08.03.2005 - Milzbrand nach Urlaub?

Anthrax: Renaissance einer vergessenen Erkrankung - Milzbrand und Bioterrorismus

Bei einer 30 Jahre alte Belgierin, die vom 12. Dezember 2004 bis 22.Januar 2005 durch Namibia, Botswana und Süd-Afrika gereist war, besteht der Verdacht, an Hautmilzbrand erkrankt zu sein. Dies teilte gestern das Tropenmedizinische Institut in Antwerpen mit. Die Urlauberin hatte verschiedene Wildparks mit zwei verschiedenen Touristen-Gruppen besucht. Am 8. Januar 2005, kurz nach einem Besuch im Chobe National Park in Botswana, bermerkte sie eine fortschreitende schmerzlose Wunde auf der Rückseite ihres 4 linken Fingers, die sich zusehens schwarz färbte und schließlich über die linke Arm bis über den ganzen linken Arm ausbreitete. Es wird berichtet, dass der Arm zum Schluß so dick war wie ihr Bein.

Nach verschiedenen Untersuchungen liegt nun der Verdacht nahe, dass es sich um Milzbrand handeln könnte. Ein entsprechender Test konnte konnte jedoch am Tropenmedizinischen Institut in Antwerpen nicht ausgeführt werden. Die belgischen Gesundheitsbehörden sprachen dennoch eine offizielle Wanung auf Hautmilzbrand aus. Alle Mitreisenden der belgischen Urlauberin (jeweils 15 and 8 Personen) wurden unmittelbar per E-Mail kontaktiert. Es wurde zudem eine generelle Warnung ausgesprochen, in den betroffenen Gebieten keine toten Tiere zu berühren.

Anthrax: Renaissance einer vergessenen Erkrankung - Milzbrand und Bioterrorismus (Infografik: mediXtra)

In die Schlagzeilen geriet Milzbrand (synonym: Anthrax) in den letzten Jahren wiederholt durch bioterroristische Anschläge durch sporen-kontaminierte Briefe in den USA sowie über Anschlagsversuche der Aum-Shinkryo-Sekte in Japan in den 1990er Jahren. Auch wegen seiner Bedeutung als biologische Waffe war und ist Milzbrand seit etwa 70 Jahren von Bedeutung. So unterhielt beispielsweise die Britische Armee im II. Weltkrieg ein umfangreiches Milzbrand-Waffenprogramm.

Auch bestand bis zum Fall der Sowjetunion dort ein großes militärisches Biowaffenprogramm mit Milzbrand. Erwähnenswert ist die Freisetzung von Milzbrand bei einem Unfall in einer Waffenfabrik in Jekatarinenburg im Jahr 1979.

Milzbrand wird durch das grampositive, aerobe Stäbchenbakterium, Bacillus anthracis, verursacht. Der Erreger ist weilweit verbreitet. Da Milzbrandsporen über Jahrzehnte überleben können, finden sie sich auch heute noch im Umfeld von früheren Gerbereien. Übertragen wird Milzbrand durch indirekten oder direkten Kontakt mit Tieren oder Tierprodukten, wie zum Beispiel Fellen und Häuten. Ansteckungen können auch über Hornmehle erfolgen.

Als Eintrittspforte für Sporen sind kleine Verletzungen der Haut anzusehen. Ein weiterer, allerdings heute seltener Übertragungsweg, ist die Aufnahme von Milzbrand-infiziertem Fleisch. Infolge der bioterroristischen Anschläge gilt auch die inhalative Aufnahme von Sporen als weitere Ansteckungsmöglichkeit.

Die Inkubationszeit beträgt bei Haut- und Darmmilzbrand etwa 2 bis 7 Tage. Bei Lungenmilzbrand können zwischen der Inhalation der Sporen bis zum Beginn der pulmonalen Symptomatik oftmals mehrere Monate vergehen. Meist finden sich die Läsionen an den Händen, Armen, Gesicht und Hals. Die Erkrankung beginnt mit einer mückenstich-artigen, juckenden Papel, aus der sich ein schmerzloses Ulkus mit schwarz nekrotischem Grund  und einem dunkelroten Rand entwickelt. Im weiteren Verlauf entsteht das typische Milzbrandkarbunkel. Daneben besteht eine Lymphangitis. In den meisten Fällen kommt es nach 2 bis 8 Wochen zur Spontanheilung.

Lungenmilzbrand äußert sich durch einen plötzlichen Beginn mit Fieber, Schüttelfrost, Husten, blutigem Auswurf, Dyspnoe, Zyanose und Tachykardie. Typisch sind zudem die rasch auftretenden Pleuraergüsse und die Mediastenitis. Trotz sofortiger antibiotischer Therapie ist die Letalität an Lungenmilzbrand sehr hoch. Darmmilzbrand ist eine sehr seltene Manifestationsform, die ebenfalls eine sehr hohe Letalität aufweist.

Die Diagnostik erfolgt durch kulturellen Nachweis des Erreger sowie dem Nachweis von bakterieller DNA mittels Nukleinsäureamplifikationsmethoden (zum Beispiel PCR). Die PCR ist heute insbesondere beim Nachweis von Milzbrandsporen in der Terrorbekämpfung von großer Bedeutung. Milbrandsporen lassen sich zudem auch mikroskopisch nachweisen.

Die Therapie des Hautmilzbrand erfolgt durch Verabreichung von Penicillin. Als Alternativen sind zudem Ciprofloxacin sowie Doxycyclin wirksam. Bei Verdacht auf inhalative Milzbrandexposition wird eine mehrwöchige bis -monatige medikamentöse Prophylaxe mit Ciprofloxacin empfohlen. Zur Prophylaxe steht in den USA eine aktiver Totimpfstoff zur Verfügung, der jedoch in Deutschland nicht zugelassen ist.

Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) § 6 ist der Verdacht, Erkrankung und Tod an Milzbrand namentlich meldepflicht. Zudem besteht nach IfSG §7 bei direktem oder indirekten Erregernachweis die namentliche Meldepflicht (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
 
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