02.12.2009 - Wann ist ein Screening auf Herpes genitalis indiziert?

HSV2: Test nur bei Beratungsangebot vor und nach dem Screening sinnvoll

Herpes genitalis, verursacht durch das Herpes-Simplex-Virus 2, ist eine der häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD) und derzeit wie andere STDs wieder im Anstieg. Die Inkubationszeit beträgt 3 bis 7 Tage. Klinisch äußert sich der primäre Herpes genitalis durch Brennen und Schmerzen, dann Bläschen und herpetiformen Ulzerationen an Labien, Portio und Vagina bzw. Glans penis und Penisschaft. Häufig ist auch die Perianalregion betroffen. Typisch ist zudem ein teilweise beidseitige Beteiligung der regionalen Lymphknoten. Rezidive sind in den meisten Fällen symptomatisch und äußern sich mit den typischen Herpesbläschen.

Die Häufigkeit der jährlichen Rezidive kann sehr variabel sein. Bei Schwangeren mit Herpes genitalis kann es zum Herpes neonatorum kommen. Die Inzidenz des Herpes neonatorum beträgt etwa 1 pro 7.500 Geburten. Die Ansteckung des Neugeborenen erfolgt dabei perinatal über den infizierten Geburtskanal. Aufgrund der Verfügbarkeit typenspezifischer diagnostischer Methoden lassen sich symptomatisch und asymptomatisch HSV-2-infizierte Frauen identifizieren. Damit stellt sich die Frage, ob eine generelles Screening sinnvoll ist.

Seroepidemiologische Untersuchungen fanden in den USA eine Prävalenz von 22% in der Allgemeinbevölkerung. Allerdings wissen 90% der HSV-2-antikörper- positiven Personen nichts von ihrer Infektion. Neuere Untersuchungen zeigten, dass HSV-2-Infizierte unwissentlich das Virus asymptomatisch über verschiedene genitale Lokalisationen ausscheiden können. Diese asymptomatische Population dürfte
somit das Hauptreservoir für die dauernde Weiterverbreitung von HSV-2 in der Bevölkerung darstellen.

HSV-2 ist in der sexuell aktiven Bevölkerung hochprävalent, was zum einem eine hohe neonatale Morbidität bedingt und zum anderen einen wichtigen Kofaktor bei der Infektion mit HIV und Weiterverbreitung darstellt.Typen-spezifische Antikörpertests ermöglichen es heute HSV-2-infizierte Personen weitgehend sicher zu identifizieren. Wegen der zunehmenden Verbreitung von HSV-2 werden inzwischen Screeningtests für bestimmte Populationen von einigen Experten gefordert. Allerdings gibt es hierzu keine evidenz-basierten Leitlinien, die ein etwaiges Screening rechtfertigen würde.

Zur Bestätigung einer klinischen Erkrankung sind Antigen- oder Antikörpertests hingegen durchaus geeignete diagnostische Methoden, sowie die PCR. Personen, die auf eine HSV-2-Infektion untersucht werden, sollte eine ausführliche Beratung hinsichtlich der Möglichkeit einer Prävention und Transmission dieser Infektion angeboten werden. Hierbei wird zwischen einer Beratung vor und nach einer Testung unterschieden. Diese Beratung sollte insbesondere auch Möglichkeiten zur Vermeidung einer Weiterübertragung beinhalten.

Es macht unter evidenz-basierten Betrachtungen wenig Sinn, Kosten für eine Testung bzw. ein Screening-Programm aufzuwenden, wenn dieses keine Auswirkung auf die zukünftige Lebensführung hat. Nur wenn ein adäquates Beratungsangebot vor und nach einer Testung auf motivierte Patienten trifft, wäre ein Screening erfolgreich und kosten-effizient. Als Therapie stehen eine Reihe hoch spezifischer antiviraler Wirkstoffe zur Verfügung, Impfstoffe befinden sich in der Entwicklung.


(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).

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