19.03.2010 - Die gute Kraft des Bösen

Buchveröffentlichung: Versuchung des Bösen - so entkommen wir der Aggressionsspirale

Das aktuelle Buch des Wiener Psychoanalytikers Dr.Dr.Hans-Otto Thomashoff zeigt Erkenntnisse der Aggressionsforschung in einem völlig neuen Licht und räumt in einem multifaktoriellen Erklärungsansatz mit alten Mythen. Demnach entsteht Aggression durch Stress und ist nur zu einem begrenzten Teil angeboren. Stresshormone wirken spätestens ab dem Ende des dritten Schwangerschaftsmonats (!) auf das sich entwickelnde Gehirn ein und steigern das Aggressionspotential (kausal beteiligt an der Aufrechterhaltung von Krisenherden).

Unser Denken unterscheidet primär nicht zwischen real und phantasiert (Stichwort: Gewalt in den Medien). Alles neu Gedachte entsteht nur auf der Basis des bereits vorhandenen. Zentrale Eigenschaft der Denkprozesse ist die Tendenz zur Selbstverstärkung.

Wirkmächtigkeit ist das zentrale Bedürfnis unserer Psyche! Sie ist expansiv und beinhaltet damit Aggression, die bei einer massiven Behinderung der Wirkmächtigkeit destruktiv wird. (Stichwort: Jugendgewalt - fehlende Wirkmächtigkeit, daher sadistische Spiele) Aggression dient ihrer Entfaltung; ihr Ursprung ist damit konstruktiv und nicht destruktiv.

Frühe Beziehungen prägen den Umgang mit der Aggression. Gute Beziehung ist der wirksamste Schutz vor Angst, die über Stress zu gesteigerter Aggression führt. Wir brauchen stabile innere Muster von guten Beziehungen.

Traumen sind Extremstress und führen damit zu verstärkter Aggression. Zugleich beeinträchtigen sie die Einsicht und damit die Fähigkeit, aggressives Verhalten zu steuern. Aus Opfern werden so oft Täter. Traumen werden über Generationen hinweg in ewigen Opfer-Täter-Ketten weitergereicht, wenn es nicht zu einer Unterbrechung dieses Kreislaufs kommt. Die Häufigkeit schwerer Traumen in der Kindheit war und ist erschreckend! In jüngster Zeit kommt die Gewalt in den Medien hinzu. Die endlose Weitergabe von Traumen an die Nachkommen ist das unerschöpfliche Potential für das Abgleiten der menschlichen Aggression in die Destruktivität.

Depression gegen sich gerichtete Aggression. Aggression freizusetzen, kann Depression heilen, auch ohne Medikamente. Dem steht der Druck der Pharmaindustrie entgegen. Es braucht einen grundlegenden Wandel im Gesundheitssystem, bei dem der Pharmaindustrie die Möglichkeit geschaffen wird, vom Tablettenproduzenten und -verkäufer zum ganzheitlichen Anbieter von Gesundheit zu werden.  

Über den Autor:
Hans-Otto Thomashoff wurde in Köln geboren, Studien in Freiburg, Tübingen und Hamburg mit diversen Auslandsaufenthalten (Jamaika, Malaysia, USA, Süd-Afrika, Neuseeland, Österreich). Als selbstständiger Psychiater und Psychoanalytiker (Wiener Psychoanalytische Vereinigung) in Wien tätig, außerdem promovierter Kunsthistoriker. Der Schwerpunkt der Veröffentlichungen und Vorträge liegt in Kunstpsychologie und Psychodynamik künstlerischer Arbeit, in jüngster Zeit auch im Bereich integrativer Erklärungsmodelle zum Verständnis der menschlichen Aggression. Darüber hinaus Übersetzungen psychiatrischer und psychoanalytischer Fachliteratur, Konzepterarbeitung und Gesamtorganisation mehrerer Kunstausstellungen zum Thema Psyche und Kunst. Präsident der Sektion für Kunst und Psychiatrie im Weltverband der Psychiatrie. Ehrenmitglied des Weltverbandes der Psychiatrie. Roman- und Sachbuchautor. 
 
Aus dem Buch (Übersicht):
1. Die Allgegenwart von Aggression
1.1 Alltagsbilder
1.2 Damals und heute
1.3 Alles nur ausgedacht?
1.4 Beziehungsfeinheiten
2. Die Ursachen menschlicher Aggression
2.1. Alles Biologie?
2.1.1. Aus der Natur
Fressen und Gefressenwerden; Mord im Tierreich; Bunte Federn; Lorenzsche Sackgassen
2.1.2 Vom Denken
Und Action; Das große Netz; Wie ich erkenne, was ich sehe; Das Denken beginnt; Aus Eis wird „Eis“; Das
Gedächtnis der Schnecken; Nicht alles ist, was ist; Teufelskreise; Auf der Fährte des Unbegreiflichen;
Exkurs zu den letzten Dingen; Warum wir denken, wie wir denken; Keine Wirkung ohne Wechselwirkung
2.2. Alles Umwelt?
2.2.1. Die Anfänge des Erlebens
Erstes Denken; Erster Stress; Geburtserleben; Frühste Wurzeln von Aggression
2.2.2. Aggression aus der Sicht der Entwicklungspsychologie
Erste Eindrücke; Erste Wut; Exkurs: Vom Stoff, aus dem die anderen sind; Wenn Forscher kleine Kinder ärgern; Erste Bedeutung des Anderen; Erste Grenzen; Erste Phantasie; Von Kindern und Hunden; Erste destruktive Aggression; Wut und Bindung
2.2.3. Von Freud zu Kernberg: Aggression als Trieb oder auch nicht (Psychoanalytische Ansätze)
Der mehrfache Freud; Für und wider den Todestrieb; Definitionsfrage: Trieb; Wie Triebe entstehen; Warum Gegner Gruppen brauchen; Wenn Gruppen gar nichts tun; Die Rolle des Anführers; Verführung der Massen; Aus der Aggression der Masse lernen
2.3. Alles Chemie?
2.3.1. Bereits bei den Genen beginnt es
Aggressive Gene?; Der weite Weg vom Gen zum Merkmal; Gen und Hirn
2.3.2. Die Stressspirale
Affenangst; Chemie der Angst; Mehr als Flucht; Stress und Hirnstruktur; Alarmstufe: rot; Das Aussterben der Saurier; Nicht nur Gene sind vererbbar; Folgen des Scheiterns
2.3.3. Segen und Fluch der Belohnung
2.3.4. Depression – die neue (?) Geißel der Menschheit
Chemie der Depression; Aggressive Chemie bei Tieren; Chemie der Depression = Chemie der Aggression
2.4. Alles zusammen aber wie?
2.4.1. Gesamtmodell zur Aggressionsentstehung
Die Entstehung der Psyche; Wirkmächtigkeit und Beziehung; Wie wir denken; Was ist Aggression?; Leben wächst, Denken bewirkt; Die braven Sadisten; Die Macht der Phantasie; Teuflische Systeme; Warum Liebe?; Die Bedeutung von Stress
2.4.2. Trauma und Aggression – Zu den Ursachen pathologischer Aggression
2.4.3. Historische Hintergründe pathologischer Aggression
2.4.4. Krieg und Terror
3. Konsequenzen für den Einzelnen, die Gesellschaft und politisches Handeln
3.1 Kurz zur Rekapitulation
3.2 Es gibt viel zu tun
3.2.1 Für sich sorgen
3.2.2 Gesellschaft heute und morgen
3.2.3 Politik

Mehr Infos:
http://www.koesel.de/detail.asp?ISBN=346634529
http://www.wdr5.de/nachhoeren/tagesgespraech.html