Yersinien sind nach den Salmonellen- und Campylobacter-Spezies einer der häufigsten Erreger von bakteriellen Enteritiden in der westlichen Welt. Yersinia (Y.) enterocolitica, ist ein gramnegatives Stäbchenbakterium. Das Bakterium kommt vorwiegend in Regionen der gemäßigten Klimazone vor. Dies erklärt sich durch das Wachstumsoptimum dieses Bakteriums bei niedrigeren Temperaturen. Während in Europa vorwiegend sporadische Krankheitsfälle mit den Y. enterocolitica-Serotypen O:3, O:9 und O:5,27 beobachtet werden, kommt es in Nordamerika auch zu epidemischen Infektionen mit den Serotypen O:8, O:13, O:20 und O:21. Das natürliche Reservoir von Yersinien sind Schweine, Nager, Hühner und Kaninchen.
23.03.2010 - Yersiniosen - Übertragung durch kontaminierte Lebensmittel
Yersinien: Nach den Salmonellen- und Campylobacter-Spezies einer der häufigsten Erreger von bakteriellen Enteritiden in der westlichen Welt
Die Übertragung von Yersinien erfolgt am häufigsten durch Genuss von kontaminiertem Fleisch, Milch und Wasser. Ein weiterer, allerdings seltener Übertragungsweg der Yersinien ist die parenterale Transmission durch Erythrozyten-Konzentrate.
Die Inkubationszeit beträgt etwa 5 bis 7 Tage. Die Erkrankung beginnt mit Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber und abdominellen Schmerzen, die sich oftmals in den rechten Unterbauch lokalisieren lassen. Das klinische Spektrum der Yersinien-Infektion reicht von einer nach 5 bis 7 Tage selbstlimitierenden Enteritis oder Enterokolitis über para- bzw. postinfektiöse Komplikationen bis hin zu einer systemischen Infektion wie Endokarditis bzw. letal verlaufender Sepsis. Der individuelle Krankheitsverlauf hängt wahrscheinlich hauptsächlich von der Expression bestimmter chromosomal als auch plasmidkodierter Virulenzfaktoren des Keimes ab. Weitere, den Krankheitsverlauf beeinflussende Faktoren, sind neben dem Alter auch der Immunstatus des Patienten.
Die Immunbiologie der Yersinien-Infektion konnte in den letzten Jahren gut erforscht werden. So zeigte sich, dass Yersinien eine komplexe Strategie zur Evasion der unspezifischen Infektabwehr wie Komplement und Phagozytose entwickelt haben, um im Wirtsgewebe extrazellulär zu überleben. Hierbei spielen die Virulenzfaktoren der Yersinien eine wichtige Rolle, die auf die unspezifische Infektabwehr hemmend wirken. Bei der intestinalen Infektion kommt es zur Invasion über die M-Zellen des Follikel-assoziierten Epithels der Peyer´schen Plaques.
Nach der Invasion in die Peyer´schen Plaques vermehren sich die Yersinien extrazellulär, induzieren Abszesse und granulom-ähnliche Läsionen. Die Bakterien können dann auf lymphogenem und hämatogenem Weg in die Milz, Leber und Lunge streuen.
Aufgrund der klinischen Symptomatik lässt sich eine Yersinien-Enteritis in den meisten Fällen nicht von einer Salmonellen-, Shigellen- oder Campylobacter-Infektion abgrenzen. Wie epidemiologische Untersuchungen ergaben, erkranken Kleinkinder häufiger an einer Enterokolitis, während Jugendliche eher eine mesenteriale Lymphadenitis entwickeln. Beim Erwachsenen kommt es typischerweise zu einer Ileitis oder Enterokolitis sowie zu einer wässrigen Diarrhoe.
Zu septischen Verläufen kommt es in erster Linie bei prädisponierten Patienten, wie z. B. Immunsupprimierten, oder Patienten mit Eisenüberladung oder Desferraltherapie. Chronische Infektionen mit Persistenz des Erregers können in seltenen Fällen vorkommen. Von klinischer Bedeutung sind insbesondere die para- und postinfektiösen Komplikationen, wie die sterile reaktive Arthritis oder das Erythema nodosum.
Diese Komplikationen treten insbesondere bei HLA B27-positiven Patienten auf. Wahrscheinlich sind sie Ausdruck einer chronisch-persistierenden Yersinien-Infektion. Bei unkompliziertem Verlauf ist die orale Rehydratation und Elektrolytsubstitution ausreichend. Septische Verlaufsformen bedürfen der antibiotischen Therapie mit Fluorochinolen (Ciprofloxacin) oder Cotrimoxazol. Reaktive Arthritiden bedürfen der Therapie
mit nichtsteroidalen Antirheumatika.
Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) §7 besteht beim Nachweis einer akuten Infektion durch das Labor eine namentliche Meldepflicht. Darüber hat der behandelnde Arzt nach IfSG §6 die namentliche Meldepflicht zu beachten, wenn der Verdacht auf eine akute infektiöse Gastroenteritis besteht, wenn zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen auftreten, bei den ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird.
(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).
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