Glaubt man dem Alex & Gross Markt Monitor, dann wird die Anschaffung von Klinik – IT zu 45% durch den Besuch von Fachmessen beeinflusst. Insofern ist dies eine gute Voraussetzung für die am 26.April beginnende Fachmesse "ITeG" (IT- Messe und Dialog im Gesundheitswesen). Zum zweiten Mal präsentieren Klinik - IT- Unternehmen ihre Produkte auf dem Frankfurter Messegelände, ergänzt durch Vorträge und Fachforen. Ob sich die Messe zu einem zentralen Branchentreff entwickelt, bleibt abzuwarten.
Wünschenswert wäre es. Der Klinik - IT könnte eine Schlüsselfunktion im Reformprozess des deutschen Gesundheitswesens zukommen, trägt sie doch zur Optimierung von Workflow - Prozessen und zur Kostensenkung bei. Nach Einschätzung der Financial Times Deutschland wird in Deutschland aber noch zuwenig in Klinik - IT investiert. Demnach werden in Großbritannien in den kommenden 10 Jahren ca. 44 Mrd. Euro aufgewendet, während man in der Bundesrepublik gerade einmal weniger als eine Mrd. Euro jährlich investiert.
26.04.2005 - Klinik-IT: Schlüsselfunktion oder Problemfall?
Heute beginnt die "Messe und Dialog im Gesundheitswesen" in Frankfurt
Am häufigsten wird Geld für IT- Lösungen ausgegeben, die zur Verbesserung interner Arbeitsprozesse beitragen oder Institutsübergreifende Kooperationen ermöglichen. Vernachlässigt wird dagegen die elektronische Beschaffung (E-Procurement), obwohl gerade in diesem Bereich ein enormes Einsparpotential gesehen wird – Schätzungen sprechen von 1 bis 4 Mrd. Euro jährlich.
Problematisch ist vor allem die Vielzahl von Klinik-Computersystemen. Nach Angaben des Branchenverbandes VHitG gibt es in Deutschland mehr als 30 Hersteller von Klinik - IT. Zudem wird unterschiedliche Software häufig unter gleichlautenden Bezeichnungen angeboten.
Der Informations- und Datenaustausch zwischen Praxen und Kliniken verläuft deshalb immer noch relativ unstrukturiert, was den Arbeitsaufwand und die Kosten in die Höhe treibt. Zwar schließen sich inzwischen Softwarehersteller zusammen, um einheitliche Systeme anzubieten, doch eine allseits kompatible Software gibt es bisher nicht.
Zum Testfall könnte daher die Elektronischen Patientenakte werden, die in Zukunft die Papierakte ablösen und die Voraussetzungen für eine EDV-basierte Medizin schaffen soll. Die Bündelung von verschiedenen Funktionen - Medizinische Dokumentation (Krankengeschichte und aktuelle Untersuchungsergebnisse), Abwicklung von administrativen Vorgängen und sektorübergreifende Kommunikationsprozesse (elektronischer Arztbrief und Rezept) - setzt einen komplikationslosen Datenaustausch voraus.
Auch für Patienten soll der Zugang zu relevanten Daten ermöglicht werden. Bisher fehlen aber lückenlose Sicherheitsstandards, um unberechtigte Zugriffe und Datenmissbrauch auszuschließen. Im Dezember 2004 stellte der Chaos Computer Club ein Gutachten vor, demzufolge die Sicherheitsschlüssel für die digitale Gesundheitskarte und Patientenakte problemlos geknackt werden konnten. (Holger Schmidt)
© Medizinische Enzyklopädie 2010