Das Exanthema subitum (synonym: Dreitagefieber, Roseola infantum, "Sixth Disease") ist eine weltweit vorkommende Virusinfektion des Säuglings- und Kleinkindesalter. Verursacht wird das Krankheitsbild durch das zu den Herpesviridae gehörende humanen Herpes-Virus- 6B(HHV-6B); eine Rolle von HHV-7 wird diskutiert. Das mit HHV-6B eng verwandte HHV-6A scheint beim Dreitagefierber keine Rolle zu spielen.
Bei der HHV-6B Infektion handelt es sich um eine sehr häufige Erkrankung, so dass man von einer Durchseuchung von über 95% bis zum vollendeten 2. Lebensjahr ausgehen kann. Aufgrund des häufigen Vorkommens bei Kleinkindern wird und wurde die Fieberreaktion oftmals als eine vermeintliche unerwünschte Reaktion auf eine Impfung interpretiert, wenn die Infektion in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung erfolgt war.
29.03.2010 - Exanthema subitum: häufige Infektion im Kleinkindesalter
Dreitagefieber: Keine gesicherte Rolle beim Chronischen Müdigkeitssyndrom
Die Ansteckung erfolgt üblicherweise durch Tröpfcheninfektion. Selten sind hingegen Übertragungen durch Transfusion von Blutprodukten, Organtransplantation, und Muttermilch. Die Inkubationszeit beträgt 1 bis 2 Wochen. Die Erkrankung beginnt mit hohem Fieber, das bis 40°C betragen und über 3 bis 5 Tage andauern kann. Mit der Entfieberung kann das makulöse und teilweise papulöse Exanthem auftreten, das typischerweise den Stamm und Nacken betrifft.
Auch das Gesicht und die Extremitäten können befallen sein. Als Begleitsymptomatik oder Komplikationen können eine Gastroenteritis, Husten, Lidödeme, Nagayama´sche Flecken, Lymphadenopathie und insbesondere Fieberkrämpfe auftreten. In etwa 20% der Fälle verläuft die Infektion offensichtlich asymptomatisch oder unerkannt. Bei älteren Kindern kann die HHV-6-Infektion auch unter einem mononukleose-artigen klinischen Bild verlaufen. Hierbei kann es auch zu einer Begleithepatitis kommen.
Therapeutisch steht die Fiebersenkung durch Antipyretika im Vordergrund. Unter Umständen kann auch eine antikonvulsive Therapie erforderlich sein.
Wie bei den anderen Herpesviren persistiert das Virus nach der Primärinfektion und kann gelegentlich reaktiviert werden. Bei diesen endogenen Reaktivierungen, die bei Immunkompetenten in aller Regel asymptomatisch verlaufen, findet sich das Virus dann im Speichel und kann somit auf empfängliche Kinder übertragen werden und eine Infektion auslösen. Nach einer durchgemachten Primärinfektion resultiert bei immunkompetenten Menschen eine lebenslange Immunität.
Bei bestehenden angeborenen oder erworbenen Immundefekterkrankungen kann die primäre oder reaktivierte HHV-6-Infektion zum Teil schwere Kompikationen, wie eine Pneumonie, Hepatitis, Knochenmarkssuppression (HHV-6A), Enzephalitis oder eine Retinitis auslösen. Hier kann oftmals eine Therapie mit antiviralen Substanzen wie Ganciclovir oder Foscarnet indiziert sein. Eine Assoziation der HHV-6-Infektion mit dem chronischen Müdigkeitssyndrom, die in den letzten Jahren wiederholt postuliert wurde, ließ sich bisher weder eindeutig belegen noch sicher ausschließen. Aufgrund der multifaktoriellen immunologischen Genese des chronischen Müdigkeitssyndroms dürfte der monokausale Ansatz mit HHV-6 wohl nicht zu erklären sein.
Die Diagnostik der HHV-6-Infektion erfolgt einerseits serologisch durch den Nachweis spezifischer Antikörper der IgM- und IgG-Klasse, wobei eine hohe Kreuzreaktivität zu anderen Herpesviren zu beachten ist, sowie andererseits durch den Nachweis genomischer viraler DNA durch PCR. Alternativ dazu ist auch die Virusisolierung einfach durchzuführen.
Aufgrund des ubiquitären Vorkommens von HHV-6 bedürfen erkrankte Kinder keiner Isolierung. Eine Meldepflicht besteht für die HHV-6-Infektion nicht.
(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche, Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).
© Medizinische Enzyklopädie 2010