12.06.2009 - Jakobskreuzkraut: gefährliche Giftpflanze auf dem Vormarsch

Jakobskreuzkraut: Pferde besonders gefährdet

Hierzulande ist eine verwandte Art auf dem Vormarsch, die dieselben toxischen Stoffe enthält: das bis zu 1,40 Meter hohe Jakobskreuzkraut. Grund sei unter anderem die Zunahme von Brachflächen, die überdies nicht mit Herbiziden behandelt würden. "Jakobskreuzkraut ist sehr genügsam", erklärt Wiedenfeld. "Mancherorts wachsen hierzulande bereits riesige Monokulturen." Inzwischen häufen sich in ganz Deutschland Todesfälle bei Pferden, die für das Toxin der Pflanze besonders empfindlich sind. "In vielen dieser Fälle steht inzwischen eindeutig Jakobskreuzkraut als Verursacher fest", sagt der Pharmazeut.

In Baden-Württemberg gibt es inzwischen einen ersten Todesfall beim Menschen. Dort hat eine Frau während der Schwangerschaft große Mengen eines Gesundheitstees getrunken, der eine Pflanze mit Pyrrolizidinalkaloiden enthielt. Dadurch wurde die Leber des Fötus so sehr geschädigt, dass das Kind kurz nach der Geburt verstarb. Momentan wird am Pharmazeutischen Institut untersucht, ob diese toxischen Stoffe in die Nahrungsmittelkette gelangen können. Es mehren sich die Hinweise, dass das Toxin möglicherweise in die Milch von Kühen übergehen kann, die Jakobskreuzkraut gefressen haben. Durch Bienen kann es zudem in Honig gelangen; dort wurde es bereits nachgewiesen.

Ein Grund zur Panik bestehe nicht, betont Wiedenfeld. "Wir müssen die Pflanze aber mit aller Macht bekämpfen", sagt er. "Es gibt wirksame Herbizide, die auch schnell wieder abgebaut werden und somit die Umwelt nur gering belasten. Sie werden aber viel zu selten angewandt." Problematisch stellt sich die Situation bei Stilllegungsflächen, in Naturschutzgebieten und - aufgrund des Herbizid-Tabus - im besonderen Maße in der Bio-Landwirtschaft dar. "Wir arbeiten mit der Landwirtschaftskammer NRW an der Frage, wie hoch die toxische Belastung ist und wie man den Vormarsch dieser Pflanzen stoppen kann", sagt Wiedenfeld. "Das betrifft neben dem Jakobskraut auch seine nahen Verwandten, vor allem das rauken- und das schmalblättrige Kreuzkraut." Auch über eine Aussetzung des Herbizid-Tabus sollte man nachdenken, meint der Bonner Pharmazeut. "Es könnte sein, dass einer weiteren Vermehrung des Jakobskreuzkrauts anders nicht beizukommen ist."

Kontakt:
Dr. Helmut Wiedenfeld
Pharmazeutisches Institut der Universität Bonn