20.04.2009 - Der kleine Unterschied: Facelift beim Mann

Schnittführung muss dem Bartwuchs und dem Grad der Hauterschlaffung Rechnung tragen

Facelift
Thema Face-Necklift mit SMAS-Straffung

Nicht nur Frauen, auch Männer wollen im Alter zunehmend attraktiv und jugendlich sein. Allerdings gibt es beim Facelift einige Besonderheiten zu bedenken, die bei Frauen in aller Regel hinfällig sind.
Mit 50 Jahren sind die meisten Männer heute noch wesentlich gesünder als früher.

Zudem steigt die Lebenserwartung stetig an. Ein älter aussehendes Gesicht als man sich fühlt akzeptieren viele Männer immer weniger. Auch beruflich und sozial will Mann mit 60 mit jüngeren Generationen auch optisch noch mithalten, strahlt ein jugendliches Gesicht doch Dynamik, Entscheidungsstärke und auch sexuelle Attraktivität aus. Dies alles stellen Beweggründe für ein Facelift dar.

Im Bereich des SMAS unterscheidet sich das Operationsverfahren beim Mann nicht von dem bei einer Frau. Doch beim Hautschnitt gibt es einige Unterschiede zu bedenken. Während zum Beispiel Frauen aufgrund der häufig längeren Haare die entstandenen Narben bereits frühzeitig nach dem Eingriff verdecken können, fällt diese Möglichkeit beim Mann meist weg. Diese Tatsache sowie die Planung der Inzisionen muss daher bereits im Vorfeld kommuniziert werden.

Prinzipiell gilt, dass Zugrichtung und Spannung in behaarte Zonen verlagert und das Gewebe möglichst an fixen Strukturen aufgehängt werden sollte. Bezüglich der Kriterien der Schnittführung im retroaurikulären Bereich gibt es zwischen den Geschlechtern kaum Unterschiede: Ist, wie in den meisten  Fällen, die Haut im Bereich des Halses nur mäßig erschlafft, wird von okzipital kommend der Schnitt in die behaarte Kopfhaut gelegt, und zwar in Projektion der Protuberantia occipitalis externa auf eine Punkt eineinhalb Zentimeter kranial des Tragus.

Ausgehend vom retroaurikulären Sulcus misst diese Inzision etwa 8 bis 10 cm. Der Schnitt quert dabei die haarlose Regio retroauricularis. Hier ist beim späteren Wundverschluss keine stufenartige Verlagerung des Haaransatzes gewünscht. Um dies zu gewährleisten, wird der Schnitt – bei stärkerer Erschlaffung der Haut im Halsbereich und einer mehr als 5 cm erwarteten Hautresektion pro Seite – direkt an die Haargrenze gelegt.

Die Inzision verläuft anschließend, wie auch bei der Frau, im retroaurikulären Sulkus nach kaudal und verläuft dann präaurikulär weiter. Dabei besteht die Möglichkeit, die häufig vergrößerten Ohrläppchen zu korrigieren, sofern der Patient dies möchte.

Präaurikulär verläuft der Schnitt entweder retro- oder prätragal: Vorteil der retrotragalen Methode ist es, dass der Schnitt von ventral nicht sichtbar ist. Allerdings kann es aufgrund des Zuges der Gesichtshaut auf den Tragus zu einer Erweiterung des Meatus externus des Ohres kommen. Zudem kann der prätragale Sulkus verstreichen, wodurch dieser Bereich unnatürlich eben wirkt. Diese Schnittführung bietet sich daher nur dann an, wenn klar ist, dass sich ein dün-ner und spannungsfreier Hautlappen über den Tragus ausbreiten lässt.

Durch eine prätragale Schnittführung wird bei Männern verhindert, dass barttragenden Haut auf den Tragus verlagert wird. Allerdings ist der Hauttyp des Patienten entscheidend. Unserer Erfahrung nach neigen nämlich Patienten mit seborrhoischer Haut eher zur Ausbildung breiterer Narben. Hier muss eine subkutane Verankerung der Haut an fixen Strukturen sowie ein spannungsfreier Wundverschluss erfolgen, um die Narbe möglichst klein  zu halten.

Der Schnitt im Bereich der Schläfe kann beim Mann eher als bei der Frau in  den behaarten Kopf verlagert werden. Denn selbst wenn durch den Eingriff der präaurikulare Haaransatz, die Kotlette, nach kranial verzogen wird, kann dies durch die Bartbehaarung kaschiert werden. Bei Geheimratsecken ist im Vorfeld der Operation eine temporale Schnittführung zu besprechen.

Besonderes Augenmerk beim Facelift muss auf den Bartwuchs gelegt werden. Zwar ist im Bartbereich die Durchblutung aufgrund des stärker ausgeprägten papillären Gefäßplexus besser, wodurch sich das Risiko für Fettgewebsatrophien und Hautnekrosen vermindert. Allerdings geht die Straffungsoperation immer mit einer Verlagerung der Gesichtshaut einher. Der 1 bis 1,5 cm breite, präaurikuläre, barthaarfreie Streifen fällt der Operation in der Regel zum Opfer.

Selbst bei prätragaler Schnittführung kann dies einen unnatürlichen und stigmatisierenden Effekt hervorrufen. Denn trotz Rasur erscheint die Haut aufgrund der sichtbaren Haarschäfte dunkler.
Hinter die Ohrmuschel verlagerte barttragende Haut bereitet häufig Probleme beim Rasieren. Schädigt man die Haarwurzeln durch vorsichtiges Kauterisieren und Ausdünnen des subkutanen Fettgewebes, kann man diesem Problem vorbeuten. Allerdings schädigt man zeitgleich auch den papillären Gefäßplexus, wodurch das Risiko für Hautnekrosen wieder steigt.

Die postoperative Versorgung beim Mann gleicht der der Frau. Im Anschluss an den Eingriff wird ein faltenfreier, nicht komprimierender Gesichtsverband angelegt. Eventuell auftretende Nachblutungen sind sofort zu versorgen, da als Folge Nekrosen, lang anhaltende Verhärtungen oder narbige Verziehungen entstehen können. Der Gesichtsverband sowie die Wunddrainage können am ersten postoperativen Tag entfernt werden. Eine Haarwäsche ist, je nach Heilungsverlauf, ab dem ersten Tag möglich.

Wir bieten unseren Patienten nach dem stationären Aufenthalt engmaschige Kontrollen und Wundreinigung an. Die Patienten benötigen in dieser Phase besonderen Zuspruch, da doch Viele durch Schwellungen  verunsichert sind. Hautnähte und Klammern im behaarten Bereich werden am zehnten Tag entfernt. Danach bleibt abzuwarten, wie sich der Bartwuchs entwickelt und ob eine Epilation erforderlich ist.


Text: Dr. med. Olaf Kauder, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie
Kurfürstendamm 47; D-10707 Berlin, Germany

Tel: +49 30 8823420; Fax: +49 30 8824557
E-Mail: info@plastische-chirurgie-berlin.de
www.plastische-chirurgie-berlin.de

Beitrag in "aesthetic TRIBUNE"; Juni 2007

Unterschiede zwischen Mann und Frau beim Facelift

Prinzipiell ähneln sich die Methoden. Dennoch sind bei Männern einige Besonderheiten zu beachten:
- der Bartwuchs
- dickere Haut
- stärker ausgeprägte Neigung zu intra- und postoperativen Blutungen
- häufiger auftretende Hämatome
- Neigung zu Ödemen ist etwas größer
- bei Bedarf muss die Inzision modifiziert werden