25.04.2005 - Erstes Standardwerk zum Geschäftsfeld Patiententourismus

Rezension: Ausländische Patienten für deutsche Krankenhäuser gewinnen

Da ca. 80% der deutschen Kliniken in das Geschäft mit internationalen Patienten investieren wollen, besteht zunehmend Bedarf an fachlicher Unterstützung. Bisher wurde aber nur in kurzen Textbeiträgen über Patiententourismus berichtet.

Im Jahr 2004 ist zum ersten Mal eine umfangreiche, der Komplexität des Themas angemessene Abhandlung erschienen. Das vom Betriebswissenschaftler und Lehrstuhlinhaber Günther E. Braun herausgegebene Buch "Ausländische Patienten für deutsche Krankenhäuser gewinnen"  könnte deshalb, ungeachtet des etwas umständlichen Titels, zu einem Standardwerk werden.

Der Sammelband enthält Beiträge, die Fachautoren zu unterschiedlichen Aspekten dieses Themas verfasst haben: Von der Checkliste zur Auswahl der richtigen Patienten-Vermittlungsagentur über Tipps zur Preiskalkulation, juristischen Formulierung der Patienten-Verträge, Gestaltung des Therapie-Portfolios, Fragebögen zur Patientenzufriedenheit bis hin zu aktuellen Urteilen des EU-Gerichtshofes oder Ausgründung einer Klinikabteilung als Profitcenter. Ob  Akquisition, Therapie oder Abrechnung – für alle Krankenhaus- und Praxismitarbeiter enthält das Buch wissenswerte Informationen.

Um auf diesem schwierigen Geschäftsfeld Erfolg zu haben, sollte eine Projektgruppe aus allen beteiligten Berufsgruppen gebildet werden. Über die Bestimmung von Teilzielen, die Ermittlung von Stärken und Schwächen können Chancen genutzt und Risiken vermieden werden. Dabei wird die Anwendung von Methoden  des Change- bzw. Projekt-Managements empfohlen. In einem speziellen Abschnitt werden die Methoden erläutert.

Positiv ist, dass generell vor übertriebenen Gewinnerwartungen gewarnt wird. Gerade im Wellness - Bereich  seien die Produktzyklen eher wechselhaft. Chancen haben die medizinischen Einrichtungen, die  eine spezifische, der Einrichtung angepasste Strategie entwickeln.

In einem Kapitel über ausländische Selbstzahler werden Faktoren beschrieben, die die Entscheidung, sich in Deutschland behandeln zu lassen, beeinflussen. Daraus wird dann zum Beispiel der Schluss gezogen, dass das Management um jeden einzelnen Patienten individuell werben muss.

Besonders interessant sind die beigefügten Erfahrungsberichte. Fünf deutsche Krankenhäuser berichten über ihre Vorgehensweise, über Erfolge und Probleme, die sich im Umgang mit internationalen Patienten ergeben.

Fehler sind manchmal aufschlussreicher als ein verallgemeinernder akademischer Beitrag. Das Buch ist deshalb vor allem als wertvolle Einstiegshilfe und Wegweiser nützlich.

Verbesserungswürdig wäre der Abschnitt über Marketingmethoden. Die massenhafte Versendung von E-Mails ist eher unzeitgemäß. Bei der Gestaltung von Internetseiten sollten nicht nur Inhalte, sondern auch vermeidbare Fehler angesprochen werden.

Wünschenswert wären darüber hinaus Strategien zur Ermittlung der (Patienten-)Zielgruppen. Da viele Patienten aus dem außereuropäischen Ausland kommen, ist die Kenntnis der jeweiligen Märkte notwendig. Positiv ist in diesem Zusammenhang das  Kapitel über Bedürfnisse von ausländischen Patienten. Die Transkulturelle Kompetenz des Klinikpersonals könnte so gefördert werden (Text: Holger Schmidt)...

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