17.11.2009 - Aktinomykose durch Intrauterinpessare

Keime gehören zur normalen Schleimhautoberflächen-Mikroflora

Zu den Aktinomykosen werden eine Reihe verschiedenster klinischer Krankheitsbilder gerechnet, die durch Aktinomyzeten verursacht werden. Klinisch imponieren Aktinomykosen als subakute bis chronisch, granulomatös-eitrige Entzündungen. Diese bakteriellen Infektionen kommen weltweit und ganzjährig vor.

Aufgrund biochemischer Eigenschaften lassen sich bei den Aktinomyzeten zwei Gruppen unterscheiden. Hierbei können Aktinomyzeten mit fermentativem von denen mit oxidativem Kohlenhydratstoffwechsel unterschieden werden. Wichtige Vertreter der Aktinomyzeten sind verschiedene Actinomyces-, Propionibacterium-, Arcanobacterium- sowie Bifidobacterium- Spezies. Aktinomyzeten gehören zur normalen Schleimhautoberflächenmikroflora des Menschen.

Am häufigsten werden Aktinomykosen in Deutschland in der zervikofazialen Region diagnostiziert. Verursacht werden die zervikofazialen Aktinomykosen durch Zahnextraktionen, kariöse Läsionen, Kieferfrakturen, peridontale Abszesse, in die Mundschleimhaut eingedrungene Fremdkörper oder eitrige Tonsillen. So kann beispielsweise eine Verletzung der Mundschleimhaut durch eine Fischgräte eine faziale Aktinomykose verursachen. Die zervikofazialen Aktinomykosen können akut oder chronisch verlaufen. Typisch sind Abszesse und Vernarbungen. Bei verspäteter Behandlung kann es zur Ausbreitung der Infektion und in der Folge zur Fistelbildung kommen.

Weitere Manifestationsorte von Aktinomykosen sind der Thorax. Aktinomykosen der Lunge und des Brustraums sind meist die Folge von Aspirationen von Keimen aus der Mundhöhle in die Lunge. Des weiteren kann eine thorakale Aktinomykose in Folge einer hämatogenen Ausbreitung entstehen. Klinisch äußert sich eine thorakale Aktinomykose durch einen Mediastinaltumor, bronchopulmonale oder tumorähnliche Infiltrate, eine nekrotisierende Lungenentzündung oder Lungenabszesse. Infektionen des kleinen Beckens durch Aktinomyzeten gelten hingegen als selten. Zu Infektionen des kleinen Beckens kommt es meist nach Perforation der Darmwand, zum Beispiel bei chronisch-entzündlichen Veränderungen, sowie nach chirurgischen Behandlungen.

Als neuer Risikofaktor für Aktinomykosen gelten intrauterinen Pessare. Die Infektion erfolgt dabei über den im Zervikalkanal liegenden Faden, der nicht selten mit einer aktinomykotischen Mischflora kolonisiert ist. Typischerweise bestehen bei den Frauen unspezifische Symptome wie vermehrter Fluor oder Menstruationsbeschwerden. Ausgehend von der Kolonisation kann es zur invasiven Infektion des parametranen Bindegewebes, der Uterusmuskulatur, der Adenexe, der Harnblasenwand sowie des Rektums kommen.

Als häufige, nicht-invasive Manifestation einer Aktinomykose gilt die Canaliculitis lacrimalis. Dabei finden sich typischerweise gelbliche bis bräunliche Konkremente innerhalb des Tränenkanals. Meist lässt sich hierbei bei Abstrichen Propionibacterium propionicum oder Actinomyces israelii anzüchten. Auch ein Befall des zentralen Nervensystems, der Haut sowie des Knochens sind bekannt. Allerdings sind diese klinischen Manifestationsformen sehr selten.

Der Erregernachweis erfolgt durch Anzüchtung oder mittels PCR. Auch mikroskopisch lassen sich die Keime einfach nachweisen. Als Untersuchungsmaterial eignet sich hierfür Eiter. Im gynäkologischen Fachgebiet wird diskutiert, ob bei asymptomatischen Frauen beim zufälligen Nachweis von Aktinomyzeten beim Pap-Abstrich ein Intrauterinpessar vorsorglich entfernt werden sollte. Als Mittel der Wahl zur Therapie einer Aktinomykose gelten Aminopenicilline in Kombination mit einem Betalaktamaseinhibitor, wie zum Beispiel Amoxicillin plus Clavulansäure oder Sulbactam, oder Piperacillin plus Tazobactam. Eine Meldepflicht besteht nach dem Infektionsschutzgesetz bei Aktinomymkosen nicht


(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).

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