglich ein zusätzlicher Kalorienbedarf von 255 Kilokalorien am Tag besteht. Erst in der Stillphase wird eine zusätzliche Energieaufnahme von etwa 600 Kilokalorien am Tag notwendig. Entscheidender ist jedoch die Versorgung mit "kritischen Nährstoffen" während der Schwangerschaft. Dazu gehören vor allem Folat, Jod, Eisen, Kalzium und Magnesium.
Als kritisch werden sie bezeichnet, da eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung durch die tägliche Nahrungsaufnahme nicht garantiert werden kann. In der Schwangerschaft sollte jedoch besonders darauf geachtet werden, dass gerade diese Nährstoffe in ausreichendem Maße aufgenommen werden.
"Wenn der Bedarf nicht über die Nahrung gedeckt werden kann, ist die Einnahme von Zusatzpräparaten empfehlenswert", raten die Autorinnen. Eisenmangel verschlechtert beispielsweise die Sauerstoffversorgung von Uterus, Plazenta und Fötus, so dass es zu Früh- und Fehlgeburten kommen kann. Mit Fleisch lässt sich einem Eisenmangel entgegenwirken: "Es ist die beste Eisenquelle. Fleisch enthält viel zweiwertiges Eisen, das besonders gut vom Körper aufgenommen wird." Darüber hinaus erweisen sich Fenchel, Spinat und Linsen als gute Eisenlieferanten.
Beschwerden in der Schwangerschaft lassen sich durch eine entsprechende Ernährung lindern. Die Hormone der schwangeren Frau stellen sich um. Dadurch verlangsamt beispielsweise die Darmtätigkeit, so dass viele Frauen an Verstopfung leiden. Durch die verstärkte Durchblutung des Unterleibs und den Druck des harten Stuhls können Hämorrhoiden entstehen.
"Die Betroffenen sollten mindestens zwei Liter am Tag trinken, ballaststoffreich essen und stopfende Lebensmittel wie Schokolade und Weizenmehlprodukte meiden", raten die Expertinnen. Dem Unwohlsein am Morgen begegnen Schwangere am besten noch vor dem Aufstehen mit einem stärkehaltigen, leichten Frühstück. Tee und Zwieback oder Vollkornkekse sind zum Tagesbeginn das Beste. ´
Das Fachbuch bietet Hebammen konkrete Ernährungsempfehlungen sowie Praxistipps und Rezepte. Alle Informationen entsprechen dem neuesten Wissenstand der Geburtshilfe und Ernährungswissenschaft. Darüber hinaus vermitteln die beiden Autorinnen methodisches und didaktisches Wissen für die Beratungspraxis... [mehr]