Rückenschmerzen sind schon lange kein Erwachsenenproblem mehr. Laut der "Arbeitsgemeinschaft für haltungs- und bewegungsauffällige Kinder und Jugendliche e.V." hat jedes zweite Kind bereits im Grundschulalter deutliche Haltungsschäden. Anstatt ihrem natürlichen Bewegungsdrang zu folgen, sitzen immer mehr Kinder zu lange vor dem Fernseher oder Computer. Die Muskulatur verkümmert und die Beweglichkeit der Gelenke geht verloren.
"In dem Maße wie die Beweglichkeit der Kinder abnimmt, schwindet auch ihre Reaktions- und Koordinationsfähigkeit, was immer mehr Unfälle und Verletzungen nach sich zieht", berichtet Günter Lehmann, Autor des Ratgebers "Die Rückenschule für Kinder: Aufrecht durchs Leben".
Der Erzieher und selbstständige Physiotherapeut leitet die Arbeitsgemeinschaft Prävention im Zentralverband der Physiotherapeuten/ Krankengymnasten (ZVK) und hat langjährige Erfahrung im Umgang mit Kindern. In Kindergärten, Grundschulen und in seiner Praxis führt er regelmäßig seine Kinderrückenschule durch und weiß wie man den natürlichen Bewegungsdrang der Kinder fördert.
Für Kindergartenkinder bieten sich zum Beispiel phantasievolle Bewegungsspiele an. Verschiedene Bewegungsabläufe werden mit einer Geschichte verknüpft. So strecken sich die Kinder, um auf einer Dschungelreise nach gefährlichen Tieren Ausschau zu halten und trainieren damit automatisch das Aufrichten. Im Grundschulalter kann über Bewegungsspiele hinaus schon theoretisches Wissen vermittelt werden.
Die Kinder lernen den Aufbau der Wirbelsäule sowie die einzelnen Muskeln kennen. Die Figuren Willi Wirbel, Kuno Krumm und Babsi Bandscheibe verdeutlichen die Grundsätze der Rückenschule auf kindgerechte Weise. Reime wie "Bückst du dich nach einer Socke, dann geh kräftig in die Hocke" prägen sich ein und sind im Alltag abrufbar.
Ein regelmäßiges Bewegungstraining, das auf das Alter des Kindes zugeschnitten ist, hilft Haltungsschäden und Rückenproblemen vorzubeugen. Der Ratgeber "Die Rückenschule für Kinder: Aufrecht durchs Leben" enthält verschiedene Übungspläne, die auf das jeweilige Alter der Kinder abgestimmt sind. Auf diese Weise wird eine Über- oder Unterforderung vermieden, die den Bewegungsspaß einschränken könnte. Auch im Alltag der Kinder kann einiges für einen gesunden Rücken getan werden.
"Typische Sitzaktivitäten in Kindergarten oder Schule können dynamischer und rückenfreundlicher gestaltet werden", bemerkt Günter Lehmann. Anstatt im Stuhlkreis können die Kinder zur Abwechslung auch im Schneidersitz auf dem Boden sitzen. Kleine Bewegungspausen im Unterricht entlasten nicht nur den Körper, sondern wirken sich auch positiv auf die Konzentrationsfähigkeit der Kinder aus... [mehr]