02.06.2005 - Ginkgo: Ur-Baum und Arzneipflanze

Ginkgo-Buch: Mythos, Dichtung und Kunst

Faszination "Ginkgo". Diese Überschrift hätte man für das gesamte Ginkgo-Buch aus dem Hirzel-Verlag nehmen können. Den Apotheker interessieren zunächst die therapeutischen Aspekte des Ginkgos. Diese werden zusammen mit den lnhalsstoffen von Dr. Wolfgang Caesar aufgeführt und kritisch diskutiert. Da sich das Buch an einen breiteren Leserkreis richtet, hat Dr. Wolfgang Caesar die einzelnen Wirkungen in einer verständlichen aber nicht banalisierten Form dargestellt.

Vom gleichen Autor stammt ein Artikel über Engelbert Kempfer, der den Ginkgo-Baum erstmals beschrieben hat und der die ersten Samen des Ginkgobaumes nach Europa gebracht hat. Amüsant im Lebenslauf dieses Arztes und Naturforschers ist, dass er sein Studium in Königsberg deshalb nicht mit der Promotion abschließen konnte, weil er sich wegen der horrenden Unkosten die damals obligatorischen Promotionsfeierlichkeiten nicht leisten konnte.

Faszinierend - um bei der Einleitungüberschrift zu bleiben - ist ein Artikel, der in Deutschland lebenden japanischen Künstlerin Atsuko Kato über alte Ginkgo Bäume in Japan. Jeder dieser beschriebenen Ginkgobäume, die zum Teil über 1.500 Jahre alt sind, hat seine eigene Geschichte. Schön sind auch die von ihr zitierten siebzehnsilbigen (Haiku) und einundreißigsilbigen (Tanka) Gedichte, zum Beispiel: "Wie kleine goldene Vögelchen fallen die Ginkgoblätter in der abendlichen Sonne" (Akiko Yosano, 1878-1942).

Einen weiteren Höhepunkt des Buches stellt der Beitrag von Helga Schmoll gen. Eisenwerth über den Ginkgo im Kunsthandwerk Ostasiens und Europas dar. Dies ist insofern reizvoll, als der „Japonismus“ großen Einfluss auf die europäische Kunst, insbesondere den Jugenstil, hatte. Der Beitrag wird durch zahlreiche Abbildungen sowohl farbig als auch schwarz-weiß illustriert.

Dass dieser außergewöhnliche Baum nicht nur die Künstler in der Vergangenheit angeregt hat, sondern bis in unsere Zeit weiter wirkt, zeigt ein Beitrag von Professor Schmoll gen. Eisenwerth über Ginkgo in Dichtung und Bildender Kunst der Moderne.

Weitere Artikel, zum Beispiel über die Paleobotanik, die Botanik und nicht zu vergessen über das berühmte Goethe-Gedicht, das er Marianne von Willemer gewidmet hat, fügen sich sehr gut in dieses außergewöhnliche Buch ein.

Das Buch kann jedem der an Arzneipflanzen, Botanik und Kunst interessiert ist, wärmstens empfohlen werden. In seiner hervorragender Qualität und guten Aufmachungen eignet es sich auch als Geschenk... [mehr]