In Deutschland leiden bereits 15% der Vorschulkinder an Neurodermitis. Der Krankheitshöhepunkt liegt fast immer im Kindesalter. Die Tendenz, an Neurodermitis zu erkranken, ist weiter steigend. Die Ursachen für die Krankheit sind vielfältig. Aus diesem Grund erweist sich die Therapie oft als schwierig. Eine ganzheitliche, individuelle Behandlung hilft häufig, die Krankheit zu lindern.
Die meisten Fachleute sind sich einig, dass zur Neurodermitis viele verschiedene Faktoren als Ursachen und Auslöser beitragen. Beispielsweise spielen Allergene in Nahrung oder Umwelt, psychische Einflüsse oder Veranlagung eine Rolle. "Wenn Eltern mit ihrem Kind wegen einem juckenden Hautekzem zum Arzt gehen, verläuft die Behandlung oft eindimensional: Der Arzt verschreibt Medikamente und rät eventuell zur Ernährungsumstellung, allerdings oft ohne nähere Hinweise", erklärt Mechthild Hellermann, Autorin des Ratgebers "Neurodermitis bei Kindern".
"Neurodermitis ist aber eine individuelle Erkrankung, ausgelöst und aufrecht erhalten von vielen Faktoren", informiert sie. Wenn Auslöser und Verstärker der Krankheit erkannt seien, könne man diese vermeiden und die Krankheit lindern. Hellermanns Tochter litt selbst unter Neurodermitis. Aus diesem Grund gründete sie eine Selbsthilfegruppe, aus der sich das „Schwelmer Modell“ entwickelte. Da für die Neurodermitis unterschiedliche Faktoren verantwortlich sind, behandelt das Schwelmer Modell die Hautkrankheit unter Einbeziehung von Ernährungswissenschaften, Psychologie und Pädagogik.
Mittlerweile sind über 4.000 Kinder erfolgreich nach diesem Konzept ambulant betreut worden. Hellermann ist heute Geschäftsführerin des Therapiezentrums "Schwelmer Modell". "Wichtig ist uns, dass jeder seinen eigenen Zugang zur Krankheit findet, deren Besonderheiten kennenlernt und für sich, für sein Krank- und sein Gesundsein die Verantwortung übernimmt", erklärt sie.
"Neurodermitis ist die häufigste allergische Erkrankung bei Kleinkindern", informiert Hellermann. Finden sich bei einem Allergietest Unverträglichkeiten, müssen die Allergene so weit wie möglich gemieden werden. Die sicherste Behandlung ist das konsequente Vermeiden des allergieauslösenden Stoffes. Eine wichtige Rolle spielt die Ernährung: Eltern sollten genau beobachten, was ihr Kind verträgt, und allergieauslösende Nahrungsmittel vermeiden.
Um Allergien vorzubeugen, sollten betroffene Familien außerdem Hausstaubmilben bekämpfen, den Kontakt mit Tierhaaren meiden, Schimmelpilze beseitigen und in der Wohnung nicht rauchen. Hellermann rät den betroffenen Familien außerdem dazu, sich zu entspannen: "Familien sollten eine Entspannungsmethode für sich auswählen oder zum Beispiel einen Urlaub planen, da die Krankheit in den akuten Phasen von allen Beteiligten viel fordert."
In ihrem Ratgeber gibt Hellermann praktische Tipps: Welcher Teppichboden ist der richtige? Was ist die ideale Kleidung? Mit Hilfe eines 4-Stufen-Modells werden Eltern angeleitet, wie sie die für ihr Kind unverträglichen Nahrungsmittel erkennen. Zusätzlich informiert die Autorin über praktische Verhaltensregeln zum Umgang mit dem erkrankten Kind in der Familie, im Kindergarten und in der Schule... [mehr]