Rotavirus ist weltweit der häufigste Erreger von Diarrhoen bis zum Alter von 2 Jahren. Nach Schätzungen der Weltgesundheitorganisation versterben in Entwicklungsländern jährlich etwa 500.000 Kinder an den Folgen dieser viralen Gastroenteritis. Zwar sind Rotavirus-assoziierte Todesfälle in den Industrieländern eher selten, jedoch ist diese Infektion für eine erhebliche Morbidität und zahlreiche Hospitalisierungen verantwortlich.
Epidemiologische Studien belegen, dass bis zum Alter von 3 bis 5 Jahren nahezu alle Kinder bereits mit Rotavirus infiziert waren. Infektionen können auch bei Erwachsenen vorkommen, wobei diese meist ohne klinische Beschwerden verlaufen. Die zur Familie der Reoviridae gehörenden Rotaviren sind unbehüllt und besitzen als Genom eine doppelsträngige RNA. Entsprechend ihrer Antigene werden sie in die Gruppen A-E unterteilt. Die größte humanmedizinische Bedeutung besitzen Rotaviren der Gruppe A, bei der sich 6 Serotypen unterscheiden lassen.
31.10.2009 - Rotavirus: häufiger Erreger nosokomialer Ausbrüche von Durchfall
Rotavirus: Erkrankungsgipfel im Winter
Die Übertragung von Rotaviren erfolgt hauptsächlich auf fäkal-oralem Weg. Bei gesunden Kindern dauert die Virusausscheidung mit dem Stuhl in der Regel ein bis maximal 2 Wochen. Bei Frühgeborenen oder immunsupprimierten Kindern kann das Virus durchaus über mehrere Wochen bis Monate ausgeschieden werden. Aufgrund der hohen Umweltresistenz bleibt das Virus im Stuhl über mehrere Tage infektiös. Dies ist sicherlich mit ein Grund für die hohe Durchseuchung in Entwicklungsländern mit schlechtem Hygienestatus.
Die Inkubationszeit beträgt 1 bis 3 Tage. Zum Krankheitsbild gehören Durchfall mit Erbrechen; Fieber tritt meist nicht auf. Zudem können unspezifische respiratorische Beschwerden auftreten. Bei unkompliziertem Verlauf dauern die Durchfälle für 3 bis 5 Tage an. Klinisches Hauptproblem ist die zum Teil stark ausgeprägte Dehydratation sowie der Elektrolytverlust. Hierdurch kann es zum Kreislaufversagen kommen, welches unbehandelt auch zum Tode führen kann. Die Therapie richtet sich daher in erster Linie auf eine orale oder, falls notwendig, intravenöse Rehydratation und Elektrolytsubstitution.
Für die Diagnostik der akuten Infektion stehen immunologische Schnelltests zur Verfügung, mit denen Rotavirus-Antigene nachgewiesen werden. Darüber hinaus werden PCR zum Nachweis viraler Genome angeboten. Die durchgemachte Infektion hinterlässt nur eine Teilimmunität. Daher kommen Reinfektionen vor, die jedoch meist asymptomatisch verlaufen.
Seit Jahren wurde an der Entwicklung einer Vakzine gegen Rotaviren gearbeitet. Ein erster oraler tetravalenter, lebendattenuierter Impfstoff (RotaShieldR) wurde 1998 in den USA zugelassen und zur Immunisierung von Kindern empfohlen. Ein Jahr später wurde dieser Impfstoff jedoch wieder vom Markt genommen, da es zu einer wahrscheinlichen vakzine-assoziierten Häufung von Darminvaginationen bei geimpften Kindern gekommen war. Die Ursachen hierfür blieben letztlich unklar. Seit kurzem stehen zwei neue Rotavirus-Impfstoffe (Rotarix, Rotateq) für die Impfung von Kleinkindern zur Verfügung.
Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) §7 besteht beim Nachweis einer akuten Infektion durch das Labor eine namentliche Meldepflicht. Darüber hat der behandelnde Arzt nach IfSG §6 die namentliche Meldepflicht zu beachten, wenn der Verdacht auf eine akute infektiöse Gastroenteritis besteht, wenn zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen auftreten, bei den ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird.
Die Inzidenz von Rotavirus-Infektionen unterliegt in Deutschland, im Gegensatz zu tropischen Gebieten, jahreszeitlichen Schwankungen. So wird ein Erkrankungsgipfel im Winter beobachtet. Von großer Bedeutung sind die immer wieder auftretenden nosokomialen Rotavirus-Ausbrüche auf Früh- oder Neugeborenenstationen. Zu Kleinraumepidemien kommt es oftmals auch in kinderbetreuenden Einrichtungen, wie insbesondere Kinderkrippen und –gärten.
(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).
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