22.04.2005 - Zecken: Gefahr aus dem Unterholz

Zecken: Infektion mit Tarnkappe

Eine durch Zecken hervorgerufene Borreliose-Infektion wird bei jährlich 40.000 bis 80.000 neu Erkrankten spät oder gar nicht erkannt, da die Borreliose nicht auf dem Ausbildungsplan der Ärzte steht. Den Betroffenen soll das Buch Hilfe für eine Diagnose und Wissen für den Umgang mit Arzt und Leistungsträger geben.

Nur 40% der Infizierten erinnern sich an einen Zeckenstich in der Vergangenheit, da die dermatologischen, arthritischen und neurologischen Krankheitszeichen sich nicht gleich einstellen.

Einführend macht das Buch mit den Zecken bekannt. Ixodes ricinus, der Gemeine Holzbock, gehört zu den Schildzecken und findet in Deutschland beste Entwicklungsmöglichkeiten. Diese Zecke kann das FSME-Virus und Borrelien übertragen. Man geht davon aus, dass jede dritte geschlechtsreife Zecke Borrelien, das sind schraubenförmige Spirochäten-Bakterien, in sich trägt. Zecken bevorzugen Parks mit Unterholz und Gräsern, sie sitzen in Hecken und Büschen (maximal einen Meter hoch) und lassen sich von geeigneten Wirten abstreifen. Die besten klimatischen Bedingungen finden Zecken im Mai und Juni sowie im September und Oktober. Während Ihrer drei Entwicklungsstadien brauchen sie jeweils eine "Blutmahlzeit" von Tier oder Mensch.

Informationen über durch Zecken hervorgerufene Infektionskrankheiten liefert das nächste Kapitel. Während das FSME-Virus bei etwa jeder hundersten Zecke nachweisbar ist, trägt etwa jede dritte Zecke Borrelien in sich. Das lnfektionsrisiko für Borreliose steigt mit der Saugdauer der Zecke, während FSME sofort übertragen werden kann. Verschiedene Erreger können gleichzeitig übertragen werden, mit besonders schweren neurologischen Komplikationen für den Erkrankten. Auch Ehrlichia-Bakterien oder Rickettsien werden über Zecken verbreitet. Zur späteren Beweisführung, falls krankheitszeichen auftreten, sollte man Zecken nach der Entfernung aufbewahren, ganz oder in Teilen, rät das Buch.

Verwiesen wird auf untersuchende Institute, die feststellen können, ob eine Zecke infektiös war. Auch das notieren von Datum, Ort und Tätigkeit während des Bisses wird empfohlen, wenn eventuell später eine Berufskrankheit geltend gemacht werden soll. Bei Verdacht auf Infektion ist ein Symptom -Tagebuch hilfreich.

Die äusserst zahlreichen möglichen Krankheitssymptome bestimmen das nächste Kapitel, angefangen von der Wanderröte um die Stichstelle bis zu den verschiedensten Beschwerden und Krankheitszeichen der nächsten Stadien einer Borreliose-lnfektion. Anschließend wird die "Tarnkappe" gelüftet und über mögliche Fehldiagnosen berichtet. Die Behandlung mit Antibiotika ist in jedem Stadium sinnvoll und kann zur Heilung auch jahrelang bestehender Beschwerden führen, aber nicht in jedem Behandlungsfall spätere Folgeschäden ganz ausschließen.

Die Autorin Ute Fischer ist selbst Betroffene. Ihre Borreliose-lnfektion wurde zu spät erkannt; sie erleidet immer wieder Krankheitsschübe. Zusammen mit ihrem Journalisten-Kollegen Bernhard Siegmund hat sie ihre Absicht, über Borreliose zu informieren und auf die Gefährlichkeit von Zeckenbissen hinzuweisen, äußerst erfolgreich umgesetzt.

Wer sich trotz der weitreichenden Aufklärung durch das Buch als Betroffener nicht allein zum Arzt oder bei Behörden zurechtfindet, kann sich an eine der aufgeführten Selbsthilfegruppen wenden... (Dtsch. Apotheker Zeitung; Ulrike Weiss) [mehr]