30.05.2005 - Sind Geburtskliniken schuld an zu wenig Babywunsch?

Faszination Kinderkriegen mit Geburtskliniken als "Qualitäts-Marken"

Prof. Riegl: Benchmarking II Geburtsklinik als Marke
Prof. Riegl: Benchmarking II - Geburtsklinik als Marke

Geburtskliniken leisten heute fachlich mehr als jemals zuvor, aber das "Freudige Ereignis" macht den Gebärenden heute weniger Freude als früher. Eine neue Generation von anspruchvolleren Frauen ist heute mit dem Geburtsablauf weniger zufrieden als vor 10 Jahren. Der Anteil der zufriedenen Wöchnerinnen, weil alles wie erwartet ablief, ist um 20 % gesunken.

Angesichts des Geburten-Crash in Deutschland mit jährlichem Minus von 50.000 Babys gegenüber 1995 und einem wirtschaftlichem Überlebenskampf von Kliniken, sollten Geburtshelfer für Schwangere zu vertrauenswürdigen Marken-Dienstleistern aufsteigen, denn Vertrauen in Markenqualitäten steuert unser ganzes Leben. So der Augsburger Patienten- und Klinikforscher Prof. Dr. Gerhard F. Riegl von der University of Applied Sciences, School of Business an Hand eines bundesweiten Vergleichstests mit externem Rating  für Geburtskliniken. Bislang wurden 2.100 Wöchnerinnen, darunter auch aus Top-Kliniken, intensiv befragt.

Dieses freiwillige Rating funktioniert wie eine Body Measure Index  (BMI) für Geburtskliniken auf der Basis eines systematischen Patientinnen-Zufriedenheitsmanagement. Die individuelle Analyse der Performance (Klinik-Leistungskondition) und deren Steigerungsmöglichkeiten soll Schwangere auf der Suche nach der Idealen Geburtsklinik zu Gewinnerinnen machen. Marken-Geburtskliniken müssen schließlich exzellente Patientinnenkenner sein. Gegenwärtig ist ein guter Zeitpunkt, um als Geburtsklinik eine Marke zu werden, denn ab August 2005 sind Klinik-Qualitätsberichte vorgeschrieben und die besten Plätze für Klinikmarken sind noch nicht vergeben.

56% der Frauen, die ihre Geburtsklinik spitzenmäßig als Fünf- oder Vier-Sterne-Einrichtung empfunden haben, sind von den direkten klinikbeeinflussbaren Leistungen wie Ärzten, Hebammen, Kreißsaal und Zimmerausstattung mehr fasziniert als anderen Frauen. Dagegen haben unzufriedene Gebärende ihre Klinik mehr wegen Standortvorteilen und wegen Zusatzeinrichtungen, wie Kinderklinik oder Perinatalzentrum bevorzugt oder in Kauf genommen. Das bedeutet, Geburtskliniken haben es mehr als gedacht, selbst in der Hand für ihre Schwangeren ein "Center of Excellence" zum beeindruckenden Beginn junger Familien zu werden.

Für drei von vier Müttern gibt es Verbesserungsbedarf auf der Wöchnerinnenstation, wie zum Beispiel weniger Störung der Nachtruhe und späteres Wecken (20%), Nutzung spezieller Besucherräume bei großem Andrang von Familien Clans (39%), bessere Verköstigung für Mutter und Kind (68%) sowie mehr Klinikinformation und Aufklärung vor der Aufnahme (72%).

Bisher spüren erst  20 % der Wöchnerinnen das gute Gefühl, eine Marken-Qualitätsklinik gefunden zu haben, denn ihre Erwartungen wurden übertroffen. Geburtskliniken werden auch zunehmend zu Aushängeschildern für Krankenhäuser, denn 22 % der im Prinzip gesunden Wöchnerinnen  (1995 nur 17%) sind später bereit, die Markenmedizin des Hauses auch im Krankheitsfall weiter zu empfehlen. 

Neue Gebärende - mehr Ansprüche

Die neue Generation der Gebärenden 2005 ist im Schnitt mit 30,8 Jahren ein Jahr älter als 1995. Unverheiratet, in Lebensgemeinschaft, sind 22 % aller jungen Mütter, gegenüber 9 % ledigen Müttern 1995. Werdende Mütter haben heute mehr Abitur oder Studium als vor 10 Jahren und sie überlassen immer weniger dem Zufall bei Ort, Zeit und Art der Geburt. Wunschkinder besitzen einen immer höheren Liebhaberwert. Dazu passt, dass 17 % der Frauen "mehr Klinik-Sicherungssysteme gegen Baby-Diebstahl" wünschen.

Trotz zahlreicher Appelle und positiver Studienergebnisse  nimmt die Stillfreudigkeit der modernen Mütter sogar ab. Nur noch 56% wollen so lange wie möglich stillen, vor 10 Jahren waren es noch 10% mehr.

Dagegen stieg der Kaiserschnittanteil im Vergleichszeitraum permanent von 19% auf 35%, wobei Experten bis zu 50% für diese Art der Entbindung prophezeien. Ein Drittel der Schwangeren informiert sich bewusst im Vorhinein über die Kaiserschnittquote im Haus und 82% der vorinformierten Frauen empfinden die hohe Quote einer Geburtsklinik als nicht störend. 17% der Frauen mit Kaiserschnitt hatten auf eigenen Wunsch eine Schnittentbindung. Nur 3% der Patientinnen mit Kaiserschnitt sehen diese Art der Geburt danach kritisch.

Kliniken wurden besser

Was Geburtskliniken inzwischen medizinisch und pflegerisch leisten, zeigt sich auch an den effizienteren Liegezeiten. 67% der Wöchnerinnen dürfen bei natürlicher Geburt (ohne Kaiserschnitt) binnen 4 Tagen nach Hause, während dies vor 10 Jahren erst 23% waren. 22% der Patientinnen nach Kaiserschnitt können bereits in den ersten fünf Tagen die Klinik verlassen (früher nur 3%). Mit diesen Verkürzungen sind 83% der Frauen voll zufrieden und 8 % wünschten sich sogar noch frühere Entlassungen.

Vor allem im Kreißsaal haben Geburtskliniken Vieles zum Besseren verändert. So wünschen heute nur noch 12 % mehr Wohnlichkeit gegenüber 20% vor 10 Jahren. Klimaverbesserungen erwarten nur noch 8%, gegenüber früher 13%, und Hintergrundmusik hat sich offensichtlich durchgesetzt, denn nur noch 5% haben diesbezügliche Wünsche offen, gegenüber 18% bei der letzten Erhebung. Der Bedarf an Hilfsmitteln für alternative Geburten scheint allmählich gesättigt, denn nur noch 4% wünschen zusätzliche Hocker, Seile oder andere unterstützende Geburtsausstattungen im Vergleich zu 14% vor 10 Jahren. Der Kreißsaal ist heute insgesamt für 48% der Frauen perfekt, ohne jeden noch so kleinen Verbesserungswunsch.

Nach kontinuierlichen Verbesserungsprozessen besitzen 67% der Kliniken irgendeinen Anschluss an Kinderkliniken, früher nur 33%, und 65% verfügen über Frühgeborenenstationen (1995 nur 34 %). 66 % der Geburtskliniken haben bereits Qualitätsmanagement-Programme und 47% sind zertifiziert oder auf dem Weg dorthin.

Was ist Schwangeren bei der Klinikauswahl zu raten?

Wegen steigendem Frühgeburtenrisiko (Steigerungsrate 2,4% pro Jahr) sollten die Paare bereits vor der 24. Schwangerschaftswoche Informationsveranstaltungen aufsuchen und dort auch nach dem entscheidenden Notfall- und modernen Wehenmanagement fragen. Das empfehlen 24% der Frauen mit Frühgeburten. Noch immer wählen 61% der Schwangeren und Partner ihre Geburtsklinik hauptsächlich nach Wohnortnähe, nur 22% fahren weiter als 20 km.

Da Verweildauern kürzer werden und überregionale Spezialisierungen mit den neuen Entgeltsystemen zunehmen, lohnt es sich, noch umsichtiger als bisher bei der Geburtsklinikwahl und bei der Beachtung der Sonderausstattungen vorzugehen. 29% der Schwangeren achten auf Notfall-Untersuchungsmöglichkeiten nachts oder am Wochenende. Gelernt aus den Erfahrungen beim ersten Mal, würden 45% darauf achten, ob 24 Stunden ein Kinderarzt verfügbar ist und 39% ob auch die permanente Anwesenheit eines Frauenarztes gewährleistet ist. Noch mehr als bisher, würden 23% der Mütter beim nächsten Mal auch auf eine mitbringbare Hebamme achten.

Was ist Geburtskliniken zu raten?

Attraktive Geburtskliniken als Kult-Marken gewinnen im Verdrängungswettbewerb und unterstützen den Wunsch zum eigenen Kind durch ein einzigartiges Familienereignis. Jede Klinik muss für die neue Generation von Schwangeren rechtzeitig ihre ureigene Marken-Kernaussagen finden. Nach den klinikindividuellen Forschungsergebnissen des Institut Prof. Riegl sollten sich Geburtshelfer nicht mit einem Verharmlosungswettbewerb wie bei Hausgeburten, sondern mit einem familienfreundlichen Qualitätsmanagement des Gebärens als vertrauensvolle Markendienstleister positionieren.

Die innovative Markenwelt einer Geburtsklinik erfordert neben dem Servicewettbewerb vor allem eine positive angstfreie Darstellung geburtshelferischer Kernkompetenzen des Hauses. Gute Ärzte sind inzwischen bei 37 % der Frauen als ein Hauptgrund zur Wahl der Geburtsklinik aufgestiegen und liegen damit gleichauf mit guten Hebammen. Bei Frauen über 35 Jahren sind gute Ärzte für bis zu 45 % das Entscheidungskriterium.

Die besten Qualitäten von Geburtskliniken sind bundesweit die Hebammenbetreuungen vor und während der Geburt sowie an zweiter Stelle die OP-Qualität bei Kaiserschnitten. Am ungünstigsten schneiden die Homepages von Geburtskliniken ab sowie die Kooperation mit Einweisern/Hausgynäkologen und schließlich die Ernährungsangebote für Mutter und Kind.

Bessere Stillfreundlichkeit und Stillförderung als in anderen Häusern sind für 23 % der Schwangeren Gründe zur Klinikbevorzugung. Dagegen sind Größe des Hauses und Geburtenzahlen aus Sicht der Frauen relativ unbedeutend.

Bei der werblichen Selbstdarstellung spielt die Mundpropaganda mit 48% die größte Rolle. Informationsveranstaltungen und Empfehlungen der Hausgynäkologen liegen mit jeweils 31% bis 32% auf Rang 2 noch deutlich vor der Werbewirkung von Hebammenempfehlungen von 21%.

Schnelle Pluspunkte können Geburtkliniken bei Wöchnerinnen auf folgenden Gebieten sammeln: mit einer Tageszeitung freier Wahl bei 18%, durch Familienzimmer gegen Zusatzentgelt bei 15% und mit Internet- oder Email-Anschluss für das Surfen im WWW bei 11%.

Um auf die Anfangsfrage zurückzukommen: "sind Geburtskliniken schuld an zu wenig Babywunsch?", so lautet die Antwort zwar "nein", aber: sie könnten als Marken-Qualitäts-Geburtskliniken mit großartigem Zelebrieren des Familienereignisses noch mehr "Want Appeal" für den eigenen Kinderwunsch entstehen lassen.

Organisatorisches zum Konsortial Benchmarking II „Geburtsklinik als Marke“:

Klinik-Anmeldungen und Start ab sofort. Alle Analysearbeiten durch das Institut Prof. Riegl ohne Betreten der Klinik. Nutzbar auch für Qualitäts-Management und Zertifizierungen. Zeiteinsatz für die Kliniken je beteiligtem Arzt oder Beschäftigtem maximal 20 Minuten. Schutzgebühr je Klinik 1.000 Euro plus Mwst. für programmierte Unterweisungen, alle Befragungsunterlagen (150 Wöchnerinnen und 5 Kliniker/Hebammen), EDV-Auswertungen, mit anonymem regionalem Klinikvergleichstest unter den Teilnehmerkliniken,  individuelles wissenschaftliches Geburtsklinik-Qualitätsgutachten zum Rating und zur Performance mit Verbesserungspotenzialen, einschließlich Klinik-Zertifikat. Durchführung innerhalb  von ca. 2 Monaten ab Start.                  


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