Jede vierte Frau hat im Jahr 2003 durch Kaiserschnitt entbunden, so das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Seit 1993 hat sich der Anteil dieser Geburtsmethode kontinuierlich erhöht. Ein Wunschkaiserschnitt ist heute keine Seltenheit mehr. Diese Tatsache wird von werdenden Eltern, Medizinern und Hebammen gleichermaßen diskutiert.
Verena Schmidt beschreibt in dem Fachbuch "Der Geburtsschmerz", warum eine natürliche Geburt für Mutter und Kind so wichtig ist, welche Alternativen es zur medikamentösen Schmerzbekämpfung gibt und wie das Thema in die Geburtsvorbereitung eingebunden werden kann.
Der Umgang mit Schmerzen ist von Kultur zu Kultur verschieden. Industriegesellschaften wie Deutschland geben beispielsweise einen konzentrierten und zielgerichteten Lebensrhythmus vor. "Alle Lebensprozesse sollen linear verlaufen und haben ein einziges Ziel: ständiges Wohlbefinden", erklärt Verena Schmid. Schmerzen haftet nicht Positives an, zumal sie durch den heutigen Stand der Medizin schon vor ihrem Auftreten bekämpft werden können.
Der Geburtsschmerz bildet da keine Ausnahme. Viele Frauen entscheiden sich heute bewusst für einen Kaiserschnitt oder eine Periduralanästhesie (PDA), im Glauben schmerzfrei zu gebären. "Diese Hoffnung ist eine Folge mangelnder Aufklärung", so Schmid. Die PDA, die eine Betäubung der unteren Körperregionen hervorruft, kann beispielsweise erst nach dem Beginn der aktiven Geburtsphase angewandt werden. Bis dahin muss sich die werdende Mutter sehr wohl mit den Schmerzen auseinandersetzen.
"Sie ist darauf nicht vorbereitet, wehrt sich gegen den Schmerz und leidet dadurch um so mehr", beschreibt die Autorin das Dilemma. Aus der Praxis weiß die Leiterin der Fortbildungsschule für Hebammen in Florenz, dass Frauen, die den Schmerz annehmen, weniger leiden.
Die Auseinandersetzung mit dem Schmerz in Vorbereitung auf die Geburt ist demnach die erste Maßnahme diese zu lindern. "Wenn eine Frau den Geburtsschmerz annimmt, ändert sich ihre Wahrnehmung und die Schmerztoleranz erhöht sich", so Schmid.
Zudem sollten die werdenden Mütter wissen, dass eine Betäubung nicht nur die Schmerzen hemmt, sondern auch die hormonellen Abläufe im Körper. Nach der Geburt fehlen genau die Hormone, die die Mutter-Kind-Beziehung fördern, die Erholung und Rückbildung erleichtern sowie den Stoffwechsel des Kindes auf ein Leben außerhalb Mutterleibes einstellen. Über diese positiven Aspekte der natürlichen Geburt sind die Mütter jedoch nur unzureichend informiert.
Es gibt eine Reihe von Methoden, die den Schmerz auf sein physiologisch notwendiges Minimum reduzieren, ohne dass die Hormonproduktion gestört wird. Die Frauen sind dabei noch in der Lage auf die Schmerzen zu reagieren und aktiv die Geburt ihres Kindes zu unterstützen. So helfen beispielweise Massagen, Akupunktur oder Hypnose, die Geburt ohne Betäubung zu ertragen. Diese natürlichen Methoden lassen Raum für ein Gefühl der Überwältigung und der Stärke. Der Geburtschmerz tritt in den Hintergrund... [mehr]