Wenige Wochen nach der Tsunami-Katastrophe in Ostasien operiert ein Ärzteteam von Interplast Germany (http:/www.interplast-germany.de) im General Hospital Ampara/Sri Lanka diejenigen Opfer, die bereits erste Hilfe bekommen haben.
Etwa 1.000 Patienten wurden nach der Flutwelle dort behandelt. Dr. Jürgen Toennissen, Chefarzt der Plastischen Chirurgie der Katholischen Kliniken Duisburg und Leiter der dortigen Interplast-Sektion, arbeitet derzeit mit einem zehnköpfigen Team aus Chirurgen, Anästhesisten und Pflegern in Ampara/Ost-Sri Lanka, nur wenige Kilometer von der Krisenregion entfernt.
Die Journalistin Andrea Grabner begleitet das Interplast-Team in Ampara/Sri Lanka und führte gestern für medixtra.com folgendes Interview.
20.01.2005 - Plastische Chirurgen nach Flutwelle in Sri Lanka im Einsatz
Plastische Chirurgie in Sri Lanka: Interplast Germany hilft nach der Tsunami-Katastrophe
Sie sind drei Wochen in Ampara, der vom Tsunami am schwersten betroffenen Region im Osten Sri Lankas unterwegs. Wie ist die Situation vor Ort?
Dr. Toennissen: In der Region Ampara starben ein Drittel der Bevölkerung durch den Tsunami. Von den etwa 1200 Verletzten wurden die meisten ins General Hospital von Ampara eingeliefert. Allein in der ersten Nacht nach der Flut konnten 100 von ihnen operiert werden. Eine Höchstleistung für ein solches Krankenhaus.
Welche Verletzungen wurden vornehmlich behandelt?
Dr. Toennissen: Die meisten litten an schweren tiefen Schnittwunden, teilweise ist das Fleisch durch umherschwimmende Teile bis auf die Knochen herausgerissen worden. Andere hatten Kopfverletzungen, hatten Salzwasser eingeatmet und Knochenbrüche erlitten.
Die meisten dieser Patienten sind nun entlassen. Zurück bleiben die ganz schwierigen Fälle mit sehr großen Hautdefekten an der Körperoberfläche. Mit welchen Problemen haben Sie nun zu kämpfen?
Dr. Toenissen: Durch ausgedehnte Hautverpflanzungen müssen diese Defekte abgedeckt werden. Zur Kontrolle der Anheilung der verpflanzten Haut müssen wir alle zwei Tage Verbandswechsel in Narkose durchführen.
Bietet das Krankenhaus ausreichende Möglichkeiten für die Behandlung?
Dr. Toennissen: Das General Hospital in Ampara gehört zu den modernsten Kliniken Sri Lankas, wenngleich es sich auch in einer der ärmsten Regionen befindet. Wir haben hier eher mit organisatorischen Schwierigkeiten zu kämpfen, angefangen von der unbefriedigenden Zusammenarbeit mit Kollegen vor Ort oder einer schlechten Unterbringung des Teams wegen begrenzter Kapazitäten.
Ich habe den Eindruck, dass das Elend nach der Katastrophe zu sehr verwaltet und zu wenig praktische Hilfe geleistet wird. Aber Improvisieren gehört bei solchen Einsätzen immer zum Geschäft. Das soll uns nicht entmutigen, hier zu helfen. Das gesamte Team ist hochmotiviert und zeigt trotz allem vollen Einsatz.
Wie kann speziell die Hilfsorganisation Interplast Germany den Menschen in Sri Lanka helfen?
Dr. Toenissen: Interplast ist ein gemeinnütziger Verein von Plastischen Chirurgen, die in vielen Ländern armen Menschen die einzige Möglichkeit kostenloser plastischer Behandlungen bietet. Bereits im vergangenen Jahr habe ich mit einem Team in Ampara Patienten behandelt, einige kamen nun zur Weiterbehandlung.
Der Tsunami kam etwas dazwischen. Normalerweise operieren wir vornehmlich Kiefer-, Lippen- und Gaumenspalten, angeborene Fehlstellungen und Verbrennungsschäden - vor allem bei Kindern. Dies war auch unsere ursprüngliche und seit vielen Monaten geplante Mission. Bis der Tsunami kam. Die Auswirkungen dieser Katastrophe sind für das ganze Team nun eine enorme Herausforderung hier in Sri Lanka. Und weltweit warten Projekte in vielen anderen Ländern.
Spendenkonto:
Interplast Germany
Sektion Duisburg
Commerzbank Duisburg
BLZ: 35040038
KTO: 560360000
(Text und Bild: Andrea Grabner, Ampara/Sri Lanka)
© Medizinische Enzyklopädie 2010


