26.05.2006 - MRSA: Zunehmende Verbreitung von Staphylococcus aureus

Resistente Stämme auch außerhalb der Krankenhäuser

Infektionen durch Staphylococcus (S.) aureus sind eine häufige Ursache für Hospitalinfektionen. S. aureaus, ausgestattet mit einer Vielzahl von Pathogenitätsfaktoren, kann eine Vielzahl von Krankheitsbildern auslösen. Dazu gehören Haut-, Wundinfektionen, Abszesse, Harnwegsinfektionen, Osteomyelitiden, Pneumonien und Sepsis.

Aufgrund der zunehmenden Resistenz gegen die verfügbaren Antibiotika, stellt S. aureus heute eine wichtige Herausforderung an die Krankenhaushygiene dar. Ursache hierfür sind plasmid- und chromosomal-kodierte Resistenzdeterminanten, die nicht nur gegen Betalaktamantibiotika (mecA-Gen) gerichtet sind, sondern auch Makrolide, Chinolone sowie Aminoglykoside wirkungslos machen.

Auch sind erste S. aureus-Stämme isoliert worden, die gegen die bisher noch wirksamen Glykopeptidantibiotika, Vancomycin und Teicoplanin, nicht mehr voll empfindlich sind. Der Grund hierfür liegt in der Aufnahme eines Resistenzgens von Enterococus faecium durch diese Stämme.

Infektionen durch Staphylococcus (S.) aureus sind eine häufige Ursache für Hospitalinfektionen (Foto: mediXtra)

Von zunehmender Bedeutung ist die Frage, inwieweit sich resistente S. aureus-Stämme auch außerhalb klinischer Einrichtungen in der Bevölkerung verbreiten. Generell gilt, dass heute die meisten außerhalb eines Krankenhauses isolierten S. aureus-Stämme gegen Penicillin resistent sind. Aufgrund der zunehmenden Inzidenz von Methicillin- bzw. Oxacillin-resistenten S. aureus-Stämmen (MRSA bzw. ORSA) in Krankenhäusern, ist es nicht verwunderlich, dass sich diese Keime auch bei so genannten "Community acquired" Infektionen nachweisen lassen.

Diese inzwischen als cMRSA bezeichneten Stämme lassen sich von den "hospital acquired" (hMRSA) abgrenzen. Übertragen werden diese Keime durch engen Hautkontakt, wie zum  Beispiel auch durch Sexualverkehr oder diverse Sportarten (Ringen o.ä.). Auch bei Gruppen mit engem Kontakt oder Personen, die in schlechten sozialen Verhältnissen leben, kann es leicht zur Übertragung des Keimes und damit zur Kolonisation kommen.

In Deutschland muss man nach Berichten des Nationalen Referenzzentrums für Staphylokokken zwar von einer flächendeckenden Verbreitung von cMRSA ausgehen, jedoch liegen für diese Annahme keine genauen Zahlen vor. Ambulant erworbene cMRSA-Stämme finden sich insbesondere bei Haut- und Weichteilinfektionen, wie zum Beispiel Furunkeln.

Krankenhaus-Hygiene - Zunehmende Verbreitung von Staphylococcus aureus (Foto: mediXtra)

Auch wird durch cMRSA häufiger das Panton-Valentine Leukotoxin (PVL) exprimiert. Gerade für das mit der Pflege betraute medizinische Personal kann es bei Patientenkontakten zur Übertragung von PVL-MRSA kommen, was auch eine Weiterverbreitung dieser Stämme im persönlichen Umfeld zur Folge haben kann. Bei der Vermeidung dieser Infektion sind adäquate Hygienemaßnahmen von eminenter Bedeutung. Hierzu zählt insbesondere die konsequente und regelmäßige Händedesinfektion.

Für Krankenhäuser gilt es generell zu prüfen, ob ein routinemäßiges Eingangs-Screening der Patienten auf MRSA aufgrund der zunehmenden Verbreitung dieses Keimes nicht mittelfristig zu einer Kostenreduktion durch die Vermeidung von nosokomialen Infektionen führt. In den Niederlanden wird dieses Eingangs-Screening seit mehreren Jahren erfolgreich praktiziert, weswegen die Inzidenz von MRSA dort vergleichsweise weiterhin niedrig ist.

Staphylococcus aureus: Resistente Stämme auch außerhalb der Krankenhäuser (Foto: mediXtra)

Zwar werden durch die routinemäßige mikrobiologische Untersuchung direkte Laborkosten verursacht, was sich jedoch wegen der Verkürzung der Liegedauer positiv auf die Erlössituation eines Krankenhauses unter dem DRG-Abrechnungssystem auswirken dürfte. Der behandelnde Arzt hat nach dem Infektionsschutzgesetz §6 die namentliche Meldepflicht für MRSA-Infektionen zu beachten, wenn zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen auftreten, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).

© Medizinische Enzyklopädie 2010 -

http://www.rehabilitationsforschung-kreischa.de/termine.html
http://www.openpr.de/news/349042.html