18.11.2005 - Histamin-Intoleranz ist bei vielen Ärzten noch unbekannt

Leben ohne Histamin-Bomben - nur eine Eliminationsdiät hilft

Die Nase läuft, der Darm rebelliert und das Herz rast - bei etwa drei Millionen Menschen in Deutschland ist eine Histamin-Intoleranz Ursache dieser Beschwerden. Den Symptomauslöser Histamin kann man weder riechen noch schmecken, doch er ist in unterschiedlicher Konzentration in fast jedem Nahrungsmittel enthalten.

Pro Tag nimmt der Mensch durchschnittlich 4 Milligramm Histamin zu sich. Bereits 15 Mikrogramm der Substanz können bei den Betroffenen zu Beschwerden führen. Da Histamin auf den gesamten Organismus wirkt, sind die Symptome vielfältig: Verdauungsstörungen sind am häufigsten, aber auch Kopfschmerzen, Asthma, Herzrhythmusstörungen oder Hautausschläge können auftreten.

Die Erkrankung ist bei vielen Ärzten noch unbekannt. "Eine Histamin-Intoleranz wird nur selten auf Anhieb richtig diagnostiziert", weiß Thilo Schleip, Autor des Ratgebers "Histamin-Intoleranz". "Da es schwierig ist, die Krankheit nachzuweisen, wird sie oft als psychosomatisches Leiden abgetan." Meist diagnostizieren die Ärzte zunächst eine Allergie.

Man schätzt, dass rund 15% aller Fälle von "allergischem" Asthma auf eine Histamin-Intoleranz zurückzuführen sind. Auch bei Allergien spielt der Botenstoff Histamin eine wichtige Rolle - die Symptome einer Histamin-Intoleranz und einer "echten" Allergie ähneln sich daher.
 
Patienten mit Histamin-Intoleranz leiden an einem Mangel des Enzyms Diaminoxidase, das das Histamin im Darm abbaut. Bei den Betroffenen steigt deshalb der Histaminspiegel nach einer Mahlzeit mit histaminreichen Speisen an. Zu den "Histaminbomben" gehören beispielsweise Fisch, Käse, Rotwein, Sauerkraut oder Hefeprodukte.

Der sicherste Weg, eine Histamin-Intoleranz nachzuweisen, ist die so genannte Eliminationsdiät. Dabei sollten histaminreiche Speisen und Getränke über vier Wochen gemieden werden. Liegt tatsächlich eine Histamin-Intoleranz vor, sollten sich die Beschwerden durch die Diät deutlich bessern. Um ganz sicher zu gehen, kann man am Ende einer erfolgreichen Eliminationsdiät einen Provokationstest durchführen, also absichtlich ein stark histaminhaltiges Nahrungsmittel verzehren.

"Eine reichlich unangenehme Methode", verrät Autor Thilo Schleip, der selbst an Histamin-Intoleranz leidet. "Anschließend kann man aber ganz sicher sein, dass die Beschwerden wirklich durch Histamin bedingt waren."

Die Eliminationsdiät ist gleichzeitig auch die Therapie der Histamin-Intoleranz. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen reicht der Verzicht auf "Histaminbomben" aus. Gänzlich aus dem Speiseplan verbannen kann man Histamin nicht. Die Betroffenen sollten aber darauf achten, dass ihre individuelle Toleranzgrenze nicht überschritten wird. Wenn dies nicht ausreicht, stehen auch Medikamente, beispielsweise Antihistaminika, zur Verfügung.

Schleip erklärt in seinem Ratgeber die Wirkungen von Histamin auf den Organismus und beschreibt die Symptome der Histamin-Intoleranz. Die Leser können mithilfe des Buches leicht überprüfen, ob sie von der Erkrankung betroffen sind und erhalten wertvolle Informationen über die Therapie. Auf histaminreiche und histaminfreisetzende Nahrungsmittel wird ausführlich eingegangen. Rezeptvorschläge für eine histaminarme Diät runden den Ratgeber ab... [mehr]