18.11.2009 - Askariden: Häufigste Wurminfektion des Darmes

Askariasis: Auch reisemedizinisch bedeutsam

Weltweit stellt die Askariasis die häufigste intestinale Wurminfektion des Menschen dar. Schätzungen besagen, dass ein Viertel der Weltbevölkerung, insbesondere in Gegenden mit schlechter Hygiene, von diesem Spulwurm befallen ist. Sie tritt am häufigsten in Ländern mit unterentwickelten sanitären Einrichtungen auf. Schätzungen gehen von einer Letalitätsrate von etwa 6pro100.000 Wurmträgern aus. Dies bedeutet, dass jährlich etwa 60.000 bis 80.000 Menschen an den Folgen dieses Wurmbefalls versterben. Alle Altergruppen können betroffen sein.

In Deutschland wird die Infektion am häufigsten bei älteren Kleinkindern und Schulkindern beobachtet. Der Erreger, Ascaris lumbricoides, gehört zu den Spulwürmern. Die cremefarbenen, spaghetti-artigen Erreger erreichen eine Länge von 10 bis 30 cm (Männchen) bzw. 0,5-50 cm (Weibchen). Bei ausgeprägtem Befall finden sich bis zu 200 adulte Würmer im Darm, wobei dann die Gefahr eines Ileus besteht. Die Schwere der Krankheitssymptome ist in den meisten Fällen von der Zahl der heranwachsenden Würmer abhängig.

Spulwurm und Askariasis: Der Erreger, Ascaris lumbricoides, gehört zu den Spulwürmern (Illustration: mediXtra)

Die Ansteckung des Menschen erfolgt durch die orale Aufnahme von embryonierten Eiern über kontaminierte Lebensmittel. Infektionsquellen stellen dabei zum Beispiel schlecht gereinigter Salat oder Erdbeeren dar. "Wilde" Camping-Plätze bergen wegen der hohen Resistenz der Eier gegen Umwelteinflüsse eine besondere Gefahr. Nach der Häutung im Dünndarm dringt die Larve durch die Darmmukosa und gelangt hämatogen über die Leber und die rechte Herzkammer in die Lunge. Nach etwa 2 Wochen penetriert sie die Alveolarwand, wandert die Trachea nach kranial und gelangt durch Verschlucken wieder in den Ösophagus. Erneut im Dünndarm angelangt, reift sie zu dem adulten Wurm heran.

Die Weibchen legen bis zu 200.000 Eier pro Tag, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Nach der Ausscheidung der Wurmeier mit dem Stuhl, benötigen diese etwa 3 Wochen bis sie embryoniert sind. Unter günstigen Bedingungen können die Eier dann über Jahre infektiös bleiben. Etwa eine Woche nach der Infektion finden sich die ersten Larven in der Lunge und können pulmonale Krankheitssymptome, das so genannte Löffler-Syndrom, verursachen.

Typischerweise finden sich dabei Husten, Dyspnoe, blutiger Auswurf und Fieber. Röngtenologisch lässt sich das Lungeninfiltrat als unscharf begrenzte Eintrübung erkennen. Bei Patienten mit einer allergischen Diathese können asthmatische Beschwerden ausgelöst werden. Die pulmonalen Symptome klingen nach etwa 2 Wochen ab. In der Folge kommt es, abhängig vom Ausmaß des Befalls zu gastrointestinalen Beschwerden mit Erbrechen, Übelkeit und oftmals kolikartigen Schmerzen.

Manchmal kommen die Würmer von ihrer üblichen Wegstrecke ab und gelangen retrograd durch Magen und Speiseröhre in den Mund oder Nase. Ferner kann es zum Befall der Gallenwege (Cholangitis) sowie der Leber (Leberabszess, granulomatöse Hepatitis) kommen. Bei Schwangeren ist eine diaplazentare Übertragung mit Auswirkung auf das fetale Wachstum möglich.

Die Diagnose lässt sich einfach durch den mikroskopischen Nachweis von Eiern adulter Würmer in einer Stuhlprobe sichern. Die Wertigkeit von serologischen Verfahren zum Nachweis von Antikörpern muss als fraglich angesehen werden. Verdächtig ist auch eine Blut-Eosinophilie. Adulte Würmer werden manchmal erbrochen oder mit dem Stuhl ausgeschieden, was für den Patienten sehr "beeindruckend" ist. Nicht selten wird dem Hausarzt dann der komplette Spulwurm in einem Behältnis vorgelegt.

Die Ascariden sind Regenwürmern ähnlich und 15 bis 40 cm lang, cremefarben und zeigen typischerweise ein eingerolltes Hinterende. Eine Askariasis bedarf auf jeden Fall einer medikamentösen  Therapie. Als Mittel der Wahl gelten hierfür Mebendazol (über 3 Tage) oder Pyrantelpamoat (einmalig). Alternativ steht Albendazol (Einmaldosis) zur Verfügung.

Zur Vermeidung von Kontaktinfektionen ist auf eine strenge persönliche Hygiene zu achten. Eine Abtötung der Wurmeier gestaltet sich aufgrund ihrer hohen Stabilität als sehr schwierig. Ansteckungsmöglichkeiten, insbesondere in Kindergärten, sind z. B. die Handkontamination an Toilettenbrillen oder Türgriffen. Eine Vielzahl von Infektionen wird in Urlaubsländern akquiriert. Ursache hierfür ist zum einen eine mangelnde sanitäre Hygiene oder die Kopfdüngung mit menschlichen Fäkalien. Daher stellen kontaminierte Nahrungsmittel eine wichtige Infektionsquelle dar.

Weiteres Problem ist die unkontrollierte Defäkation von Kindern in manchen Ländern der Dritten Welt.  Mitgereiste Kinder können sich so beim Spielen mit einheimischen Kindern leicht anstecken und diese Infektion dann mit zeitlicher Verzögerung in den heimischen Kindergarten einschleppen.


(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).

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