07.12.2009 - Multiresistente Gonorrhö aus Südostasien

Zunahme von Gonorrhö-Erkrankungen bei jüngeren Erwachsenen auch in Deutschland

Nach einer Meldung der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) wurde in Kalifornien und Hawaii bei steigenden Fallzahlen zugleich eine zunehmende Resistenz von Neisseria gonorrhoeae gegen Fluorochinolone beobachtet. Dieser Anstieg betraf nicht nur homo-, sondern auch heterosexuelle Männer. Als wichtiger Risikofaktor erwiesen sich dabei insbesondere Reisen nach Asien.

Die Gonorrhö (synonym: Blenorrhö, Tripper) wird durch aerob wachsende, gramnegative Diplokokken, den Neisseria gonorrhoeae (synonym: Gonokokken), verursacht. Seit Mitte der 1990er Jahre wird im Gefolge anderer venerischer Infektionen eine Zunahme von Erkrankungsfällen auch in Deutschland beobachtet. Dabei sind insbesondere jüngere Erwachsene beiden Geschlechts betroffen. Der Mensch ist das einzige Reservoir dieses Keimes.

Die Übertragung erfolgt durch direkten Schleimhautkontakt, zum Beispiel beim genitalen, analen oder oralen Geschlechtsverkehr. Auch beim Geburtsvorgang kann es zur Infektion des Neugeborenen kommen.

Die Gonorrhö gilt als sehr ansteckend. So infizieren sich 20 bis 35% der Männer bei einem einmaligen Sexualkontakt mit einer Frau. Dem gegenüber stecken sich 60 bis 90% der Frauen bei nur einmaligen heterosexuellen Sexualverkehr an. Klinisch steht bei der urogenitalen Infektion der Frau eine Schwellung der Labien, Fluor genitalis, Schmerzen sowie Brennen beim Urinieren im Vordergrund. Allerdings verlaufen 50 bis 80% der akuten Infektionen asymptomatisch. Unbehandelt kann es im weiteren Verlauf zu Adnexitis, Salpingitis, Peritonitis, akuter Entzündung des kleinen Beckens sowie Dyspareunie kommen. Folge können dann sekundäre Infertilität sowie Sterilität sein.

Beim Mann stehen insbesondere die Urethritis und die Dysurie im Vordergrund. Allerdings sind 15 bis 30% der akuten Infektionen asymptomatisch. Unbehandelt kann es in der Folge zu Epididymitis, Prostatitis und Vesikulitis kommen. In den meisten Fällen verläuft die rektale Gonorrhö, die nicht unbedingt Folge von Analverkehr sein muss, asymptomatisch. Ohne antibiotische Behandlung kann es zu einer disseminierten Gonokokken-Infektion kommen, die sich durch eine Polyarthritis, Fieber und typische Hauteffloreszenzen bemerkbar macht. Eine Sonderform dieser generalisierten Infektion stellt der oligo- oder monosymptomatische Befall von Gelenken dar.

Meist ist hierbei das Kniegelenk betroffen (Monarthritis gonorrhoica). Weitere Komplikationen sind die Perihepatitis, Iridozyklits, Pankarditis, Meningitis sowie Osteomyelitis.

Nachweisen lassen sich Gonokokken einfach in Abstrichen der Urethra oder der Endozervix. Bei orogenitaler bzw. analer Sexualanamnese lassen sich diese Bakterien auch im Rachen-bzw. Analabstrich direkt mikroskopisch nachweisen oder kulturell anzüchten. Als neuere Erregernachweismethode gilt der PCR Test. Der serologische Nachweis von Antikörpern ist bei der Diagnosestellung hingegen ohne Belang

Penicillin, das früher in der Therapie verwendet wurde, ist wegen der Fähigkeit mancher Stämme zur Bildung von Penicillinase nicht mehr zur Behandlung geeignet. Ebenso wird eine Plasmid-vermittelte Tetrazyklin-Resistenz weltweit beobachtet. Seit einigen Jahren werden in Südostasien, insbesondere Thailand, zunehmend multiresistente Stämme isoliert, bei denen Ofloxacin, Ciprofloxacin und Spectinomycin unwirksam sind. Derzeit werden zur Therapie Spectinomycin, Cephalosporine der 3. Generation und Chinolone der 2. Generation empfohlen. Gerade bei einer entsprechenden Reiseanamnese muss jedoch auch mit Therapieversagern gerechnet werden. Deshalb sollte 4 bis 7 Tage nach Therapieende unbedingt eine Kontrollkultur veranlasst werden, um so Therapieversager zu identifizieren.

Nicht vergessen werden sollte die Mitbehandlung des oder der Partner, um "Ping-Pong"-Infektionen zu verhindern. Da die Gonorrhö als Surrogat-Marker für eine koinzidentielle HIV-Infektion gilt, sollte stets auch diese serologisch ausgeschlossen werden.


(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).

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