10.11.2009 - Kerato-Konjunktivitis epidemica als nosokomiale Infektion

Hochansteckend und meldepflichtig - Auslöser mit Adenoviren kontaminierte Gegenstände oder Instrumente in Praxen oder Kliniken

Verursacher der Keratokonjunktivitis epidemica sind Adenoviren, die insbesondere wiederholt bei Ausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen (zum Beispiel Bundeswehrkasernen) zu Medieninteresse führen. Antigenetisch lassen sich 51 Subtypen differenzieren, die unterschiedliche Krankheitsbilder verursachen. Neben der Keratokonjunktivitis epidemica (Typ 8, 19, 37) sind dies akute Atemwegserkrankungen, Pharyngokonjunktivalfieber, die follikuläre Konjunktivitis, Gastroenteritiden mit oder ohne mesenterialer Lymphadenopathie, Pneumonien und eine akute febrile Pharyngitis.

Humane Adenoviren sind weltweit verbreitet und zirkulieren ganzjährig. Einziges Erregerreservoir ist der Mensch. Übertragen wird das Virus durch Schmier- als auch Tröpfcheninfektion. Von besonderer Bedeutung sind dabei kontaminierte Gegenstände oder Instrumente in Praxen oder Kliniken.

Gerade Türklinken oder auch Kinderspielzeuge in Arztpraxen können dabei zur Ansteckungsquelle werden. Typische Infektionsquellen sind zum Beispiel auch gemeinsam zu benutzende Handtücher in Gemeinschaftseinrichtungen. Wegen der Umweltresistenz können Adenoviren auch durch kontaminiertes Schwimmbadwasser übertragen werden. Die Keratokonjunktivitis epidemica nimmt oftmals von medizinischen Einrichtungen (Augenarztpraxen oder Augenkliniken) seinen Ausgang. Ursache sind hierbei oft viruskontaminierte Tonometer.

Die Inkubationszeit beträgt 8 bis 9 Tage. Die Erkrankung beginnt plötzlich mit einer Rötung, ringförmiger Schwellung der Konjunktividen sowie präaurikulärer Lymphknotenschwellung. Es bestehen ein Fremdkörpergefühl, Photophobie, Juckreiz und Tränenfluss. Ferner besteht eine ödematöse Lidschwellung, die zur entzündlichen Ptosis führt. Als weitere Komplikation kann es nach wenigen Tagen zur Beteiligung der Kornea kommen, was sich dann als Keratokonjunktivitis superficialis punktata mit Epitheldefekten äußert.

Die Dauer der Erkrankung beträgt in der Regel 2 bis 4 Wochen. In den meisten Fällen klingt die Erkrankung ohne Visusminderung ab. Gelegentlich resultiert noch eine über mehrere Wochen anhaltende Hornhauttrübung. Eine durchgemachte Adenovirusinfektion hinterlässt nur eine typenspezifische Immunität. Dies bedeutet, dass Reinfektionen mit heterologen Serotypen möglich sind.

Die Therapie erfolgt symptomatisch; eine spezifische antivirale Behandlung ist nicht verfügbar. Neben dem klinischen Bild lässt sich die Keratokonjunktivitis epidemica durch den Nachweis von Adenovirus-Antigenen oder viraler DNA im Konjunktivalabstrich mittels Enzymimmunoassay, Immunfluoreszenztest, Latex- Schnelltests bzw. PCR sichern. In einigen Labors kann zudem eine Virusisolierung durchgeführt werden.

Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) § 7 unterliegt der direkte Nachweis von Adenoviren im Konjuktivalabstrich der namentlichen Meldepflicht. In einigen Bundesländern ist zudem die klinische Erkrankung an einer Keratokonjunktivitis epidemica aufgrund einer Landesverordnung namentlich meldepflichtig.

Das gehäufte Auftreten nosokomialer Fälle von Keratokonjunktivitis epidemica sind nach dem IfSG § 6 meldepflichtig. Gerade bei Erkrankungshäufungen gilt es die Weiterverbreitung dieser hochinfektiösen Erkrankung durch Beachtung der Hygieneregeln zu verhindern. Dazu gehört zum einen die ordnungsgemäße Durchführung von Desinfektionsmaßnahmen für Instrumente und Gegenstände. Eine große Ansteckungsgefahr geht dabei auch vom Händeschütteln aus, da es dabei zur Kontamination der Hände des Nicht-Erkrankten kommt. Auch ist die Verwendung von Einmalartikeln (zum Beispiel Einmalhandtücher) bzw. separater Handtücher wichtig. Eine effektive Therapie existiert nicht.


(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).

© Medizinische Enzyklopädie 2010