12.10.2010 - 20 Jahre Klinik Bavaria in Kreischa

Das Jahr des Umbruchs: 1990 im Rückblick

Die erste Sächsische Kaltwasserheilanstalt Kreischa wurde bereits im Jahr 1837 gegründet und kann im Lauf der Jahrzehnte auf eine wechselvolle Geschichte und Namen wie einstmals als "Klinik der Sonnensucher" zurückblicken. Noch bis in die 1960er Jahre war hier ein Sanatorium untergebracht (Altbau an der Kreischaer Str.). Im März 1969 wurde das Sportmedizinische Rehabilitationszentrum Kreischa in das Zentralinstitut des Sportmedizinischen Dienstes der DDR umgewandelt. Bereits 1976 wurde basierend auf Erkenntnissen, die aus der sportlichen Rehabilitation stammen, ein innovatives Konzept zur gesundheitlichen Vorbeugung veröffentlicht, welches die schlichte Bezeichnung "Gesundheitstraining" trug und unter anderem die Ablösung der Bezeichnung "Jogging" für ältere Menschen durch ein sanfteres Gehtraining beschrieb.

Klinik Bavaria Kreischa Haus 4

Das Jahr 1990 bedeutete auch für das Institut in Kreischa den Umbruch. Vorausgegangen war die Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989, die den endgültigen Zerfall des politischen Systems der DDR bewirkte. Die Zukunft der sportmedizinischen Einrichtung mit 230 Mitarbeitern war zu diesem Zeitpunkt völlig ungewiss: bereits frühzeitig zeichnet sich ab, dass eine Übernahme des Instituts weder durch das Bundesinnenministerium noch durch die sächsische Landesregierung in Frage kam.

Günter Schmidt, am 30.Mai 1990 zum Bürgermeister von Kreischa gewählt, erinnert sich, dass sich ursprünglich 18 Kaufinteressenten um das Institut beworben hatten. In diesen Wochen und Monaten des Um- und Aufbruchs war auch Rudolf Presl in Sachsen unterwegs, um sich über sächsische Klinikstandorte zu informieren. Inspiriert von der Idee, "Aufbauarbeit zu leisten", und einen Betrieb mit erfahrenen Mitarbeitern in einer gut funktionierenden Gemeindestruktur zu finden, stieß er eher zufällig auf Kreischa. So gab es bereits Gespräche von Rudolf Presl über einen Fortbestand der Einrichtung, unter anderem mit Dr. Rolf Donath, der seit 1980 die Leitung des Instituts inne hatte, und mit der Gemeindeverwaltung und dem Bürgermeister. Absprachen und Kooperationsvereinbarungen gründeten damals auf gegenseitigem Vertrauen und erfolgten quasi per Handschlag aufgrund der zu diesem Zeitpunkt unabsehbaren Rechtslage.

Der  Weg zur Deutschen Wiedervereinigung waren die Volkskammerwahl im März 1990 sowie der Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion. Am 23. August 1990 stimmte die DDR-Volkskammer dem Deutschen Einigungsvertrag zu, am 31. August 1990 folgten Bundestag und Bundesrat.

Das unmittelbar benachbarte und schon zu DDR-Zeiten bekannte Dopingkontrolllabor in Kreischa –– wurde im Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands aufgeführt: Artikel 39 Sport (2) - Der Spitzensport und seine Entwicklung in dem in Artikel 3 genannten Gebiet wird, soweit er sich bewährt hat, weiter gefördert... In diesem Rahmen werden ... das vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) anerkannte Dopingkontrollabor in Kreischa (bei Dresden) ... im vereinten Deutschland in erforderlichem Umfang fortgeführt oder bestehenden Einrichtungen angegliedert.

Das heutige renommierte Institut für Dopinganalytik und Sportbiochemie Dresden in Kreischa ist völlig eigenständig, u.a. bei der Welt Anti-Doping Agentur (WADA) akkreditiert, und gehört nicht zur Unternehmensgruppe Klinik Bavaria.

Der Speisesaal Klinik Bavaria IV

Am 28. und 29. September 1990 fand im Zentralinstitut des Sportmedizinischen Dienstes Kreischa die erste und zugleich letzte gesamtdeutsche wissenschaftliche Konferenz statt.

Klinik Bavaria Kreischa - Haus IV

Der Sportmedizinische Dienst der DDR wurde schließlich aufgelöst, am 1.Oktober 1990 trat die Gemeinde Kreischa für wenige Tage nur die Rechtsnachfolge des DDR-Ministeriums für Jugend und Sport an. Der  3. Oktober 1990 schließlich vollzog die Deutsche Einheit, die seither an jedem als Nationalfeiertag begangen wird und den als Folge des Zweiten Weltkrieges in der Ära des Kalten Krieges vier Jahrzehnte währenden Zustand der Deutschen Teilung beendete. Schon am 4. Oktober 1990 ging auf Beschluss der Gemeindevertretung das Zentralinstitut in die Klinik Bavaria, Rudolf Presl GmbH über. An diesem Tag hielt Presl eine Rede in der heutigen Klinik IV über die Zukunft der Einrichtung. Die Klinik Bavaria ist damit eine der ältesten Unternehmensgründungen in den neuen Bundesländern. Von Anfang an favorisiert Presl den Ausbau in eine moderne Rehabilitationsklinik, und zwar nicht nur für Rehabilitanden aus der Orthopädie und Traumatologie, sondern auch z.B. aus der Neurologie oder Inneren Medizin.

Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Klinik_Bavaria
http://www.klinik-bavaria.de/img/jpg/pressebilder/sz_filmteam.jpg

Weiterführende Literatur:
Hans Joachim Kessler; Gemeinde Kreischa (Hrsg.): Kreischa – Rehabilitation zwischen Vergangenheit und Gegenwart. 2007.

Über den Autor:
Andreas Frädrich war 1998 bzw. ist seit 2007 Pressesprecher der Klinik Bavaria in Kreischa