30.06.2005 - Impfung schützt vor persistierender HPV-16/18-Infektion

Impfstoffe: geplante Zulassung im Jahr 2007

Ergebnisse von Phase-II-Studien mit einem rekombinanten HPV-16/18- sowie HPV-6/11/16/18-Impfstoff belegen eine ausgezeichnete Protektion von 89 bis 100%. Da neben der Wirksamkeit die Verträglichkeit der beiden Impfstoffs ebenfalls sehr gut war, dürfte der geplanten Zulassung im Jahr 2007 nichts entgegen stehen.

Seit den grundlegenden Arbeiten Ende der 1970er Jahre, die eine Assoziation zwischen dem Zervixkarzinom und humanen Papillomviren postulierten, wird an der Entwicklung einer prophylaktischen Vakzine gearbeitet. Das Zervixkarzinom, die wichtigste klinische Manifestionsform der Infektion durch humane Papillomviren (HPV), gilt als eine der häufigsten Neoplasien der Frau. Weltweit geschätzte 470000 Neuerkrankungen pro Jahr mit 230.000 Todesfällen unterstreichen die globale Bedeutung dieses Tumors.

Molekularepidemiologische Untersuchungen belegten, dass onkogene HPV-Typen in nahezu 100% der Fälle in den Tumoren nachgewiesen werden. Dabei fand sich HPV-16 in 60% und HPV-18 in 10% der Zervixkarzinome. HPV-16 findet sich insbesondere bei Plattenepithelkarzinomen der Zervix, während HPV-18 vor allem beim Adenokarzinom nachgewiesen werden kann. Die klinische Entwicklung von HPV-Impfstoffen zweier Hersteller ist nun weitest gehend abgeschlossen und kürzlich wurden die Ergebnisse der Phase-II-Studien vorgestellt.

In einer doppelblinden, multizentrischen, randomisierten, plazebo-kontrollierten klinischen Phase-II-Studie mit einer bivalenten HPV-16/18-Vakzine (Cervarix® ) wurde jetzt die Wirksamkeit und Verträglichkeit bei 15- bis 25-jährigen Frauen in den USA und Brasilien untersucht. Der verwendete Impfstoff enthält jeweils 20 µg von rekombinantem, in Insektenzellen, hergestellten HPV-16  bzw. HPV-18 L1-virus-ähnlichen Partikeln. Als Adjuvant wurde AS04 verwendet, das aus Aluminiumhydroxid und monophoshoryliertem Lipid A besteht.

Die Impfungen erfolgten zu den Zeitpunkten 0, 1 und 6 Monaten. Teilnehmer an der Studie waren 1.113 Frauen, die nicht mehr als 6 Sexualpartner, keinen auffälligen Pap-Test aufwiesen oder bereits operativ an der Zervix behandelt worden waren, nicht wegen Kondylomen therapiert wurden, seronegativ für Antikörper gegen HPV-16 und 18 sowie neben HPV-16/18 auch HPV-DNA-negativ für andere Hochrisikogenotypen waren. Der Untersuchungszeitraum betrug 27 Monate, während dem die Teilnehmerinnen kolposkopisch und zytologisch kontrolliert wurden.

Die Auswertung der serologischen und histologischen Untersuchungen ergab eine Wirksamkeit des Impfstoffs in der "according-to-protocol“-Gruppe, von 91,6% vor einer Infektion und 100% vor einer persistierenden Infektion mit HPV 16/18. Bei der Auswertung der "intention-to-treat"-Gruppe wurde eine Wirksamkeit des Impfstoffs von 95,1% vor einer persistierenden Infektion und 92,9% gegen HPV-16/18-assoziierte zytologische Auffälligkeiten gefunden. Nennenswerte systemische oder lokale Reaktionen wurden in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung nicht beobachtet.

Neben der bivalenten Vakzine wurde von einem anderen Hersteller ein alternativer Weg beschritten mit einer tetravalenten Vakzine (Gardasil® ) beschritten. Bei dieser Entwicklung wurden neben den onkogenen HPV-Genotypen 16 und 18 noch die beiden nicht-onkogenen HPV-6 und –11 in den Impfstoff hinzugefügt. HPV-6/11 gelten die häufigsten Erreger der Kondylome. Die Ergebnisse einer randomisierten, doppelblinden, plazebo-kontrollierten, multizentrischen Studie der Phase II mit diesem tetravalenten HPV-Impfstoff wurden kürzlich veröffentlicht. Dieser rekombinante Impfstoff wurde in Saccharomyces cerevisiae synthetisiert und an Aluminium als Adjuvanz adsorbiert. Insgesamt wurden 1158 Frauen in diese Studie eingeschlossen. Die Impfungen erfolgten zu den Zeitpunkten 0, 1 und 6 Monaten. Während der 36-monatigen Laufzeit der Studie erfolgten regelmäßige gynäkologische Kontrolluntersuchungen.

Zervikovaginale Proben wurden auf HPV-DNA untersucht. Primäre Endpunkte der Studie waren die kombinierte Inzidenz von Infektionen mit HPV-6, -11, -16 und -18, zervikale oder externe genitale HPV-Läsionen. Zudem  wurden die Immunogenität sowie Reaktogenität bei verschiedenen Dosierungen dieses Impfstoffs untersucht. Im Vergleich zur Plazebogruppe sank die Inzidenz von persistierenden HPV-Infektionen gegen die im Impfstoff enthaltenen Genotypen um 89%. In der Per-Protokoll-Gruppe wurde eine Wirksamkeit von 90% ermittelt. Die Häufigkeit von lokalen oder systemischen Reaktionen entsprach der anderer moderner Impfstoffe. Inwieweit der zusätzlich Schutz vor Kondylomen, die in vielen Fällen eher von untergeordneter klinischer Bedeutung sind, einen klinischen Vorteil darstellt, wird sich nach der Markteinführung zeigen.

Die hier vorgestellten Impfstudien zeigten, dass es durch die Impfung zu einem hohen Schutz vor einer inzidentiellen sowie persistierenden HPV-Infektion kommt. Durch die Etablierung von Impfprogrammen dürfte es in einem überschaubaren Zeitraum daher zu einer deutlichen Reduktion des Zervixkarzinoms kommen. Jedes Jahr erkranken 7.500 Frauen in Deutschland am Zervixkarzinom, welches durch eine rechtzeitige Impfung zu einem großen Teil vermieden werden könnte. Es wäre daher wünschenswert, dass auch von Seiten der Kostenträger bereits heute eine Zustimmung zu einem Impfprogramm signalisiert werden würde, um eine Einführung nicht aus Kostengründen zu verzögern (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).


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