Rund 4 Millionen Menschen in Deutschland leiden an bipolaren Störungen. Betroffene leben mit extremen Emotionen: Zwischen den Polen des manischen Hochs und des depressiven Tiefs ist ein geregeltes Leben schwer möglich. Bipolare Störungen - auch manisch-depressive Erkrankungen genannt - werden häufig spät diagnostiziert. Dies liegt unter anderem daran, dass viele Patienten sich ihrem Arzt nicht anvertrauen. Betroffene und Angehörige sollten sich deshalb über Diagnose- und Therapiemöglichkeiten gründlich informieren.
"Manie besagt, dass Stimmung und Gefühlsleben überschäumen, unser Verhalten gerät außer Kontrolle. Depression bedeutet Traurigkeit, Angst, Antriebslosigkeit. Dieses Auf und Ab sowie die emotionale Labilität sind ständige Lebensbegleiter für die Betroffenen", erklärt Professor Dr. med. habil. Peter Bräunig, Autor des Ratgebers "Leben mit bipolaren Störungen" (TRIAS, Stuttgart. 2004). Er ist Leiter der Klinik für Psychiatrie, Verhaltensmedizin und Psychosomatik am Klinikum Chemnitz.
Allen Emotionen gemeinsam ist, dass sie bei bestimmten Anlässen auftreten, das heißt sie benötigen einen Reiz, der sie aktiviert. "Unser Gemüt umfasst unendlich viele Emotionen. Diese sind mit biologischen Funktionen und Fähigkeiten verknüpft, die das Überleben des Menschen sichern helfen", informiert Bräunig. Im Unterschied dazu genügen bei der bipolaren Erkrankung Minimalreize, um intensive Gefühle auszulösen. Sehr häufig zeigen sich extreme Emotionen ganz ohne Auslöser.
Die Krankheitssymptome treten nicht dauerhaft, sondern in Phasen auf. "Zwischen den akuten Krankheitsphasen liegen so genannte Intervalle, in denen die manisch-depressive Krankheit 'schläft'", erklärt der Autor. Die Abstände zwischen den akuten Krankheitsphasen sind bei jedem Betroffenen unterschiedlich lang, ebenso die einzelnen Krankheitsepisoden.
In dem Ratgeber gibt Bräunig Antworten auf Fragen zu Symptomen, unterschiedlichen Krankheitsverläufen, Diagnose und Therapie. Er informiert über Berufs- und Familienleben, Selbsthilfe-Möglichkeiten und gibt Tipps zur Arztsuche. Die Auswahl der Fragestellungen basiert auf dem Chat im Internetforum der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) e. V. Bräunig liefert zusätzlich Materialien wie einen Phasenkalender, in dem die einzelnen Krankheitsepisoden festgehalten werden können. In dem der Arzt die Krankheit langfristig analysiert, kann er leichter eine Diagnose stellen... [mehr]